17.03.2021

Mancher Einzelhändler ist enttäuscht

Nicht jeder in Schriesheim ist von Verschärfungen betroffen: Es sei "wenig sinnvoll", ausgerechnet die kleinen Geschäfte zu regulieren.

Von Max Rieser

Schriesheim. Es ist kein Entkommen aus dem Strudel an Lockerungen und Verschärfungen für den Einzelhandel. Ab sofort müssen Besucher von Ladengeschäften im Rhein-Neckar-Kreis vorher einen Termin vereinbaren, um einkaufen zu dürfen. "Click & Meet" heißt dieses neue Vorgehen. Das betrifft einige mehr als andere. Geschäfte des täglichen Bedarfs, zu denen auch Buchhandlungen und Blumenläden gehören, müssen keine neuen Verordnungen umsetzen.

Anders sieht es bei Bekleidungsgeschäften aus. In "Elas Modeatelier" an der Talstraße ist man enttäuscht: "Es ist einfach schade, die Leute haben gerade erst erfahren, dass wir wieder öffnen dürfen, und jetzt müssen wir schon wieder zurückrudern", findet Verkäuferin Barbara. Es hätten sich viele Frauen gefreut, endlich wieder im Laden einkaufen zu können: "Jetzt sind die neuen Sachen für den Frühling gekommen mit Farben und das tut auch der Seele gut", so die Verkäuferin. Außerdem halte sie es für wenig sinnvoll, die kleinen Geschäfte zu regulieren, während große Supermarktketten überfüllt seien: "Es wäre besser, die Läden in Schriesheim wieder zu öffnen. Dann bleiben die Leute auch im Ort und fahren nicht mit der vollen OEG nach Heidelberg." Auch Tests wären eine Möglichkeit, wobei die Mitarbeiterin schätzt, dass es sich für Geschäfte wie das Modeatelier nicht lohnen würde.

Ingrid Bosselmann-Weinland betreibt das Geschenk- und Inneneinrichtungshaus "Opus". Auch sie hält Tests für eine sinnvolle Möglichkeit zur Eindämmung der Infektionen, allerdings an anderer Stelle: "Es müsste jetzt viel mehr in den Schulen getestet werden. Da kommen so viele Menschen zusammen, und ich habe gelesen, dass das neue Testzentrum eine Kapazität von 800 Tests am Tag hat." Geschäfte wie ihres, in denen ohnehin nur maximal zwei Kunden auf einmal erlaubt sind, kann sie sich nicht als enorme Infektionsherde vorstellen.

Neben den Tests würde sie sich eine einfachere Kontaktverfolgung wünschen: "Wir müssen die Daten der Kunden aufschreiben und das alles dann ans Gesundheitsamt weiterleiten. Das kostet viel Zeit und ist mit einigem Aufwand verbunden." Eine Erfassung per App hält Bosselmann-Weinland für sinnvoller: "Es wird jetzt viel über die Luca-App diskutiert, aber es kommt am Ende wenig. Es wäre schön, wenn die Stadt ein bisschen mehr auf die Geschäfte zugehen würde, anstatt uns immer nur ihr Verständnis auszudrücken", findet sie. Denn dann könne man zusammen versuchen, mit der Situation umzugehen.

Von den Verschärfungen weniger betroffen ist die Kaffee- und Craftbier-Bar "HandWerk" von Andreas Pfeifer, der seine Produkte über ein Fenster in der Ladentür zum Mitnehmen anbietet: "Ich bin jetzt im fünften Monat Fensterverkauf und glaube, dass es auch noch bis weit nach Ostern so bleiben wird." Der Verkauf sei zwar nicht so, wie es vorher war, und die Gastlichkeit fehlt Pfeifer. Begeistert ist er aber von der Unterstützung der Schriesheimer. Er ist außerdem erleichtert, weil sein Vermieter ihm die Pacht vorerst erlassen hat. Die Maßnahmen sieht Pfeifer als sinnvoll an und findet: "Es geht ja allen so, und irgendwie kriegen wir das schon hin."

Glück hat auch Christian Reinhard, Inhaber der Espressobar "divino", gehabt: "Bei uns geht es, weil wir geöffnet lassen dürfen", sagt er. Wegen seines Angebots an italienischer Feinkost musste er nur die Sitzmöglichkeiten des Cafés entfernen. Neben dem Straßenverkauf ist Reinhard außerdem noch breiter aufgestellt: "Wir produzieren italienisches Gebäck wie Cantuccini und auch weiches Mandelgebäck und beliefern viele andere Geschäfte in der Region."

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Autor: Rhein-Neckar-Zeitung