15.04.2021

"Kunterbunt"-Neubau sorgt für Angst vor zu hohen Kosten

Eigentlich sollte der Gemeinderat nur einen Architektenwettbewerb beschließen, aber dann gab es jede Menge Fragen, wie es billiger werden könnte.

Schriesheim. (hö) Das Abarbeiten des Sanierungsstaus, gerade bei den Kindergärten, wird die Kommunalpolitik noch zehn Jahre beschäftigen. Nächstes Projekt ist der Neubau des "Kunterbunt"-Kindergartens, der dann von der Mannheimer in die Conradstraße ziehen soll – wofür der Gemeinderat einen Grundsatzbeschluss gefällt hat. Zugleich muss auch das "Wolkenschloss" in den Containern neu gebaut werden – offen ist nur, wo. Beide Vorhaben kosten etwa 6,5 Millionen Euro.

Unlängst sollte bei der Ratssitzung ein Planungswettbewerb für den "Kunterbunt" beschlossen werden, doch bei etlichen Räten gab es Gegenwind, denn sie fürchten vor allem hohe Kosten, fragten nach alternativen Wegen und forderten zunächst sogar eine Vertagung. Christian Wolf (Grüne Liste) wollte wissen, ob es nicht besser wäre, einen Generalunternehmer zu beauftragen, anstatt die einzelnen Gewerke immer wieder neu auszuschreiben. Sebastian Cuny (SPD) hätte gern Systembauten berücksichtigt – und seiner Meinung nach trieben die hohen Architektenhonorare (etwa 280.000 Euro für die Planung) doch nur die Kosten. Das sah auch Ulrike von Eicke (FDP) so, ihr steckte noch der letzte architektonisch anspruchsvolle Kindergartenneubau, die "Kinderschachtel" in der Hirschberger Straße, in den Knochen; auch Liselore Breitenreicher (Bürgergemeinschaft) wollte keine Kostenexplosion mehr hinnehmen. Bernd Hegmann (Freie Wähler) monierte, für die "Kinderschachtel" läge immer noch keine Endabrechnung vor – die letzten Zahlen nannten fünf Millionen Euro.

Dagegen verwahrte sich Bürgermeister Hansjörg Höfer: "Es gab nie eine Kostenexplosion" – und er nannte eine Gesamtsumme von 3,5 Millionen. Und er verwies darauf, dass man bei der "Kinderschachtel" die Wünsche des Gemeinderates umgesetzt habe. Zudem sei er "stolz darauf, dass wir Gebäude haben, die sich sehen lassen können". Der Freiburger Architekt Thomas Thiele, der sowohl die "Kinderschachtel" wie auch "Kunterbunt" planerisch begleitet, erklärte, dass die Mehrkosten dadurch entstanden seien, weil hier ein bewegungsfreundlicher Kindergarten mit viel Spielräumen gebaut wurde.

Dabei zerpflückte Thiele die Forderungen der Stadträte: Auch bei einem Generalunternehmer müsse die Stadt genau formulieren, was sie wolle. Garantiert billiger werde es dadurch nicht, aber man verliere Einflussmöglichkeiten – einmal abgesehen davon, dass dabei das lokale Handwerk wohl leer ausgehe, so Robert Hasenkopf-Konrad (Grüne Liste). Ähnlich auch bei der Systembauweise: Je individueller geplant werde, desto unwirtschaftlicher werde sie. Zugleich sicherte Thiele ein "stärkeres Augenmerk auf die Kosten" zu. Wolf fand diese Erklärungen gut – dann wurde der Wettbewerb für den "Kunterbunt"-Neubau nicht vertagt, sondern beschlossen.

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Autor: Rhein-Neckar-Zeitung