05.06.2021

Die Sportvereine gehen wieder an den Start

Die Sportvereine gehen wieder an den Start

Das „Medaktiv“-Studio des KSV unter Wolf-Dieter Gehrig öffnet am Montag wieder. Foto: Dorn
Nicht alle Vereine sind bis jetzt aus dem Lockdown gekommen. Beim KSV beispielsweise geht es ab Montag auf breiter Front wieder los.

Schriesheim. (max/hö) So langsam tut sich was: Ein Öffnungsschritt jagt den anderen. Das merken auch die Sportvereine, die nach so langem Abwarten endlich wieder auf die Plätze und auch teilweise wieder in die Hallen können. Durch die teilweise unübersichtliche Lage der Verordnungen sind aber noch nicht alle auf dem gleichen Stand.

> Kraftsportverein 1903: Der Rehasport ging schon vor knapp vier Wochen als erstes an den Start. Nun folgen in der kommenden Woche fast alle anderen der insgesamt sechs Abteilungen mit 26 Sportarten wie Sportbeauftragter Peter Schmitt und Zweiter Vorsitzender Dieter Philipp berichten. Besonders erfreulich: Auch das "Medaktiv"-Studio öffnet am Montag wieder: Beim Trainieren und in der Sauna muss man keine Masken tragen, aber sonst im Gebäude schon. Auch Duschen und Umkleiden bleiben geschlossen – was Schmitt ärgerte: "Sauna ohne Duschen geht doch gar nicht." Doch dann fand man eine "Schriesheimer Lösung", wie es Schmitt nennt: Die Duschen bleiben nur in der Sauna auf. Größtes Thema im KSV war, wie die Testpflicht vor dem Training umgesetzt werden soll. Da war die "Dok:Tor"-Hausarztpraxis eine große Hilfe, denn die richtet ebenfalls ab Montag in der Mehrzweckhalle ein weiteres Schnelltestzentrum ein, das auch Nichtmitgliedern offensteht (geöffnet: Montag bis Freitag, 8 bis 19 Uhr, und Samstag, 8 bis 13 Uhr): "Das ist eine große Erleichterung, wenn man sich eine Tür weiter testen lassen kann", so Philipp.

Noch sehr ungewiss ist die Lage bei den Ringern, dem KSV-Flaggschiff. Schon länger wird diskutiert, ob die Regionalliga, aus der sich die Erste Bundesliga speist, überhaupt zum Spitzensport zählt – und die Turniere leben von vielen Zuschauern und dem Eventcharakter. Dabei läuft diesen Sportlern die Zeit davon: In drei Monaten beginnt die Saison, mindestens acht Wochen sollte man vorher trainiert haben – sonst steigt die Verletzungsgefahr. Deswegen ist Schmitt im Moment noch etwas skeptisch, was den Saisonstart angeht – die größte Katastrophe wäre aber ein Abbruch wie im letzten Jahr: "Wir haben auch eine finanzielle Verantwortung gegenüber dem KSV", sagt Schmitt.

Es gibt auch gute Nachrichten: Mit dem Sport- und dem Turnverein arbeitete der KSV gut zusammen, als es um Trainingsmöglichkeiten auf dem Sportplatz ging. Und nach längerer Pause gibt es wieder eine Kindersportgruppe mit 26 Teilnehmern, die ab donnerstags trainiert. Die Ringer-Bambini mit zehn Kindern sind schon seit März am Start: "Bei der Kinder- und Jugendarbeit fangen wir jetzt wieder bei null an", seufzt Philipp. Aber immerhin: Diese Sparte wächst – und vielleicht wird gegen Jahresende eine Vereinsjugend gegründet.

> Baseballclub "Raubritter": Der Verein wartet nicht nur auf grünes Licht der Behörden, sondern auch auf das der Firma, die seinen Platz über den Winter saniert hat, sagt der Zweite Vorsitzende Tobias Heising: "Das finale Gespräch ist am Montag, und dann kann es von unserer Seite aus losgehen." Es gibt noch Hoffnung auf eine Einweihungsfeier: "Wenn es ein Straßenfest gibt, sollte auch bei uns eine kleine Feier möglich sein." Das würde Heising begrüßen, da viele Jubilare und auch Sponsoren geehrt werden müssten. Die Saison sei allerdings abgesagt. Lediglich Turniere würden stattfinden.

