20.08.2021

Winzer will Insekten und Vögeln etwas bieten

Max Jäck baute "Insektentürme" in den Weinbergen und schuf Totholzhecken, ein Praktikant versah die Bauten mit Informationstafeln.

Von Max Rieser

Schriesheim. Wie die meisten Ideen und auch ein guter Wein brauchte das Vorhaben, einen Insektenturm im Wingert zu bauen, einige Reifezeit. Mittlerweile stehen schon drei Möglichkeiten für Brummer und auch Vögel zwischen den Rebzeilen von Max Jäck bereit.

Den Wunsch für ein Angebot für die tierischen Bewohner des eigenen Wingerts hatte er schon länger, vergangenes Jahr wurde es dann konkret. Jäck besuchte nach der Ernte mit seiner Freundin die Moselregion. Dort gab es einen Lehrpfad in den Weinbergen. Ein Teil davon waren "Lebenstürme" für Insekten und andere Tiere. Mit der neuen Inspiration im Gepäck ging es dann erst mal in den Winter.

Während der 32-jährige Winzer im Sommer seinen Boden für die Reben "offen" hält, heißt, keine anderen Pflanzen bei den Reben wachsen lässt, um ihre Entwicklung zu fördern, sät er im Herbst Raps und Roggen in den Wingert. Das habe zwei Vorteile, berichtet er. Zum einen würde es im Frühjahr schön blühen und eine Nahrungsquelle für Bienen bieten. Zum anderen würde die tiefen Wurzeln der Pflanzen den Boden auflockern und ihm eine bessere Wasseraufnahme ermöglichen.

Als dann im Frühjahr klar war, dass der Mathaisemarkt Corona zum Opfer fallen würde, hatte er endlich mal "ein, zwei Tage Muße und Zeit, sich damit zu beschäftigen." Auch dass die Vegetation wegen des kalten Wetters zwei Wochen in Verzug war, brachte etwas Luft für das Projekt: "Im Mittel der letzten 30 Jahre waren wir nicht viel später, aber im Vergleich zu den letzten Jahren waren die Pflanzen sehr spät dran." Da Jäck vergangenes Jahr einen neuen Weinberg anlegte, wollte er außerdem der Natur etwas zurückgeben: "Wenn ich da so einen riesen Weinberg hinklatsche, muss da auch was für Insekten und Vögel geboten werden."

An zwei Sonntagen im März wurde dann ein Extraarbeitseinsatz eingeschoben. An Material war kein Mangel. Im eigenen Betrieb und auch beim Obsthof seines Bruders und seiner Eltern fand er alles, was er brauchte: Sandsteine, Pfosten und auch alte Balken, in die er Löcher für Wildbienen bohrte. Als eine alte Weide der Jäcks die "Haare geschnitten bekam", also gestutzt wurde, fielen außerdem einige Äste ab, die der Winzer neben dem "Insektenhotel" zu einer "Totholzhecke" für Vögel aufgeschichtet hat. Noch ein paar Meter weiter schichtete er alte Weinreben, die er mit einem Dach versah, wo sich ebenfalls Vögel einnisten können.

Jäck freut sich sehr über das Projekt, denn so würde er nicht nur Trauben nehmen, sondern den Weinberg auch als Lebensraum für verschiedene Arten erhalten. Und auch die Spaziergänger freuen sich.

Pascal Treichler, der bei Max Jäck ein Praktikum absolvierte und ab September eine Winzerlehre auf dem Weingut von Georg Bielig beginnt, ist Hobbyfotograf und versorgt auch Jäck mit Grafikarbeiten. Er versah die Vogel- und Insektenbauten mit Informationstafeln, die Vorbeigehende über die Projekte aufklären.

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Autor: Rhein-Neckar-Zeitung