23.03.2021

Gärtner-Areal Schriesheim: Anwohner widersprechen Höfer

Gärtner-Areal Schriesheim: Anwohner widersprechen Höfer

So sieht das Gärtner-Gelände von „hinten“, also von der Heinrich-von-Kleist-Straße aus. Die bisherige Gebäudehöhe ist für die angrenzenden Nachbarn kein Problem, aber doch, dass die geplanten Neubauten viergeschossig sein würden – mit negativen Folgen für sie. Foto: Dorn
Die geplante Höhe der Edelstein-Neubauten war sehr wohl Gegenstand ihrer Kritik - Nachbarn fragen: Passt das zum Charme Schriesheims?

Von Micha Hörnle

Schriesheim. Ganz so harmonisch war der Termin mit den Nachbarn des Gärtner-Geländes doch nicht, wie Bürgermeister Hansjörg Höfer es dargestellt hatte. Er hatte bei einem Pressegespräch zu den Neubauplänen des Altenheims Edelstein gesagt, dass die Höhe der neuen Häuser kein großes Thema gewesen sei, es sei vor allem um Verkehrsfragen gegangen. Dem widerspricht Sandra Bauer: "Selbstverständlich wurde von uns direkt angrenzenden und gegenüber wohnenden Anwohnern die massive Bauweise auf dem eher kleinen Gelände mehrfach kritisiert." Man habe "auch deutlich hinterfragt", wie sich die Bauhöhe – vier Stockwerke plus zurückgesetztem fünftem entlang der B3 – von der Optik, dem Schatten, dem Klima und vom Schall her auf die angrenzenden Grundstücke auswirken wird.

Tatsächlich war Architekt Jürgen Strolz vom Karlsruher Architekturbüro zunächst von drei Stockwerken plus einem vierten Staffelgeschoss (also einer zurückgesetzten Etage) ausgegangen, so musste er, um die gewünschten 110 bis 140 Zimmer unterzubringen, ein zusätzliches Geschoss auf die Gebäude draufsetzen.

Thema sei auch gewesen, ob es lebenswert sei, die letzten Jahre seines Lebens in Betonklötzen ohne viel Grünfläche zu verleben. Das Modell des Architekten hält Bauer für nicht korrekt: In Wahrheit wirkten seine Neubauten für die Bewohner der Heinrich-von-Kleist-Straße noch deutlich höher, denn von der B3 her senke sich das Gelände um gut zwei Meter. Grünflächen und Straßenbreiten seien im Modell und in der Grafik nicht korrekt dargestellt worden, weswegen es "irreführend wirken und unmöglich als Grundlage für eine weitere Entscheidung durch den Gemeinderat dienen kann". Und so fragt sie: Muss eine innerstädtische Wohnverdichtung zwingend dazu führen, dass der Charme Schriesheims verloren geht?"

In einem pflichtet Bauer dem Bürgermeister bei: Ja, es sei auch um das Verkehrsaufkommen gegangen – "im gesamten Schulgebiet eigentlich kein unbekanntes, wiederkehrendes Anliegen". Sollte hier ein laut Höfer "weiträumiges Verkehrsgutachten" in Auftrag gegeben werden, sei es für Bauer "wohl ratsam, die daraus resultierenden Erkenntnisse vorab in die weiteren Planungen des Gärtner-Grundstückes einfließen zu lassen". Apropos Verkehr: Die Anwohner sprachen auch die Zufahrt für Rettungsfahrzeuge, Krankentransporte, die Anlieferung von Wäsche oder Lebensmitteln und nicht zuletzt die Baustellenlogistik an. Und das Parken? "Werden die wenigen Tiefgaragenstellplätze für die Mitarbeiter aus Pflege, Küche, Reinigung und Verwaltung sowie für die teils jung gebliebenen Bewohner ausreichen? Haben wir das richtig verstanden, dass bereits Altersgruppen ,Fünfzig-plus’ die Möglichkeit haben werden, sich in eine Pflegeeinheit einzukaufen – dann ist klar, dass hier mit deutlich mehr Fahrzeugen gerechnet werden muss, als würde ein reines Altersheim gebaut werden", meint Bauer.

Auch eine Stilfrage bemängelt sie: Die Anwohner waren verärgert, dass sie die Einladung zur Neubau-Präsentation am Montag, 8. März, erst am Wochenende zuvor im Briefkasten fanden: "So kurzfristig ist es den wenigsten Berufstätigen möglich, einen so frühen Termin wahrzunehmen. Frühzeitige Einbindung in den Planungsprozess sieht anders aus."

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Der Edelstein-Neubau wäre nach dem Entwurf des Architekturbüros SWS deutlich höher als die Nachbarhäuser in der Heinrich-von-Kleist-Straße (linker Bildrand). Im Gegensatz zu dieser Grafik plant SWS mit einer zusätzlichen Etage (drei statt vier – plus einem Staffelgeschoss).

Autor: Rhein-Neckar-Zeitung