19.06.2021

Wie viele Neuerungen verträgt der Mathaisemarkt?

Nicht zu viele, aber im Detail ließe sich viel machen, sagt ein Quartett, das es wissen muss. Doch Fest-Veteranen warnen vor einer Radikalkur.

Von Micha Hörnle

Schriesheim. Vor einem Monat hörte sich die RNZ bei Kommunalpolitikern, Experten und den jetzigen Machern des Mathaisemarktes um, wie sich das Volksfest neu ausrichten sollte. Dabei fielen die Reizworte "Festzelt", "Mallorca-Party" und "Oktoberfest" samt Bier.

Als das Schriesheimer Urgestein Peter Grüber den Artikel las, fiel ihm auf, dass eigentlich nicht die gehört wurden, die in den letzten Jahrzehnten das Fest mitgeprägt haben. Rein zufällig treffen die sich in lockerer Runde in Grübers Partykeller: Roman Schumacher ist seit gut zehn Jahren mit zuständig für die Krönungen, der langjährige Verkehrsvereinsvorsitzende Karl-Heinz Schulz war 16 Jahre Krönungsabend-Moderator und mit Grüber Co-Kommentator des Festzugs, wobei Grüber auch die Landmaschinenausstellung organisiert hat. Hans Edelmann fungiert beim Treffen mit der RNZ als Festveteran mit exzellentem Gedächtnis.

Das Quartett ist sich einig, dass der zentrale Bestandteil des Mathaisemarkts die Krönung ist – und das sollte auch weiter so sein. Wie Schumacher berichtet, wurde wegen der Sicherheitsvorschriften die Bühne kleiner, worunter die Stimmung gelitten hat: keine drei Gesangsvereine oder die Volkstanzgruppe mehr. Als – neben dem Festzug – eigentlichen Höhepunkt sollte die Krönung, die auch viele Auswärtige anzieht, eher ausgebaut werden, findet Schulz: "Wenn nach einer Stunde alles vorbei sein muss, ist das des Anlasses nicht würdig." Denn es war ja auch gut, dass sich die neuen Weinhoheiten vorstellen und die scheidenden gebührend verabschieden. Das sieht Schumacher etwas anders: "Die Krönung wurde verkürzt, weil das Zelt lauter wurde." Aber vielleicht würde da auch eine bessere Mikrofonanlage helfen.

Wäre ein Aufleben des "Schriesheimer Abends" im Festzelt denkbar? "Schwierig", stöhnt Grüber, "das mit den Vereinen hat nie richtig funktioniert." Und Schulz erinnert sich an das legendäre Tandem Peter Riehl/Peter Denger, "das hat funktioniert". Vielleicht sind solche Zeiten ja auch vorbei, denn nicht alle Bürgermeister der Nachbargemeinden sind als Showtalente bekannt. Aber vielleicht könnten ja auch die Vereine gegeneinander antreten, damit wieder Leben in die Bude kommt.

Und was ist mit dem Festzelt und seinem zu "jugendlichen" Angebot? "Frau Böhm macht es nicht schlecht", meint Schulz, Grüber pflichtet bei. Beide finden auch, dass man "der Jugend ihren Platz lassen muss". Und die Musik? "Nur Blasmusik bringt nichts", meint Schulz, zumal große Trachtenkapellen in Schriesheim nicht auftreten, wie Schumacher feststellt – was wiederum an deren Gagen liegt. Stattdessen empfiehlt Schulz, Bands zu engagieren, die auch eine gewisse Bekanntheit haben.

Gar nichts hält das Quartett von einem Oktoberfest samt Bier: "Bier ist ein Reizwort", sagt Schulz, "da gibt es keine Diskussion." Grüber pflichtet bei: "Das gilt auch für den Zehntkeller. Die Sache mit dem Bier ist Bernd Hegmanns Privatmeinung, auf keinen Fall die der Freien Wähler. Hätte sich diese Ansicht durchgesetzt, wäre ich ausgetreten." Und er fragt: "Kann man sich ein Welde-Fest mit Wein vorstellen?" Schumacher meint: "Der Mathaisemarkt ist schließlich das erste große Weinfest der Region." Auch dem Trachtenzauber wie andernorts kann man nichts abgewinnen: "Dirndl und Lederhose passen nicht nach Schriesheim", sagt Schulz, und Schumacher meint: Wir sind ja nicht in Bayern." Gegen einen einzigen Trachtenabend mit Blasmusik hätte Schulz allerdings gar nichts einzuwenden: "Aber nur an einem Abend."

Was könnte sich sonst ändern? "Riehl hat alte Elemente aufleben lassen wie das Tauziehen, das Schlepper-Geschicklichkeitsfahren oder den Pferdemarkt. Das ging zwar nicht allzu lang, aber so etwas könnte funktionieren", so Grüber. Nicht schlecht wäre auch ein Austausch der Stadt mit den Fest-Veteranen: "Ich bin bereit, mich einzubringen", sagt Grüber, und Schumacher ist sich sicher: "Ideen sind genug da." Aber wie könnte man dem Fest wieder mehr "Schriesheimer Identität" geben? Das ist die mit Abstand schwierigste Frage, denn vieles hängt an den Vereinen, die jetzt erst wieder mühsam aus dem Lockdown krabbeln. Schulz ist skeptisch: "Ich fürchte, das gibt die Altersstruktur nicht her." Schumacher würde gern die Neubürger einbinden, indem man ihnen ein Angebot macht, während Schulz für eine offene Diskussion plädiert: Man sollte nicht gleich alles abblocken." Das gilt auch für den neuen Bürgermeister, von dem das Quartett hofft, dass er mit dem Mathaisemarkt auch etwas anfangen kann.

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Autor: Rhein-Neckar-Zeitung