04.09.2021

ASB will sich in Tunnelnähe am Leimengrubweg ansiedeln

Gibt es wieder eine Rettungswache in Schriesheim? Bittere Pille für Bürgergemeinschaft: Die Stadt sieht hier keinen Platz fürs Feuerwehrhaus.

Von Micha Hörnle

Schriesheim. Der Arbeiter-Samariterbund (ASB) kann sich vorstellen, am nördlichen Ortsausgang, im Leimengrubweg, eine Rettungswache zu bauen. Das bestätigte die Sprecherin des ASB-Kreisverbands Mannheim, Frauke Kühnl, auf RNZ-Anfrage. Damit wird, zumindest etwas, konkreter, was Bürgermeister Hansjörg Höfer bereits vor vier Monaten in einer Gemeinderatssitzung angedeutet hatte und was seit zweieinhalb Jahren im Gespräch ist. Denn Schriesheim ist seit Oktober 2019 nicht mehr der Standort für die zwei Rettungs- und den einen Notarztwagen.

Vorher waren sie im DRK-Heim und auch zeitweise im ehemaligen Autohaus Gärtner untergebracht, dann zogen sie in ihr neues Domizil im Gewerbepark Hirschberg um. Aber auch das ist für den ASB nur eine Übergangslösung, denn erstens will man gern nach Schriesheim zurück – und zweitens gibt es auch in Hirschberg zu wenig Platz. Denn der ASB ist der größte Krankentransportanbieter im Rhein-Neckar-Kreis – hier übernehmen die Mannheimer knapp 20.000 der insgesamt 36.000 Fahrten im Jahr – und würde deswegen gern noch zwei Kleinbusse unterstellen. Insofern hofft Kühnl auf "eine größere Wache mit vier bis fünf Fahrzeug-Boxen und vielleicht auch einer Waschhalle".

Der ins Auge gefasste Standort am Leimengrubweg "wäre perfekt", so Kühnl, denn etliche der 3840 Einsatze im Jahr führen die Wagen nach Altenbach und Wilhelmsfeld, also durch den Tunnel – auch wenn das Haupteinsatzgebiet der Rettungswache Hirschberg, Heddesheim, Ladenburg, Schriesheim, Weinheim und natürlich die A 5 ist. Dabei erfüllt der ASB die derzeitige vom Land vorgeschriebene Hilfsfrist von 15 Minuten zu 95 Prozent.

Die Stadtverwaltung bestätigt, dass es mittlerweile "Vorgespräche mit den Verantwortlichen des ASB" und schließlich auch "eine gemeinsame Vor-Ort-Begehung" gegeben habe: "Dabei waren Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Stadtverwaltung, die Verantwortlichen des ASB sowie externe Fachberater vor Ort. Nach dieser Begehung wird nun durch die vom ASB beauftragten externen Fachberater geprüft, inwieweit die Fläche als Standort geeignet ist", heißt es auf RNZ-Anfrage aus dem Rathaus. Laut Kühnl arbeite momentan eine Architektin an einem "vorsichtigen Plan".

Allerdings gibt es noch ein paar Unklarheiten, zumindest für den ASB: Denn im Moment wird noch abgeklärt, wem die Fläche am Leimengrubweg überhaupt gehört. Dazu sagt das Rathaus: "Da es sich jedoch um einen Eigentümer der öffentlichen Hand handelt, ist dieser für die Standortfrage nicht bedeutsam. Sofern der ASB diese Fläche als geeigneten Standort bewerten sollte, werden weitere Schritte hinsichtlich der Prüfung eingeleitet." Mit anderen Worten: Es liegt am ASB.

Die andere große Frage ist die des Bebauungsplans. Bekanntlich soll der für das gesamte Areal zwischen Leimengrubweg und Haydnstraße aktualisiert werden, weil sich "Edeka" vergrößern und sich zugleich die Discount-Tochter "Netto" ansiedeln will. Der Standort der Rettungswache liegt außerhalb des Geltungsbereichs dieses Bebauungsplans, was die Sache aber nicht unbedingt einfacher macht. Denn nach Angaben der Stadtverwaltung liegt das Rettungswache-Grundstück im Außenbereich (also außerhalb der bestehenden Bebauung), weswegen ein neuer Bebauungsplan in Auftrag gegeben werden müsste.

Nun hatte die Bürgergemeinschaft in ihrem "Schriesheim-Video" angeregt, an den Leimen- grub- oder Säulenweg das Feuerwehrhaus hinzuverlegen, weil das bestehende Gebäude am Festplatz marode und hochwassergefährdet ist. Da läge doch der Gedanke von einer Kombination als Rettungswache und Gerätehaus nahe, sozusagen ein Hilfeleistungszentrum ähnlich wie in Hirschberg. Zumindest ASB-Sprecherin Kühnl kann sich das vorstellen. Aber nur hier, im Leimengrubweg. Denn ein Hilfeleistungszentrum im von Bürgermeister Hansjörg Höfer präferierten Neubaugebiet Süd ist für den ASB "vom Standort her nicht optimal, weil damit die Anbindung Richtung Weinheim nicht mehr in der sogenannten Hilfsfrist gewährleistet ist. Zudem wäre das Zentrum vermutlich zu klein".

Der Idee der Bürgergemeinschaft vom Hilfeleistungszentrum im Leimengrubweg kann die Stadtverwaltung nichts abgewinnen. Auf RNZ-Anfrage heißt es: "Die Fläche wäre für den Neubau eines Feuerwehrhauses zu klein, sodass die Errichtung eines modernen Feuerwehrhauses nicht möglich wäre." Denn das schmale Grundstück am nördlichen Ortsrand "wäre deutlich kleiner als die Fläche, auf der sich das aktuelle Feuerwehrhaus befindet". Die Frage, wo ein Hilfeleistungszentrum entstehen könne, sei "keine Frage des Standorts, sondern primär der zur Verfügung stehenden Fläche." Und die sei im Leimengrubweg "definitiv nicht ausreichend".

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Autor: Rhein-Neckar-Zeitung