27.09.2021

Neuer Rekord bei der Briefwahl

Die Quote ist in Schriesheim besonders hoch. Und doch gab es in den Wahllokalen einiges zu tun. Pandemie-Probleme gab es beim Urnengang kaum.

Von Micha Hörnle und Max Rieser

Schriesheim/Hirschberg. Der Trend bei der Briefwahl hält an: In Schriesheim wählten 48,74 Prozent der Wahlberechtigten auf diese Weise (5504 von 11.292), in Hirschberg waren es 44,32 Prozent (3290 von 7424). Und doch hatten die Helfer in den Wahllokalen eine Menge zu tun.

> Schriesheim: Um 15.25 Uhr sind im Wahlbezirk 102 im Vereinsraum der Mehrzweckhalle 336 von 1071 Wahlberechtigten an die Urne gegangen, 566 haben per Brief gewählt, also liegt die Wahlbeteiligung zweieinhalb Stunden vor Schließung der Wahllokale bei über 84 Prozent. Ähnlich hoch ist die Quote nebenan, im Wahlbezirk 101. Wieso geht man im Briefwahlzeitalter überhaupt noch an die Urne? "Ich finde das einfacher", sagt eine Wählerin. Ähnlich sieht das Frank Peekes: "Ich habe mich bisher noch nicht mit der Briefwahl beschäftigt." Seine Tochter Jasmin ist Erstwählerin. Beide hatten schon früh eine Ahnung, was sie wählen wollten, Jasmin schwankte bis zuletzt zwischen zwei Parteien.

Die Pandemie sei generell bei dieser Bundestagswahl "kein Thema" mehr gewesen, alles habe sich seit der ersten Corona-Wahl, der Landtagswahl vor einem halben Jahr, eingespielt, sagt Ordnungsamtsleiter Achim Weitz. Und doch erinnern in der Mehrzweckhalle die Wahlkabinen an diese Zeit – sie waren vorher Impfkabinen.

Kerstin Schlixbier, Luca-Marie Müller, Michal-Tabea Hochhaus und Jonas Nuß vom Wahlbezirk 102 gehören zu den insgesamt 160 Wahlhelfern in Schriesheim. Das Quartett ist in guter Stimmung: "Die Wähler sind sehr freundlich, einige bedanken sich sogar", sagt Schlixbier. Dabei sind sie, Hochhaus und Müller zum ersten Mal Wahlhelfer; Nuß ist seit sechs Jahren im Rathaus angestellt, und so lange beaufsichtigt er die Wahl. Trotz des Briefwahlrekords "haben wir bisher noch keine ruhige Minute gehabt", erklärt Nuß. Schlixbier ist im Quartett die einzige Bürgerin und nicht Stadtbedienstete, sie wurde per Brief aufgefordert, bei der Wahl zu helfen – und macht das nun genauso wie Nele Plath vom Wahlbezirk 101, wo neben ihr Frank Hoffmann und Thomas Kauck Wahlhelfer sind. Für Plath ist dieses Ehrenamt auch ein Stück Ankommen als Schriesheimerin, vorher war sie Studentin in Heidelberg. Während alle anderen bereits per Brief gewählt haben, muss Plath nur in den Wahlbezirk gegenüber, um zu wählen. Und wie erklärt sie es sich, dass immer noch Leute an die Urne wollen? "Bei der Briefwahl kann man sich nicht schickmachen."

> Hirschberg: Es herrscht ein reges Treiben am Sonntagvormittag vor der Martin-Stöhr-Schule – und das lag nicht nur an der "Heisemer Storchekerwe". Bürgerbüro-Leiter Christian Müller ist am Nachmittag zufrieden. Er ist den ganzen Tag in den Wahllokalen unterwegs, um Fragen zu beantworten und nach dem Rechten zu sehen: "Bis jetzt läuft alles glatt, wir können nicht klagen", berichtet er. Auch hier: Trotz des Rekords bei der Briefwahl sind die Wahllokale keineswegs verwaist: "In Leutershausen war viel los, und in Großsachsen gab es bisher auch einen guten Andrang", so Müller. Das bestätigen auch die Wahlhelfer. Gemeinderat Christoph Kiefer (Freie Wähler), der beim Wahlbezirk 001-05 mitarbeitet, berichtet: "Wir sind seit 8 Uhr vor Ort." Da seien aber nur einige "Frühe" gekommen. Angezogen habe der Betrieb erst gegen 10 Uhr. Der Bezirk umfasst 801 Wähler, von denen sich 357 für die Briefwahl entschieden haben. Von den übrigen 444 haben um 11.30 Uhr bereits 16 Prozent ihre Kreuzchen gemacht.

Einen Raum weiter begrüßt Petra Höhr die Wähler des Bezirks 001-06. Die Stimmung bei den vier Wahlhelferinnen ist entspannt. Auf der Tafel stehen die Uhrzeit und die prozentuale Wahlbeteiligung. Auch hier waren es nicht viele Frühaufsteher. Um 9 Uhr lag die Beteiligung bei 4,6 Prozent, um 11 schon bei 23,3. Der schubweise Andrang sei gut, "wenn nichts los ist, langweilt man sich ja", meint Christine Pietsch-Lang. Allerdings stellt sie einige coronabedingte Probleme fest, denn nach jedem Wahlgang werden die Kabinen abgewischt und desinfiziert: "Da gab es schon ein paar feuchte Wahlzettel durch die nasse Unterlage." Die zusätzlichen Aufgaben seien aber "absolut machbar", sagt Höhr.

Heidrun und Edgar Brand sagen, als sie das Wahllokal gerade verlassen: "Uns ist es sehr wichtig zu wählen. Und da wir ohnehin Sonntagmittag immer essen gehen, hat der kleine Abstecher zum Wählen vorher genau gepasst."

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Autor: Rhein-Neckar-Zeitung

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