28.04.2021

Waldschwimmbad eröffnet erst mal nicht

Termin am 1. Mai war nicht zu halten. Fast noch wichtiger ist die Sanierung des Hauptbeckens, über die eine Mitgliederversammlung entscheidet.

Von Micha Hörnle

Schriesheim. Es war schon länger klar, dass der Termin der Waldschwimmbaderöffnung zum 1. Mai nicht zu halten ist. Nun aber ist es offiziell: " Wir werden definitiv nicht am Samstag eröffnen", sagte am Dienstag Kim Koschorreck, der Sprecher der Interessengemeinschaft zur Erhaltung des Waldschwimmbades (IEWS). Und mehr noch: "Es gibt keinen alternativen Termin. Wir haben keine Ahnung, wann es so weit sein könnte." Über die Grüne-Liste-Stadträtin Fadime Tuncer stehe man in Kontakt mit dem grünen Landtagsabgeordneten Uli Sckerl, um direkt aus Stuttgart Signale zu bekommen, wann die Saison endlich starten könne. Aber auch dort wisse man nicht mehr. "Wir wollten jetzt nicht den Eröffnungstermin um einen oder zwei Monate verschieben, denn Spekulationen helfen uns nicht weiter", so Koschorreck.

Dabei steht das Bad in den Startlöchern: "Wir machen auf, sobald es geht." Im letzten Jahr öffnete das Waldschwimmbad pandemiebedingt auch erst zum 1. Juli. "Das Infektionsgeschehen im letzten Jahr war anders als heute", sagt Koschorreck, allerdings sieht er "die Ansteckungsgefahr im Freien nicht als das große Thema".

Dabei wird im Moment noch mit Hochdruck gearbeitet: Im Eingangsbereich werden neue Bodenplatten verlegt, an den Kabinen sind solche Arbeiten längst abgeschlossen. Auch die Wiese ist gemäht und natürlich das Wasser längst eingelassen – auch wenn es im Moment noch mit knapp 15 Grad arg frisch ist.

Aber auch sonst braucht die IEWS dringend eine Perspektive, nicht nur für den Saisonstart. Denn mindestens genauso wichtig ist eine Mitgliederversammlung, die die Sanierung des Hauptbeckens beschließen muss. Wie bereits mehrfach berichtet, ist das Becken mit einem Volumen von 1850 Kubikmetern (was 185.000 Litern entspricht) nicht mehr dicht. Ständig gibt es erhebliche Wasserverluste – sei es durch undichte Fugen, sei es durch Risse in den Fliesen –, ständig wird der Beckenrand, aber auch teilweise die Wiese unterspült. Hausmeister Hans Portz berichtet von erheblichen Absenkungen, teilweise sogar an den Sprungblöcken, mehrere Bodenplatten vor dem Becken liegen nicht mehr eben.

Daher soll nun ein Edelstahlbecken eingebaut werden – auch wenn sich dadurch die Optik ändern würde: "Seine Vorteile sind eine längere Haltbarkeit von etwa 50 Jahren, weniger Wartungskosten und eine geringere Tiefe – womit wir Heizung, Wasser und Reinigungschemikalien sparen", so Koschorreck. Allerdings war die Edelstahllösung im IEWS-Vorstand nicht unumstritten, denn manche befürchteten, das Becken würde dann zu steril aussehen. Einige IEWS-Vorstände schauten sich jedoch ähnliche Becken in der Region an – wie beispielsweise im Weinheimer TSG-Waldschwimmbad oder im Mannheimer Herzogenriedpark – und waren überzeugt, zumal Edelstahl "eine gängige Technik bei Bädern ist", so Koschorreck: "Im Moment ist es die einzige Möglichkeit, das Becken wieder dicht zu bekommen. Diese Entscheidung haben wir, solange es ging, vor uns hergeschoben." Das sieht auch Portz so: "Jedes Jahr haben wir aufs Neue geflickt. Das rentiert sich nicht mehr, man sollte jetzt Nägel mit Köpfen machen." Und eine erneute Fliesenlösung sehen die beiden nicht: "Das würde ebenfalls auf eine Komplettlösung hinauslaufen und wahrscheinlich auch nicht billiger werden."

Mehr als ästhetische Fragen beschäftigt die IEWS momentan die Finanzierung – und genau das soll auf der Mitgliederversammlung geklärt werden. 700.000 Euro ist die Obergrenze, momentan gibt es das Angebot einer Firma über 550.000 Euro. Allerdings steigen die Preise derzeit rasant, und "das Angebot ist nicht ewig gültig" (Koschorreck), deswegen drängt die Zeit für eine Grundsatzentscheidung.

Die Stadt hat wohl prinzipiell signalisiert, sich an der Beckensanierung beteiligen zu wollen. Aber konkrete Zahlen gibt es noch nicht, die soll es erst vor der Mitgliederversammlung geben. Im unlängst beschlossenen Haushalt ist allerdings noch kein Geld dafür eingestellt. Wenn die Beckensanierung geschafft ist – nach dem Ende der anstehenden Saison sollte sie starten und vor der nächsten beendet sein –, hätte die IEWS endlich wieder Ruhe, denn einen sonstigen Sanierungsstau gibt es nicht.

Bei der dringend nötigen Mitgliederversammlung muss zudem die neue Preisstruktur beschlossen werden, die ab dieser Saison gelten soll: Nicht nur der Eintritt wird dann teurer, auch die Jahreskarte für die Mitglieder, die dann für die gesamte Badezeit 69 Euro kostet, wird 20 Euro teurer. Damit soll einerseits die Sanierung gestemmt und das 70.000-Euro-Defizit von 2020 ausgeglichen werden. Denn durch die um sechs Wochen kürzere Saison und die Abstandsregelungen gab es nur 32.000 statt 55.000 Badegäste.

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Autor: Rhein-Neckar-Zeitung