23.04.2021

Metropolregion: Unwetter können überall in der Region Schäden anrichten

Metropolregion: Unwetter können überall in der Region Schäden anrichten

Starkregen sorgt hier immer wieder für Schäden. Foto: Feuerwehr Schriesheim
Gewitterzellen umfassen nur wenige Quadratkilometer, sind aber Hauptauslöser für die Wassermassen bei Unwettern. Die genauer vorherzusagen ist schwierig, daher wären verbesserte Alarmsystem die bessere Strategie.

Von Carsten Blaue

Mannheim."Bei uns in der Region ist jeder in Gefahr. Es kann jeden treffen", sagte Uwe Ehret. Keine Kommune ist also vor Starkregen, Sturzfluten und deren Folgen sicher. Nicht die Großstädte, schon gar nicht der ländliche Raum mit seinen Wäldern, Hängen, Wiesen, Feldern und Weinbergen. Das Schlimmste verhindern könnten (noch) bessere Vorhersagen, um rechtzeitig zu schützen, was geschützt werden kann. Besser sei, vor Ort die Gefahrenpunkte zu lokalisieren, an denen heftige Niederschläge besonders schwere Folgen haben können, und diese, wenn möglich, zu beseitigen, so der Hydrologe vom Institut für Wasser und Gewässerentwicklung des Karlsruher Instituts für Technologie (KIT). Er sprach am Donnerstag beim Hochwasserschutzforum der Metropolregion.

Er betonte, wie groß die wirtschaftlichen Gefahren sind, die von örtlichen Unwettern ausgehen können. Auch Leib und Leben seien oft nicht mehr sicher. Ehret erinnerte an die Schadensbilanz in Höhe von 100 Millionen Euro nach der Flut in Braunsbach Ende Mai 2016. Doch man muss gar nicht ins Hohenlohesche gehen. Erinnerungen an schwere Unwetter in Schriesheim an der Bergstraße reichen schon. 2008, 2009, 2012 und 2016 zum Beispiel.

Die örtliche Feuerwehr weiß, was es heißt, wenn in den Neubaugebieten die Keller unter Wasser stehen, weil die Kanalisation die Wassermengen nicht fassen kann. Wenn der kleine Kanzelbach über die Ufer tritt und das Waldschwimmbad überflutet oder kleine Nebenbäche aus dem Wald in Wasserfällen auf die Talstraße platschen. Wenn der Regen die Wege der Weinberge auswäscht und sich Schlammlawinen in Häuser und über Straßen ergießen. "Wir müssen die Interaktion von Boden und Regen noch besser verstehen", sagte Ehret. Und wenn eine Gemeinde wisse, wo es sie besonders schwer trifft, könne sie vorsorgen – sei es mit Barrieren, Rückhalten oder zumindest Sandsäcken. Ein einfaches, regelbasiertes "Alarmsystem" sei da bereits hilfreich. Messgeräte für den Niederschlag und die Abflusspegel in der Topografie könnten dafür die Daten liefern.

Auch ist es nötig, genug Zeit zu haben. Ein paar Stunden Vorlauf würden oft schon reichen. Das Problem ist nur, dass Hochwasservorhersagen an Treffsicherheit verlieren, je kleiner der Prognoseraum ist. Für eine Region, etwa das Neckartal, ist die Vorhersage also wesentlich präziser als für den einzelnen Ort. Das liege auch daran, so Ehret, dass meist Gewitterzellen die Hauptauslöser für die Wassermassen seien. Und eine solche Gewitterzelle entstehe eben lokal und sei im Schnitt nur 25 Quadratkilometer groß. Zum Vergleich: Jede der 260 Messstationen im Land hat rund 135 Quadratkilometer im Auge.

Umso wichtiger sei es, der Vorhersage die langfristige Erfahrung – sprich: stets aktualisierte und korrigierte Statistiken – sowie das Alarmsystem an die Seite zu stellen. Welche Schutzmaßnahmen eine Gemeinde ergreifen sollte, muss auf Basis der örtlichen Gegebenheiten geklärt werden.

Schriesheim und das Amt für Flurneuordnung handelten nach den heftigen Unwettern im Jahr 2008 schnell. Aus den frisch angelegten Weinbergterrassen bei der Strahlenburg schossen damals Schlammmassen in die Stadt. Danach wurden die Regenrückhaltungen unterhalb der Burgruine vergrößert und eine Erdbarriere zu den Wohnhäusern hin errichtet.

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Autor: Rhein-Neckar-Zeitung