25.04.2021

Rolf Edelmann über das Erfolgskonzept des Wochenmarkts

Der Schriesheimer Wochenmarkt ist ein beliebter Treffpunkt. Im RNZ-Interview verrät der BDS-Chef das Erfolgsrezept.

Von Max Rieser

Schriesheim. Das Angebot wächst und gedeiht. Seit knapp zehn Jahren ist Rolf Edelmann Vorsitzender der Schriesheimer Ortsgruppe des Bundes der Selbstständigen (BDS) und somit zuständig für den Wochenmarkt. Seinen Platz in der Kirchstraße hat der Markt mit einer Unterbrechung durch Bauarbeiten seit 2012. Aber wie entwickelt sich die samstägliche Einkaufsmöglichkeit? Die RNZ hat sich mit Edelmann über "seinen" Markt unterhalten.

Herr Edelmann, wie hat sich der Markt verändert, seitdem Sie zuständig sind?
Er hat sich in der Weise verändert, dass er seinen Platz gewechselt hat. Als er noch vor dem historischen Rathaus stattfand, war er sehr klein. Die Leute mussten aufpassen, dass sie nicht mal aus Versehen einen Schritt zurückmachen und mit einem Auto zusammenprallen. Wir haben eigentlich nur drauf "gewartet", dass mal etwas passiert, dann hätte man den Markt aus Sicherheitsgründen schließen müssen. Zur richtigen Zeit kam dann meine Idee, den Markt zu verlegen. Der Gemeinderat hat direkt mehrheitlich zugestimmt. Es hat sich von Anfang an bewährt. Besucher und Marktbeschicker waren gleich begeistert.

Und was hat der Markt durch den neuen Standort dazugewonnen?
Man kann ja jetzt fast im südfranzösischen Stil über den Markt flanieren. Der Partnerschaftsverein hat damals auch schon mitgeteilt, dass es nicht das gleiche sei wie in Uzès, aber doch ähnlich. Die Leute können sich freier bewegen, und es ist natürlich auch mehr Platz, um das Angebot zu vergrößern. Man kann mal am Samstagmorgen zusammenstehen, erzählen und einen Kaffee trinken. Es ist gleich von Anfang an gut angekommen und direkt ein bisschen gewachsen.

Wie würden Sie die Atmosphäre beschreiben?
Es ist wirklich eine sehr angenehme Atmosphäre. Sowohl unter den Standbetreibern als auch von der Kundschaft her. Wenn ich samstags durch Schriesheim laufe, werde ich immer angesprochen. Die Leute freuen sich, wenn der Markt wieder ein Stückchen gewachsen ist und hier bestehen kann.

Besser kann es natürlich nicht laufen. Sind Sie zufrieden mit dem aktuellen Angebot?
Ja, das Angebot hat sich in den letzten Wochen noch mal um drei Marktbeschicker vergrößert. Zuerst kam das "Candy Car" der Familie Kräher, dann der Blumenstand von Frau Scheid und zuletzt das Kaffeemobil "Coffee TöGo" der Familie Tönges. Jetzt haben wir noch ein paar Anziehungspunkte mehr, denn alle drei sind Stände, die man auf einem Markt erwartet und die man gern mitnimmt. Wer dann für einen Strauß Blumen auf den Markt geht, holt sich vielleicht noch ein bisschen Gemüse, trinkt einen Kaffee oder nimmt eine Tüte Süßigkeiten fürs Wochenende mit. Diese drei Stände haben das Geschehen noch mal sehr belebt.

Wird das Angebot allgemein gut angenommen?
Auf jeden Fall, sonst könnten sich die Beschicker auch nicht halten – und die sind, über das Jahr gesehen, sehr zufrieden. Es gibt immer mal einen Samstag, der weniger gut läuft, meistens wetterbedingt, ansonsten trägt sich der Markt für die Stände sehr gut.

