14.06.2021

Schriesheimer Hütte: Endlich wieder bei den Naturfreunden rasten

Schriesheimer Hütte: Endlich wieder bei den Naturfreunden rasten

Ein idyllisch gelegenes Ausflugsziel: die Schriesheimer Hütte der Naturfreunde, die am Sonntag mit ihrem Verkauf wieder Gäste glücklich machte. Vorerst gibt es nur was auf die Hand, aber bei konstant niedrigen Infektionszahlen ist auch die Außenbestuhlung wieder denkbar. Foto: Dorn
Schriesheimer Hütte öffnete nach fast acht Monaten Pause am gestrigen Sonntag mit Essen auf die Hand - Helferschar wie Gäste sind froh

Von Max Rieser

Schriesheim. Durch den üppigen Wald, vorbei an grasenden Galloway-Rindern schlängelt sich der Wanderweg, der schließlich an der Schriesheimer Hütte anlangt. Das Naturfreundehaus öffnete am gestrigen Sonntag nach fast acht Monaten Pause wieder für Gäste. Vorerst gibt es belegte Brote, Bockwurst, Kuchen und Getränke nur auf die Hand, ohne Gläser und Besteck zum Verzehr im Umkreis.

Sollten die Infektionszahlen allerdings konstant niedrig bleiben, ist in dieser Saison auch die Außenbestuhlung wieder denkbar, berichtete Vorsitzender Sascha Gernold. Für das verkleinerte Angebot entschieden sich die Naturfreunde, um die freiwilligen Helfer nicht mit Kontroll- und Dokumentationsaufgaben zu überfordern. Diesen Monat findet die Bewirtung nur sonntags ab 11 Uhr statt. Ab Juli wird es den "Kioskverkauf" auch samstags geben.

Das Gelände der Hütte, die ein beliebtes Wanderziel in der Region ist, ist bestens gepflegt. In verschiedenen coronakonformen Arbeitseinsätzen wurden Umgebung und Hütte auch über die Wintermonate, in denen die Bewirtung ohnehin pausiert, auf Vordermann gebracht. Auch die beiden Rutschen und das Klettergerüst, das der Verein vor der Verschrottung von einem mittlerweile neu angelegten Spielplatz in Leutershausen gerettet hat, sind renoviert und stehen zum Spielen für Kinder bereit. Für den Start am Sonntag musste nur noch eingekauft werden. Dabei achten Gernold und sein Team vor allem auf Regionalität. Die Lebensmittel sind zudem teilweise bio.

1895 als "Touristenverein die Naturfreunde" gegründet, wollten die Naturfreunde ursprünglich Arbeitern Bewegung und Beisammensein in der Natur ermöglichen. Die heutigen Ziele sind laut Satzung des Bundesverbandes: "Umweltschutz, sanfter Tourismus, Sport und Kultur". Aber auch antirassistische und pazifistische Aktionen gehören zum Repertoire der Naturfreunde. So findet aktuell eine "Friedenswanderung" für Abrüstung von Hannover bis zum Bodensee statt, die vergangene Woche an der Schriesheimer Hütte pausierte. Bekannt ist der Verein aber vor allem durch den Betrieb von zahlreichen "Naturfreundehäusern", in denen sich Wanderer preisgünstig stärken können.

Die Schriesheimer Naturfreunde seien ein "guter Stamm von knapp 300 Mitgliedern", berichtete Gernold. 50 bis 60 von ihnen würden regelmäßig bei den Hütteneinsätzen mithelfen, so der Vorsitzende. Trotzdem gibt es allgemein und auch in Schriesheim eine rückläufige Tendenz bei den Mitgliederzahlen. Gernold hofft, dass sich auch in Zukunft noch vor allem junge Mitglieder aktiv engagieren, um der Gruppe noch ein langes Bestehen zu garantieren.

Die erste Riege an Helferinnen am Eröffnungstag waren Simone Haas, Migros Del Vale Servantes und die Frau des Vorsitzenden, Andrea Gernold. Sie waren froh, wieder in "ihrer" Hütte sein und die hungrigen und durstigen Gäste verpflegen zu können. Es sei zwar nicht das gleiche wie bei der Bewirtung im großen Außenbereich, aber immerhin etwas. Allerdings hätten sie bei Arbeitseinsätzen im Winter immer wieder Leute angetroffen, die das Haus auch ohne Bewirtung als Wanderziel auserkoren hatten. Sonst seien die Helfer immer für das ganze Wochenende eingetragen und verbrächten auch die Nacht auf der Hütte, aber das sei momentan noch nicht möglich, berichtete Gernold. Die Akzeptanz für die Einschränkungen sei nach wie vor groß.

Zu den ersten Gästen gehörten die Jäger Michael Merkel und Christian Frank. Merkel war schon seit 3 Uhr in der Nacht im Wald unterwegs und froh, am Vormittag eine Rast bei den Naturfreunden einlegen zu können: "Es ist einfach wunder-, wunderschön hier. Ich bin froh, dass sie wieder geöffnet haben", sagte er. Sie kämen auch gezielt an die Hütte, um den Verein durch ihren Konsum finanziell zu unterstützen. Das Ehepaar Marianne und Stefan Vögele hatte durch die Zeitung von der Wiedereröffnung erfahren. Die beiden laufen regelmäßig zur Schriesheimer Hütte und hatten sogar noch einige Arbeitskolleginnen im Schlepptau.

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Autor: Rhein-Neckar-Zeitung