26.06.2021

Bürgermeisterwahl Schriesheim: Der Wilhelmsfelder Bürgermeister Christoph Oeldorf

Bürgermeisterwahl Schriesheim: Der Wilhelmsfelder Bürgermeister Christoph Oeldorf

Christoph Oeldorf hat die Hälfte seiner Amtszeit in Wilhelmsfeld überstanden. Nun bewirbt sich der 42-Jährige, der in Leutershausen groß wurde, in Schriesheim. Foto: Dorn
Er wird von der CDU und den Freien Wählern unterstützt - Er tritt bewusst als Unabhängiger an

Von Micha Hörnle

Schriesheim. Es gibt einen ersten Kandidaten für die Bürgermeisterwahl: Am gestrigen Freitag warf der Wilhelmsfelder Bürgermeister Christoph Oeldorf seinen Hut in den Ring. Der 42-Jährige wird von der CDU und den Freien Wählern unterstützt.

"Schriesheim war schon immer interessant für mich", sagt Oeldorf, "eine zweite Heimat." Schließlich ging er hier zur Schule und "verbrachte mehr als 50 Prozent meiner Freizeit in Schriesheim", wo er viele Freundschaften, gerade unter Sportlern, schloss und natürlich regelmäßiger Gast auf dem Mathaisemarkt und Straßenfest war.

Als ihm fast zeitgleich CDU und Freie Wähler die Kandidatur antrugen, "habe ich nicht lange überlegt und mich entschieden, mich aufzustellen". Schriesheim, so sagt er, sei "mit Sicherheit eine Überlegung wert", doch den Ausschlag gaben schließlich die ersten Gespräche vor einem Monat – Zeit genug für einen professionellen Auftritt samt erstem Plakat am gestrigen Nachmittag im "Goldenen Hirsch". Mit dem Motto "Gute Ideen für hier – Bürgermeister für alle Schriesheimer" zieht er in den fünfmonatigen Wahlkampf.

Zumindest für Klaus Hartmann, den Vorsitzenden der Freien Wähler, endet nun eine "schwierige Kandidatensuche", von der auch CDU-Vorsitzende Christiane Haase berichtet. Für sie sprach am Ende die "Kombination aus Verwaltungsfachmann und Blick über den Tellerrand" für Oeldorf, der am Straßenfest in die heiße Phase des Wahlkampfs einsteigen will. Ein Skandal wie im letzten Wahlkampf, als auf einmal die rechtspopulistische Vergangenheit des CDU/Freien Wähler-Kandidaten Michael Becker bekannt wurde, ist bei Oeldorf nicht zu befürchten: "Höchstens ein seltsames Bild vom Straßenfest."

Dass er diesen Schritt ziemlich genau zur Halbzeit seiner Amtszeit in Wilhelmsfeld wagte, war natürlich Zufall, dabei hatte er in der Nachbarkommune noch viel vor: "Wir haben viel auf die Schiene gesetzt, was noch nicht beendet ist, vor allem den Glasfaserausbau." In seiner neuen Heimat im Odenwald habe er den Gemeinderat und die Mitarbeiter in der Gemeindeverwaltung informiert, "das gehört zum guten Stil". Wilhelmsfeld solle nicht, so sagt Oeldorf unter seinem Wahlkampf in Schriesheim leiden: "Das bin ich auch der Gemeinde schuldig." Er werde sich für Termine an der Bergstraße höchstens ein paar Tage mal freinehmen.

Dass er nun von Wilhelmsfeld ins fast fünfmal so große Schriesheim wechseln will, davor habe er "keine Angst, aber Respekt". Man dürfe diese Aufgabe "nicht auf die leichte Schulter nehmen", aber: "Ich traue es mir zu, eine größere Verwaltung zu leiten." Aber macht es ihm nicht Kopfzerbrechen, dass er nach 180 Jahren der erste Bürgermeister werden will, der nicht aus Schriesheim stammt? "Nein", sagt Oeldorf mit Schalk im Nacken, "das würde mich mit Stolz erfüllen, wenn mir das gelingen würde." Schließlich komme er auch nicht ganz von außen, er kenne sich in der Weinstadt ganz gut aus, habe aber den Blick von außen und das des Verwaltungsstudiums.