Der Jugendleiter des Vereins habe bereits die Hygieneregeln und die Testpflicht an alle Mitglieder verschickt, was unterschrieben werden muss. Dadurch, dass Baseball ein kontaktarmer Sport ist, sollte es bei der Öffnung keine Probleme geben: "Letztes Jahr haben wir dann immer in Dreiergruppen trainiert." Von denen durften immer fünf gleichzeitig anwesend sein – ganz ohne Berührungspunkte. Heising hat zwar auch schon von Vereinen gehört, die mit Kindern bereits gestartet seien, das wolle man aber noch nicht, da "noch nicht alles ganz klar" sei.

> Minigolf-Sportclub: Die Minigolfer haben es etwas einfacher, denn nach Absprache mit dem Ordnungsamt durfte der Trainingsbetrieb für bis zu zehn Mitglieder auch während des Lockdowns weitergehen. In der letzten Woche bestand für fünf Tage sogar keine Testpflicht für Besucher, das ist jetzt aber anders. Das macht den Betrieb schwierig, da viele Gäste spontan zum "kleinen" Golfen kommen würden, deren Einnahmen nun entfallen. Außerdem sollte schon letztes Jahr die Deutsche Meisterschaft auf ihrem Platz ausgerichtet werden. Nun wurde sie nach langem Warten auch für dieses Jahr abgesagt, nun ist eine Wiederauflage für 2022 geplant: "Aller guten Dinge sind drei", findet der Erste Vorsitzende Michael Ritschel. Die Planung der Meisterschaft sei immer mit einem gewissen Aufwand verbunden, da alles für 120 Gäste täglich vorbereitet werden müsse.

Auch die Minigolfer verfolgen ein mögliches Straßenfest mit Interesse. Der Vorsitzende findet aber: "Die Gastronomen haben weit mehr gelitten als wir, die sollten da an erster Stelle stehen." Immerhin: Der jetzt 120 Mitglieder starke Verein gewann 30 Neueinsteiger – was wohl momentan in Schriesheim einzigartig sei.

> Sportverein 1919: Die Fußballer starteten letzte Woche nach "enger Zusammenarbeit mit dem Ordnungsamt" wieder mit dem Training, berichtet Hermann Morast. Der Spielbetrieb sei zwar abgesagt, aber im August und September könnte es in die neue Runde gehen. Durch die Pfingstferien seien zwar noch nicht alle "in voller Mannschaftsstärke" dabei, aber fast alle Teams hätten schon trainiert. Bisher sei die Zahl der zugelassenen Personen auf 60 pro Platz beschränkt, für die nächste Öffnungsstufe hofft man auf noch mehr, um dann wieder vollständig ins Training starten zu können. Die meisten würden nur darauf warten, endlich wieder zu kicken, deshalb könnte man sogar in den Sommerferien trainieren.

> Turnverein Altenbach 1972: Da die offizielle Freigabe der Ordnungsbehörden noch fehlt, harrt der Verein unter Leitung von Suzanne Epp gerade noch gespannt aus. Zu tun gibt es aber genug, denn die Hallen müssen bei der Stadt gebucht werden. Der Verein stehe durch Rücklagen zwar finanziell noch "ganz gut" da, aber die Neuanmeldungen fehlten sehr: "Wir haben 50 Anmeldungen weniger als sonst um die Zeit", was für Altenbach viel ist. Epp ist aber froh, wenn es endlich losgeht, denn allein in der Halle vor dem Bildschirm ein Programm abzuspielen, nervt langsam alle Trainingsleiter. Hoffnung machen die nächsten Öffnungsschritte. Gut wäre es auch, dass sie mit etwas Vorlauf Bescheid bekommt, denn, wie es dann genau aussehen wird, weiß Epp noch nicht. Mittlerweile brauche man voraussichtlich 20 Quadratmeter Hallenfläche pro Teilnehmer. Das nervt Epp: "Man merkt manchmal, dass die Leute, die die Verordnungen machen, weit ab von der Praxis sind."

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Autor: Rhein-Neckar-Zeitung