05.03.2021

Öffnung der Blumenläden sorgte für Erleichterung, aber auch Kritik

Seit Montag haben Blumenläden und Gärtnereien wieder offen - Valentinstaggeschäft ging an Supermärkte

Von Max Rieser

Schriesheim. Die Erleichterung ist groß. Und das nicht nur bei den Blumenhändlern selbst, sondern auch bei Schriesheims Bürgern. Das zeigte auch eine Umfrage der RNZ. Denn seit gestrigem Montag dürfen Baden-Württembergs Blumenläden nach langem Warten ihre Pforten wieder für Kunden öffnen. Und das war höchste Zeit, denn Betriebe wie Blumen Kimmel verkaufen nicht nur, sondern produzieren auch Pflanzen. Wären die Öffnungen noch länger hinauszögert worden, hätte ein Großteil der Produktion vernichtet werden müssen.

Jetzt sind "wir mit einem blauen Auge davongekommen", berichtet die Geschäftsführerin von Blumen Kimmel, Daniela Schmidt. Durch das gute Wetter hätte der Verkauf durch "Click and Collect" in der letzten Woche stark angezogen. So konnten doch noch viele Pflanzen verkauft werden. Das erlebte so auch Angelika Gottschling von "Blumen Angelika": "Man wusste dann auch nie, wie viel bestellt wird, und wenn die Blumen abgeschnitten sind, halten sie nicht ewig." Eine gewisse Unsicherheit bleibt aber auch jetzt noch. Gottschling gibt zu bedenken: "Im ersten Lockdown durften wir auch öffnen und haben dann eingekauft und umgebaut – und dann mussten wir doch schließen." Davor fürchtet man sich auch jetzt.

Die Vorbereitungen für die Öffnung mussten in Windeseile am Wochenende erfolgen. Das lag daran, dass das Land erst in der Nacht von Freitag auf Samstag grünes Licht gab: "Baden-Württemberg ist da immer sehr spät. In Bayern und Rheinland-Pfalz wusste man schon viel früher, dass es losgehen kann", ärgert sich Gottschling. Auch die Kommunikation mit dem Ordnungsamt erlebten beide als teilweise hilflos: "Der Gärtnerfachverband war immer unser erster Ansprechpartner. Beim Ordnungsamt wusste man oft selbst nicht, was für unsere Branche gilt", berichtet Schmidt. "Da wurden mir dann die Bestimmungen aus dem Internet vorgelesen. Das bringt mich nicht wirklich weiter, die kannte ich ja schon", sagt auch Gottschling. Ein Punkt, den beide Betriebe als himmelschreiende Ungerechtigkeit empfinden, ist das Vorgehen von Discountern und Supermärkten: "Die haben aufgerüstet, das war abartig", sagt Gottschling. Man hätte sich ein Verbot dieser enormen Werbung zu Valentinstag gewünscht. Auch ist beiden unklar, warum in einem Supermarkt unter ähnlichen Bedingungen wie in einem Blumenladen Pflanzen verkauft werden durften, bei ihnen jedoch nicht.

Trotz aller Widrigkeiten ist man froh, endlich wieder starten zu können: "Es ist auch schöner, die Leute persönlich zu beraten. Dann können sie sich auch viel besser aussuchen, was ihnen gefällt. Das war am Telefon schon sehr schwer", so Gottschling. "Aber jetzt ist das Interesse groß, und die Leute freuen sich, dass sie wieder kommen dürfen", sagt sie weiter. Daniela Schmidt sagt: "Wir waren alle richtig fröhlich, als wir dann morgens das Geschäft endlich wieder für die Kunden vorbereiten konnten." Dabei sei sie extra vorsichtig vorgegangen, mehrmals durch die Verkaufsräume gelaufen und habe alle Wege und Regale so konzipiert, dass es sich nirgends staut und überall genug Platz und Desinfektionsmöglichkeiten vorhanden sind.

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Autor: Rhein-Neckar-Zeitung