05.07.2021

Freie Wähler nominierten Oeldorf einstimmig zu ihrem Bürgermeisterkandidaten

"Schriesheim wäre meine letzte Station" - Der gab ein klares Bekenntnis zur Weinstadt ab

Von Max Rieser

Schriesheim. Es war die erste Jahreshauptversammlung der Freien Wähler in Schriesheim seit zwei Jahren. Und dann ging es auch gleich um die großen Fragen, denn: Der unabhängige Bürgermeisterkandidat Christoph Oeldorf, der von Freien Wählern und CDU unterstützt wird, stellte sich vor. Das Thema Bürgermeisterwahl bildete den Mittelpunkt der Veranstaltung am Freitag. Oeldorf war da, um sich mit den Fragen der Basis auseinanderzusetzen.

Klaus Hartmann, der Erste Vorsitzende der Freien Wähler, erläuterte die Entscheidung des Vorstands, Oeldorf zu unterstützen. Es hätte zwar schon 2019 Gespräche über einen möglichen Bewerber der "Freien" gegeben, alle Interessenten seien aber abgesprungen. Als Oeldorf ins Gespräch kam, hätte man sich gleich für ihn ausgesprochen, da er mit 43 Jahren eher jung und durch sein Bürgermeisteramt in Wilhelmsfeld erfahren sei.

Der in Leutershausen geborene und in Schriesheim zur Schule gegangene Kandidat hatte zunächst Jura studiert, schwenkte dann aber zu Politikwissenschaften in Heidelberg um. Bevor er 2017 Bürgermeister in der Nachbarkommune wurde, arbeitete er als Dienststellenleiter der Bundesagentur für Arbeit in Weinheim. Er hat sein bisheriges Leben in der Region verbracht, fühlt sich mit den Belangen der Menschen vertraut. Das kommt auch durch seine über 30-jährige Mitgliedschaft in der Handballabteilung der SG Leutershausen. Dort habe er gelernt, was es heißt, zu seinem Wort zu stehen – und wann man besser nichts verspricht. Er verspreche nur, was er halten könne.

Die Teilnehmenden hatten viele Fragen: So wollte jemand wissen, wie er sich als Kandidat von Freien Wählern und CDU unterstützen lassen könne, obwohl Wählervereinigung und Partei Differenzen hätten; zumal mit den Grünen starke Konkurrenz droht. Er hege eine "Affinität zum bürgerlichen Lager", erwiderte Oeldorf. Ihm gehe es immer darum, die jeweils beste und finanzierbarste Lösung zu finden. Eine gute Idee bliebe aber gut, egal woher sie komme. Wenn es nach ihm ginge, würde man sich nur um "Sachen, nicht um Personen" streiten. Er habe auch mit FDP und SPD gesprochen und sei offen dafür, sich auch von ihnen unterstützen zu lassen.

Ein anderer fragte, wie der Kandidat das "schwere haushaltspolitische Erbe" der Stadt antreten wolle. Oeldorf sagte, dass Schriesheim im Vergleich mit Wilhelmsfeld "stinkreich" sei und er gelernt habe, sparsam zu wirtschaften. Außerdem wisse er, welche Fördertöpfe es gibt und wann man welchen nutzt. Bei einer guten Haushaltsverwaltung sei es wichtig, jede Investition unternehmerisch abzuwägen und auch mal "Nein" zu sagen. Trotzdem dürfe man sich nicht knebeln und vieles kaputtgehen lassen.

Jutta Becker aus dem Vorstand der Freien Wähler wollte wissen, wie er sich zur Neuausrichtung des Mathaisemarkts positioniert. Oeldorf fand, dass es wichtig ist, dass der Mathaisemarkt den Charakter eines Weinfests behält. Für das Fest 2022 könne er noch nicht viel tun, da er im März gegebenenfalls erst wenige Wochen im Amt wäre. Das Fest müsse wohl in Nuancen an die heutige Zeit angepasst werden, vielleicht auch unter Wiederbelebung alter Formate. Es bliebe aber ein Fest für Schriesheim, deshalb müsse es für die Schriesheimer attraktiv bleiben.

Und was treibt in dazu, sein altes Amt auf halber Strecke zu verlassen, um ein Neues anzutreten, so eine andere Frage. Ihn verbinde viel mit der Stadt, so Oeldorf, und ganz ehrlich: Es sei auch im Sinne seiner Karriere eine höhere Stufe. Ein weiterer Grund sei, dass sich diese Gelegenheit nun eben biete und er sie gern ergreife. Jemand warf ein, dass Wilhelmsfeld doch ein Luftkurort sei. Oeldorf: "Ja, aber Schriesheim ist eine Weinstadt." Jemand anderes spekulierte, dass Oeldorf ja auch Schriesheim wieder den Rücken kehren könnte, wenn das Amt des Oberbürgermeisters in einer Großen Kreisstadt wie Weinheim frei werden sollte. Hier ließ sich der Politiker dann doch zu einem Versprechen hinreißen: "Ich verspreche, dass Schriesheim die letzte Station für mich als Bürgermeister wäre." Auch an politischen Posten in Bund und Land sei er nicht interessiert.

Auch wurde er gefragt, wie er zu einem Neubaugebiet stehe. Er erklärte, dass sich eine Stadt entwickeln müsse, "wer sich nicht entwickelt, bleibt auf der Strecke." Wie genau sich dies darstellen könne, dazu habe er noch keine abschließende Meinung. Es hänge von Fragen der Infrastruktur, der Finanzierbarkeit und der Größenordnung ab. Ihm sei es wichtig, dranzubleiben, damit die Stadt das Heft des Handelns in der Hand behalte. Auch in Sachen Gewerbe plädierte er eher pro Entwicklung. Es gelte aber, den Bestand clever zu nutzen und die Rahmenbedingungen für Unternehmen zu verbessern.

Alle Anwesenden wählten Oeldorf am Ende zum Bürgermeisterkandidaten der Freien Wähler. Er durfte bei der Wahl im Raum bleiben. Er versprach, "alles dafür zu tun, Sie nicht zu enttäuschen" und appellierte an die Bürger, wählen zu gehen, egal ob man für ihn stimme oder nicht.

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Autor: Rhein-Neckar-Zeitung