27.09.2021

Bundestagswahl: Alexander Föhr verpasst das Direktmandat

Der CDU-Kandidat hoffte noch auf den Einzug über die Landesliste, den er verpasste. Die Anhänger waren enttäuscht, dabei habe er "den besten Wahlkampf gemacht".

Von Micha Hörnle

Schriesheim. Um 20.37 Uhr, noch fehlten zwölf Stimmbezirke des Wahlkreises (von insgesamt 353), gestand CDU-Bundestagskandidat Alexander Föhr ein, dass er es nicht gepackt hat – zumindest, was das erhoffte Direktmandat angeht: Er gratulierte der Grünen Franziska Brantner (die er zuvor angerufen hatte), dass sie zum ersten Mal für die Grünen den Wahlkreis Heidelberg/Weinheim geholt hatte, sagte aber auch: "Wir können erhobenen Hauptes aus dem Wahlkampf gehen." Immerhin liegen die Erststimmen für ihn (24,1 Prozent) mehr als drei Prozentpunkte über dem CDU-Zweitstimmenergebnis (20,8 Prozent), somit habe sich seine große Präsenz, gerade auch außerhalb Heidelbergs, ausgezahlt. Am Montagmorgen wurde gewiss, dass es Föhr tatsächlich nicht über die Landesliste geschafft hat.

Ein Blick auf die Ergebnisse in den zwölf Kommunen des Wahlkreises zeigt, dass seine Analyse richtig war: "Der Wahlkreis wird von Heidelberg dominiert, da haben wir als Union keine Chance." Am Ende lag Föhr in fünf der zwölf Gemeinden vorn, gerade die Bergstraße ging an ihn: Am besten schnitt er in Hirschberg (30,45 Prozent) ab, direkt dahinter Laudenbach (29,8 Prozent), dicht gefolgt von Schriesheim (29,75 Prozent). Selbst das Mittelzentrum Weinheim ging an ihn (28,1 Prozent), auch das sonst eher rote Ladenburg (28,2 Prozent).

Besonders stolz machte ihn sein Erfolg in Schriesheim, wo er im "Goldenen Hirsch" auch mit gut 80 Anhängern seine Wahlparty feierte: "Ich habe viel in Schriesheim gemacht, hier habe ich fast 30 Prozent geholt – dabei ist die Stadt nicht unbedingt CDU-dominiert." Noch wollte Föhr sich nicht ganz geschlagen geben, denn es gibt noch "eine kleine Resthoffnung", dass er über die Landesliste einzieht. Ob das klappen kann, sollte erst in den frühen Morgenstunden, also weit nach Redaktionsschluss, feststehen. Zumindest wünscht er dem Wahlkreis das eine: "Es hätte ihm gut getan, wenn auch noch eine andere Person nach Berlin gehen könnte" – sonst wäre ja Brantner alleine.

Die CDU-Getreuen im "Hirsch" waren enttäuscht, dass es Föhr im ersten Anlauf noch nicht geschafft hat, denn, so die Schriesheimer CDU-Vorsitzende Christiane Haase: "Er hat definitiv den besten Wahlkampf gemacht. Es ist bitter, dass Heidelberg das Direktmandat entscheidet. Da wurde eine Frau, die nie da ist, gewählt. Und einer, der immer da war, hat es nicht geschafft." Der scheidende CDU-Abgeordnete Karl A. Lamers war "sehr betroffen und sehr betrübt, dass wir das Direktmandat nicht geholt haben". Jetzt setze er auf Föhrs Einzug über die Landesliste: "Das wünsche ich mir. Warten wir die Nacht ab."

Im "Hirsch" durchlebten die CDUler ab 18 Uhr ein Wechselbad der Gefühle. Schon um 18.20 Uhr wurde ein Ergebnis auf die Leinwand geworfen, das einen ersten Euphorieschub auslöste: die Erstimmen aus Ursenbach, hier lag Föhr mit 43,3 Prozent uneinholbar vorn: "Da habe ich aber auch alle Häuser abgeklingelt", machte sich Föhr seinen Reim drauf. Christian Lehmann, der Weinheimer CDU-Vorsitzende, hatte dem Kandidaten ein besonderes Geschenk mitgebracht: "44 Prozent Erststimmen für Dich aus meinem Wahllokal in Lützelsachsen." Doch das Blatt wendete sich schnell, je mehr Ergebnisse eintrafen. Ab 19.15 Uhr lag Brantner im Wahlkreis 16 Stimmen vor Föhr, eine Viertelstunde später – da war ziemlich genau die Hälfte der Wahlkreise ausgezählt – stand ihr Vorsprung schon bei 1500. Da wusste auch Föhr: "Sie wird es gewinnen."

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Autor: Rhein-Neckar-Zeitung

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