15.09.2021

Schriesheim/Salzgitter: Harald Rau scheitert bei OB-Wahl in Salzgitter

Schriesheim/Salzgitter: Harald Rau scheitert bei OB-Wahl in Salzgitter

Am engagierten Wahlkampf kann es nicht gelegen haben, dass Harald Rau (Mitte) bei der Oberbürgermeisterwahl in seiner neuen Heimat Salzgitter unter seinen Erwartungen blieb. Mittlerweile wurden seine Homepage und seine Präsenzen in den sozialen Netzwerken abgeschaltet. Foto: privat
Ex-Schriesheimer kam am Sonntag nur auf 25 Prozent. Dennoch ist er mit seinem Wahlkampf zufrieden.

Schriesheim. (hö) Am Ende war es doch eine deutlichere Sache, als es sich Harald Rau gewünscht hatte. Der Ex-Schriesheimer scheiterte am Sonntag bei seinem Versuch, Oberbürgermeister von Salzgitter zu werden. Rau, der parteilos ist, aber von SPD und Grünen unterstützt wurde, erhielt 25,4 Prozent, Frank Klingebiel (CDU) kam auf 54,9 Prozent. Abgeschlagen waren die drei Kandidaten der anderen Parteien mit zusammen knapp 20 Prozent, am stärksten war noch der AfD-Kandidat mit 8,9 Prozent. Klingebiel geht damit in seine dritte Amtszeit: Bereits 2006 hatte er den SPD-Amtsinhaber entthront, 2014 setzte er sich deutlich gegen die gemeinsame Kandidatin von SPD und Grünen durch – jeweils im ersten Wahlgang.

Waren Beharrungskräfte zu stark?

Rau klang durchaus geknickt, als die RNZ am Montagnachmittag mit ihm telefonierte: "Ich hatte gedacht, dass es zu einer Stichwahl kommt." Zumal SPD und Grüne, also Raus Wählerpotenzial, bei der Kommunalwahl – sie fand ebenso am Sonntag statt – zusammen auf über 43 Prozent kamen (CDU: 29,9 Prozent). Und eine Umfrage, wenn auch mit nur 300 Teilnehmern, hatte vor zwei Wochen Rau noch ganz knapp in Führung gesehen. Insofern kam das Ergebnis überraschend.

Allzu viel Ursachenforschung will Rau gar nicht betreiben: Lag es daran, dass er auf dem Stimmzettel ganz unten (und auch noch ohne Parteizugehörigkeit) stand? Waren die Beharrungskräfte einer Stadt, die schwere Probleme – von der hohen Verschuldung bis hin zu Integrationsproblemen – hat, zu stark? Hat er den Anteil der kommunalpolitisch Interessierten überschätzt? Hätte er sich auf drei "Knallerthemen" konzentrieren sollen? War am Ende Konkurrent Klingebiel ("ein Kumpeltyp, aber ein schlechter Rathausmanager") zu populär und am Ende auch für "Linke" wählbar?

Dennoch ist Rau mit seinem engagierten Wahlkampf zufrieden, am meisten tut ihm sein Team leid, das am Boden zerstört ist. Seine Bilanz nach über einem halben Jahr Kampagne: "Uns ist es gelungen, aus einem unbekannten Gesicht ein stadtbekanntes zu machen." Und er legte die Finger in viele Wunden der Stadt, fand aber doch bei den sonst eher spröden Niedersachsen "eine freundliche Aufnahme". Insofern ist er "nicht frustriert, es ist, wie es ist". Schließlich hat er weiter "einen guten Job": Der 55-Jährige, der als Journalist in der Region begann und eine eigene TV-Produktionsfirma hatte, ist seit 2009 Professor für Kommunikationsmanagement an der Ostfalia-Hochschule in Salzgitter. Und es kann auf keinen Fall schaden, dass sich Rau in seinem Wahlkampf die digitale Filmproduktion und das Webseitenmanagement draufschaffte – und viele neue Verbindungen, gerade in die Landeshauptstadt, knüpfte.

Wie es mit ihm kommunalpolitisch weitergeht, lässt Rau offen, doch eines schließt er aus: "Ich werde in fünf Jahren nicht noch mal als OB antreten. Dafür braucht man einen großen Rückhalt." Und so richtig Vergnügen macht das Regieren in Salzgitter auch nicht: Saßen vorher sechs Parteien im Stadtrat, sind es nun neun (darunter als drittstärkste Kraft, noch vor den Grünen, die AfD). Rau ahnt jetzt schon: "Da wird es schwer, Mehrheiten zu finden." Bevor es jetzt Spekulationen gibt: Nein, in Schriesheim wird Rau nicht kandidieren.

Copyright (c) rnz-online

Autor: Rhein-Neckar-Zeitung