Wie hoch ist denn eigentlich die Fluktuation an den Ständen?
Die gibt es nicht (lacht). Interessanterweise sind alle so zufrieden mit uns, dass noch keiner verschwunden ist, weil es sich nicht gelohnt hat oder es ihm oder ihr nicht gefallen hat. Ganz im Gegenteil: Wir haben neue Stände dazubekommen, deren Beschicker sonst auf anderen Märkten waren und gesagt haben: "Bei euch ist das interne Klima ein besseres, es ist wie eine große Familie, man versteht sich, und die Kundschaft ist freundlich und kaufwillig." So gesehen gibt es nur positive Resonanz. Die Flucht hat keiner ergriffen.

Wie viele Stände sind denn maximal für den Schriesheimer Markt möglich?
Wir können schon noch einige unterbringen. Beim Umzug haben wir die Option festgelegt, dass, wenn es mehr würden, wir noch Richtung Friedrichstraße über die Stadtmauer hinaus verlängern können. In die andere Richtung wollen wir das nicht machen, weil die Stände sonst vor den Schaufenstern der Läden stehen würden, das wäre nicht optimal. Bislang mussten wir davon keinen Gebrauch machen. Da aber bald die Familie Zech mit ihren Stauden wiederkommen wird, die Platz für einen großen Tieflader braucht, werden wir den Kaffeestand verlegen müssen. Ich bin gerade in Verhandlungen mit der Stadt, dass wir den Kaffeestand gleich an dem Eingang des Marktes platzieren können. Auch um dem "mittendrin" oder dem "Kaffeehaus" durch die unmittelbare Nähe nicht die Kunden wegzunehmen.

Apropos Stadt, wie läuft die Zusammenarbeit mit der Verwaltung?
Hervorragend. Die Zusammenarbeit zwischen BDS und Stadt, die ist mustergültig. Ich kenne das Thema aus anderen Gemeinden, durch meine Tätigkeit im Landesverband: Da wäre mancher Ortsverband froh, wenn bestimmte Städte wüssten, wer der BDS überhaupt ist. Hier hat man eine sehr enge Zusammenarbeit mit dem Wirtschaftsförderer, mit dem Ordnungsamt und natürlich auch mit dem Bürgermeister, der im Übrigen jeden Samstag selbst auf dem Markt ist, sich mit Lebensmitteln versorgt und ein kleines Gespräch mit den Bürgern führt.

Und wie läuft auf der anderen Seite die Zusammenarbeit mit den Standbetreibern?
Gleichfalls hervorragend. Man kennt sich, man respektiert einander, die Beschicker kommen direkt zu mir, wenn es mal ein Problemchen gibt. Das sind dann Fragen, ob man ein bisschen hin- und herschieben kann, um zu starke Sonneneinstrahlung zu vermeiden oder besseren Anschluss an den Strom zu kriegen. Das sind Selbstverständlichkeiten, die man natürlich versucht, zu regeln. Von daher kommen wir prima miteinander aus.

Durch die Pandemie ist ja vieles anders. Hat sich für den Markt auch etwas verändert?
Wenn überhaupt, dass mehr Kunden den Markt nutzen als zuvor. Das hat man ja in einigen Interviews bei Ihnen schon gesehen, dass viele sich lieber auf dem Markt an der frischen Luft versorgen als dass sie sich im Supermarkt drängeln oder vor Geschäften Schlange stehen. Da fühlen sich die meisten an der frischen Luft einfach wohler.

Was fehlt Ihnen denn noch? Und ist schon was Neues in Planung?
Im Blick habe ich momentan noch nichts. Ich bin allerdings schon lange auf der Suche nach jemandem, der Fisch-Produkte anbieten kann und da etwas in die Feinkost-Richtung tendiert. Als der Strahlenberger Hof noch geöffnet war, haben die Wirte den Hof an Samstagen auch morgens geöffnet und geräucherte Fischspezialitäten aus dem üblichen Sortiment heraus angeboten. Das ist sehr gut angenommen worden. Da hätte ich große Freude daran, wenn wir jemanden finden würden, vielleicht sogar einen neuen Gastwirt, der das so weitermacht. Dann hätten wir noch ein Produkt dabei, nach dem auch eine große Nachfrage besteht.

Info: Am Samstag, 24. April, findet der Wochenmarkt statt. Am darauf folgenden Samstag, 1. Mai, fällt er dagegen feiertagsbedingt aus.

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Autor: Rhein-Neckar-Zeitung