Auch dass Schriesheim und seine Kommunalpolitik als recht streitbar bekannt sind, schreckt ihn nicht ab: "Ich habe Handball gespielt." Zumal er sich sicher ist, dass man auch nach heftigen Sitzungen bei einem Schoppen wieder zueinanderfindet. Für ihn spielt Parteipolitik erst einmal nicht die allergrößte Rolle, sie habe in der Kommunalpolitik auch "wenig zu suchen": "Eine gute Idee ist eine gute Idee – egal, von wem sie kommt." Deswegen wolle er, sollte er gewählt werden, "mit jedem sprechen", schließlich sei er auch in Wilhelmsfeld als unabhängiger Kandidat angetreten – auch wenn er Mitglied der Landes-CDU und der Freien Wähler Hirschberg ist. Einen Lagerwahlkampf zwischen den "Bürgerlichen" und den "Linken" lehnt er ab: "Ich versuche, mit dem, was ich mache, zu überzeugen. Wenn ich es schaffe, die Lager aufzuspalten, wäre das nicht schlecht."

Dass er in große Fußstapfen tritt – zumindest gemessen am letzten "bürgerlichen" Bürgermeister Peter Riehl –, ist ihm bewusst: "Wenn ich am Ende meiner Amtszeit in Schriesheim einmal sagen kann, ich hätte diese Fußstapfen zur Hälfte ausgefüllt, kann ich mich glücklich schätzen. Aber ich würde gern auch meine eigenen hinterlassen." Der Vergleich zu Vorgängern sei normal, aber "jeder braucht seine Zeit, um einen eigenen Stil zu entwickeln". Bürgermeister Hansjörg Höfer, mit dem er in den letzten vier Jahren gut zusammengearbeitet habe, hat er bereits über seine Kandidatur informiert.

Im Vordergrund stand am gestrigen Freitag die Personalie "Christoph Oeldorf", das Wahlprogramm wird wohl erst nach der Sommerpause, folgen. Aber die wichtigsten Themen einer Kommune kennt Oeldorf aus Wilhelmsfeld: Digitalisierung, Mobilität, Klimaschutz, Sanierungen von Kindergärten, aber auch den gesellschaftlichen Zusammenhalt. Gerade Letzteres ist dem Kandidaten ein besonderes Anliegen – und auch für ihn das Markenzeichen Schriesheims: "Die gewachsenen Strukturen, das Vereinsleben, ist hier sehr vorbildlich, das muss man bewahren." Mit konkreten Inhalten hält er sich noch zurück, zum Beispiel in der Frage nach einem Neubaugebiet: Das will er zwar zum Thema machen, er sieht auch eine gewisse Notwendigkeit für eine "sorgsame Erweiterung", aber "zum jetzigen Zeitpunkt eine Aussage zu treffen, wäre überheblich".

Dass Schriesheim nicht reich ist und in den nächsten zehn Jahren fast alle Gelder für die notwendigsten Sanierungen der Infrastruktur und der Kindergärten geblockt sind, ficht ihn nicht an. Er müsse keine Herzensprojekte verwirklichen: "Es ist nicht wichtig, dass ich an Gebäude Plaketten mit meinem Namen dranhänge." Außerdem ist er leere Kassen aus dem noch ärmeren Wilhelmsfeld gewohnt: "Der Vorteil dort ist: Wir kennen uns mit Fördertöpfen aus. Man muss nur den richtigen Zeitpunkt abpassen. So bekommt man mit Glück und Fingerspitzengefühl das Wünschbare hin". Allerdings müsse man vorher alle Vorhaben klar priorisieren. Schon jetzt bewege er in Wilhelmsfeld 6,5 bis acht Millionen Euro – für den Glasfaserausbau.

Die Gretchenfrage bei jedem Bürgermeisterkandidaten ist, ob er nach seiner Wahl in Schriesheim wohnen wird. Oeldorf kann sich das auf jeden Fall vorstellen: "Aber erst mal etwas Passendes finden."

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Autor: Rhein-Neckar-Zeitung