05.08.2021

In den Rebzeilen ist dank der Schafe und Ziegen alles "Bio"

Der Winzer Georg Bielig erhielt eine Auszeichnung vom Verein "Blühende Bergstraße". Er fördert in seinem Wingert den Erhalt der Kulturlandschaft

Von Florian Busch

Schriesheim. Der Mensch hat, seitdem er sesshaft wurde, die Landschaft stark geprägt und die Region etwa durch den Weinanbau kultiviert. Dem Verein "Blühende Bergstraße" ist es ein Anliegen, genau diese Kulturlandschaft hier in der Region zu schützen – jedoch ohne, dass die Artenvielfalt darunter leidet. Immer wieder vergibt er auch Auszeichnungen an Erzeuger und Vermarkter regionaler Produkte, die im Sinne des Vereins einen herausragenden Teil dazu beitragen. Seit Montag ist auch der Schriesheimer Winzer Georg Bielig einer der Preisträger.

"Diese Auszeichnung rührt mich", freute sich Bielig. Schon 2014 habe er auf Teilen seiner etwa vier Hektar großen Rebfläche begonnen, traditionelle Rebsorten durch neue, robustere zu ersetzen, die weniger Spritzmittel benötigen – sogenannte "Piwis". Doch genauso hält er auch an alteingesessenen Sorten fest. Eine große Bedeutung habe für ihn der Boden. Er sei zum einen die Grundlage für die Ernährung, zum anderen aber auch Lebensraum. Der Dreiklang aus Mensch, Tier und Pflanze könne ohne ihn nicht funktionieren. Aus diesem Grund müsse seine Fruchtbarkeit unbedingt erhalten bleiben.

In seinen Rebzeilen verzichtet Bielig daher auf mineralische Stickstoffdünger und Herbizide und setzt auf Kompost, Pflanzenstärkungsmittel und biodynamische Präparate. Zudem hat er Schafe und Ziegen, die den Wingert beweiden und dadurch den Unkrautwuchs in Grenzen halten. Und beim Mähen lässt er Saumstrukturen und einige Blühpflanzen zum Wohl vieler Insekten auch einfach mal länger stehen. "Es stört mich nicht. Warum also sollte ich das wegmachen", findet der 45-jährige Winzer. Ein schöner Nebeneffekt dabei ist zudem, dass Grünpflanzen die Fruchtbarkeit des Bodens sogar erhalten und steigern. Bielig hat derweil das Gefühl, dass sich immer mehr Landwirte für eine nachhaltige und schonende Nutzung entscheiden.

Viele Kollegen gingen auch schon länger andere Wege und hätten unterschiedliche Methoden. Nicht alles könne er eins zu eins auch umsetzen, allerdings nehme er immer wieder interessante Ansätze mit, um Dinge auszuprobieren.

Es ist der Mix aus Altem auf der einen, sowie neuen Ideen und Experimentierfreudigkeit auf der anderen Seite, was der Verein an Bielig schätzt. Dass er dabei schon seit längerer Zeit nachhaltig und im Sinne des Erhalts der Kulturlandschaft und des Artenschutzes agiert, treffe genau den Kern des Vereins "Blühende Bergstraße", meinte dessen Vorsitzender, Weinheims Oberbürgermeister Manuel Just: "Es ist eine längst überfällige Auszeichnung." Und der Zweite Vorsitzende, Gerhard Röhner, ergänzte: "Er bringt aus der Tradition heraus neue Dinge. Leute wie ihn müsste man erfinden!" Für die Urkunde hat Bielig auch schon einen Platz gefunden: Zukünftig schmückt sie seinen Verkaufsraum.

Ein Umdenken habe bei ihm vor gut sechs Jahren eingesetzt, seit vier Jahren gehe er den Weg nun schon konsequent. Beispielsweise sei vor Kurzem ein Baum umgeknickt. Statt jedoch einfach alles zu entfernen, ließ er die Äste liegen und sägte den Stamm kurz ab. "Früher hätte man da ganz anders reagiert", so Bielig, der mit dieser Aktion wieder neuen Lebensraum für Insekten und Reptilien geschaffen hat.

Eine große Motivation, auf Nachhaltigkeit und den Erhalt von Flora und Fauna zu achten, seien auch seine zwei Töchter. Ihnen möchte er eine gesunde und vielfältige Erde hinterlassen. Der Winzer handelt also aus vollster Überzeugung. Das sah auch Bürgermeister Hansjörg Höfer, der den Winzer seit seinen Anfängen 1994 kennt: "Da gehört der ganze Kerl dazu. Denn man muss auch hinter dem stehen, was man macht."

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Autor: Rhein-Neckar-Zeitung