29.09.2004

Immer dieser Kanal!

Stadt investiert gerade eine halbe Million Euro in die Abwasserleitung

Von Roland Kern

Schriesheim. Ohne seinen Kanal hätte Schriesheim einige Sorgen weniger. Im Moment muss die Stadt an zwei Straßen den Tiefbau neu herrichten: in der Römerstraße und in der Entengasse. Kosten insgesamt: eine halbe Million Euro.

Fast 100 Jahre hat der Abwasserkanal in diesen beiden Straßen der Innenstadt auf dem Buckel. Das heißt: zu klein, falsches Material, kaputt, irreparabel. Damals wurden Kanalrohre aus Steinzeug hergestellt, das bekommt im Laufe der Zeit Risse und Sprünge. 60 Zentimeter Durchmesser hatte der alte Kanal zum Beispiel in der Römerstraße. Das ist eigentlich zu eng. Dadurch entsteht zusätzlich ein zu hoher Druck, der die maroden Rohre belastet. "Somit war der Kanal von innen nicht mehr sanierbar", erklärte gestern Jörg Gehbauer von der halbstädtischen Abwasser-GmbH WVE beim Vor-Ort-Termin mit der RNZ. "Und ihn so zu lassen", ergänzte Stadtbaumeister Volker Rehberger, "wäre aus ökologischen Gründen nicht vertretbar gewesen." Schließlich sickerten zum Schluss täglich Hunderte von Litern Abwasser ins Grundwasser. Die Stadt musste also handeln.

Die WVE hat die Oberhand über die Maßnahme und wird die Baukosten auch vorfinanzieren. Das Rathaus-Bauamt hat aber die örtliche Bauleitung übernommen. Auch die Finanzierung bleibt natürlich bei der Stadt hängen, denn sie ist als Hauptgesellschafter einziger Finanzier der Abwasser-GmbH - sieht man von staatlichen Zuschüssen einmal ab.

Übrigens arbeitet die WVE mit bekannten Partnern zusammen. Das Hirschberger Ingenieurbüro Schulz hat die Ingenieurleistungen erbracht und bei der Neckargeracher Firma HLT sind teilweise Arbeiter der ehemaligen Firma Bessler aus Heiligkreuzsteinach untergekommen, die ihre Wurzeln bekanntlich in Schriesheim besitzt - und die im Frühjahr Insolvenz anmelden musste.

Großes Verständnis der Anwohner
Ex-Bessler-Chef Gerhard Dürrwang, der ebenfalls vor Ort ist, hat mit den Schriesheimern nach dem Hick-Hack mit der Altenbacher Hauptstraße aber seinen Frieden mit den Schriesheimer Bürgern geschlossen. "Die Anwohner sind sehr verständnisvoll", freut sich auch Bauamtschef Volker Rehberger und berichtet: "Am Wochenende haben wir die Baustelle verlegt, um einen Umzug in die neuen Römerstraßen-Häuser zu ermöglichen, die Leute haben heute extra nochmal angerufen und sich bedankt."

Tatsächlich standen auch gestern um die Mittagszeit Kaffeebecher und eine Thermoskanne auf einem Steinhaufen: eine Spende von den Anwohnern, die den Baulärm nicht der Stadt vorwerfen. "Die Leute hier sind alle sehr nett", lacht der kleine drahtige Vorarbeiter Alfons Egner, der jeden Morgen mit einer Kolonne aus dem tiefsten Odenwald nach Schriesheim fährt.

Sowohl in der Römerstraße als auch in der Entengasse am Rande der Altstadt wird noch das ganze Jahr über gebuddelt. Die Römerstraße wird nach dem Ende der Kanalsanierung wieder mit der normalen Teerdecke überzogen und kostet die WVE respektive die Stadt 300 000 Euro. Rehberger will die Arbeiten in mindestens drei Abschnitten vornehmen lassen, damit die Zufahrt über die Schönauer Straße so weit wie möglich gewährleistet ist.

In der Entengasse nutzt die Stadt die Gelegenheit, das kleine Nebensträßchen der Heidelberger Straße altstadtgerecht zu pflastern. Deshalb wird der Ausbau trotz der wesentlich geringeren Strecke auch 200 000 Euro teuer. Übrigens: Beide Maßnahmen sind zwar wichtig, aber erst einmal nicht mehr als der Tropfen auf den heißen Stein. "Die Kanäle in der Ladenburger Straße", muss Rehberger eingestehen, "sind auch nicht besser".








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Autor: Rhein-Neckar-Zeitung