05.03.2021

Kerwen und Volksfeste in der Region: So planen Städte ihre großen Sommer-Veranstaltungen

Kerwen und Volksfeste in der Region: So planen Städte ihre großen Sommer-Veranstaltungen

Wann sich wieder Riesenräder auf Kerwen sowie Wein- und Volksfesten drehen dürfen, ist momentan völlig unklar. Foto: Dorn
Je später das Fest, desto größer die Hoffnung - Viele Kommunen zögern Entscheidung hinaus

Von Carsten Blaue

Heidelberg. Volksfeste und Kerwen bieten Geselligkeit und Begegnungen, nach denen sich viele Menschen wieder sehnen. Für Schausteller, Bierbrauer, Winzer und Wirte sind sie noch viel mehr, nämlich ein Teil ihrer wirtschaftlichen Existenzgrundlage. Doch die Aussichten in diesem Jahr sind bislang eher düster. Viele Veranstaltungen wurden schon abgesagt oder verschoben. Im besten Fall warten Städte und Gemeinden noch und zögern Entscheidungen so weit hinaus, wie es geht. In der Hoffnung, dass sich die Coronalage doch mal entspannt. Ein paar Beispiele zur Stimmungslage.

Die Frankenthaler Stadtverwaltung hat am Dienstag für klare Verhältnisse gesorgt und bis Ende Juni alles abgesagt. Also auch das Strohhutfest am verlängerten Wochenende von Fronleichnam, das meist um die 200.000 Besucher zählt. Die Schriesheimer haben sich schon im Januar damit abfinden müssen, dass ihr Mathaisemarkt erstmals seit 1991 komplett ausfällt – an diesem Freitag hätte er begonnen. In Eppingen hat der Gemeinderat am Dienstag entschieden, dass die für 2020 geplanten und auf dieses Jahr verschobenen "Heimattage" noch einmal verlegt werden – irgendwann ins Jahr 2022.

Auch die Zweifel an der Gartenschau in der Fachwerkstadt werden immer lauter. Diese soll am 7. Mai eröffnet werden. Aber wie und unter welchen Voraussetzungen? Die Eppinger Stadträte wollen nächste Woche in einer Sondersitzung entscheiden, wie es weitergehen soll. Spätestens am 6. Juli klären die Kommunalpolitiker in Bad Dürkheim, was dieses Jahr aus dem Wurstmarkt wird. Über das Stadtfest wird im März und über den "Limburger Sommer" im April getagt.

Fest steht, dass mit Hygiene- und coronakonformen Veranstaltungskonzepten weitergeplant wird, solange es möglich ist und keine Kosten entstehen: "An diesen Grundsatz fühlen wir uns gebunden, um den Beschickern und Künstlern möglichst lange eine wirtschaftliche Option offen zu halten", sagt Bürgermeister Christoph Glogger. Er hofft, dass die Stadt dabei die "Entscheidungshoheit" behält und diese nicht durch rechtliche Vorgaben abgenommen bekommt.

Auch im Wieslocher Rathaus wartet man mit Blick auf das Winzerfest noch zu. "Wir hoffen natürlich irgendwie auf eine Durchführung des Festes mit Festplatz-Rummel, Musikangeboten in den Pagodenzelten und unserem beliebten ’Weindorf im Gerbersruhpark’ in herkömmlicher Weise", sagt Stadtsprecherin Ines Adam. Nach der Absage aller Feste im vergangenen Jahr wäre das "fantastisch". Adam hat Hoffnung, dass es klappen könnte, weil das Winzerfest "ein wenig später im Jahr ist". Also zögert Wiesloch noch mit Absagen oder Umplanungen und schaut, wie sich die Lage entwickelt – und vor allem auch, welche Regeln die Politik vorgibt. Zur Not müsse man sich fügen. Keiner wisse, was im August oder September möglich sein werde.

Infektionsschutz gehe auf jeden Fall vor. Und der sei bei einem solchen Fest, das von Zusammensein, spontanem Treffen und Genießen lebe, eben schwer. Feiern mit Abstand und Masken würde dem Winzerfest sicher nicht gerecht, und es könne Ausrichter und Besucher mehr enttäuschen als zufrieden stellen, so Adam. Es spricht also einiges dafür, dass entschieden wird wie im vergangenen Jahr: ganz oder gar nicht. Für den Wieslocher Frühlingsmarkt, verbunden mit dem Weinfest, ist übrigens noch gar nichts geplant.

Auch in Ladenburg harrt man der Dinge. Eine Entscheidung, ob das Altstadtfest oder die Kerwe in gewohnter Weise stattfinden könnten, sei aufgrund der gegebenen Umstände nicht absehbar, sagt Nicole Hoffmann, Referentin von Bürgermeister Stefan Schmutz. "Eine Entscheidung werden wir zu einem späteren Zeitpunkt aufgrund der verfügbaren Informationen treffen."

Abwarten auch in Weinheim: "Wir können heute natürlich noch keine definitive Aussage dazu treffen, wie eine Kerwe im August aussehen wird – das hängt ja ganz wesentlich von der dann herrschenden Pandemiesituation und den Corona-Verordnungen ab", sagt Stadtsprecher Roland Kern. "Wir müssen auch mit jener Variante rechnen, dass eine Kerwe zumindest in der gewohnten und lieb gewonnenen Form nicht möglich sein wird. Etwas anderes zu glauben, wäre sicher naiv."

In der Zweiburgenstadt arbeitet die Stadt in Sachen Kerwe schon immer eng mit dem Heimat- und Kerweverein "Alt Weinheim" zusammen. Erste Gespräche darüber, wie eine coronakonforme Kerwe aussehen könnte, und erste Ideen gebe es schon, sagt Kern. Das Frühjahr werde man für weitere Planungen nutzen. Eine Kerwe soll es aber auf jeden Fall geben, in "irgendeiner Form". Voraussichtlich bis Mai oder Juni soll ein Konzept vorliegen. "Vorher wäre es nicht nötig und auch nicht sinnvoll, weil wir uns ja nach den jeweils geltenden Verordnungen richten müssen", so Kern.

Als Nächstes steht in Weinheim aber der Sommertagszug am 14. März im Kalender, dessen Weg durch die Innenstadt stets Tausende säumen und danach auf den Marktplatz strömen, um nicht zu verpassen, wie der Schneemann in Flammen aufgeht. Kern kündigt eine Online-Variante des Sommertagszugs an – mit einer Live-Übertragung der Verbrennung des Schneemanns und einer Art coronakonformer "Sommertagsrätselrallye" durch die Stadt.

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Autor: Rhein-Neckar-Zeitung