01.10.2021

"Mir wurde klar: Ich bin für Gott wertvoll"

"Mir wurde klar: Ich bin für Gott wertvoll"

Weiltingen, Hawaii, Frankfurt, Kassel und jetzt Schriesheim: Das sind die Stationen von Steffen Schmidt. Foto: Dorn
Steffen Schmidt ist neuer Jugendreferent an der Evangelischen Kirche Schriesheim. Der 25-Jähriger bringt schon viel Erfahrung mit.

Von Marion Gottlob

Schriesheim. Steffen Schmidt ist neuer Jugendreferent an der Evangelischen Kirche in Schriesheim – für den 25-Jährigen der Einstieg in den Beruf. Dennoch bringt er schon reichlich Erfahrung mit in die Weinstadt. Schmidt war sowohl in der Jugend- wie in der Seniorenarbeit tätig. An seiner Wirkungsstätte möchte er zunächst abwarten, welche Wünsche die jungen Schriesheimer haben und sich überlegen, welche Angebote zu ihnen passen könnten. Schmidt wird aber auch seine eigenen Ideen einbringen und den jungen Menschen Film-Projekte über Themen des Glaubens vorschlagen.

Aufgewachsen ist er im fränkischen 800-Seelen-Dorf Weiltingen bei Dinkelsbühl. "Die Kinder waren oft draußen, jeder kannte jeden", erinnert sich Schmidt. Er schloss sich der Gemeinschaft "Entschieden für Christus" und dem "Teen-Kreis" für Jugendliche an und war bereits mit 16 Jahren Teil des Leitungsteams. In der Schule gehörten Physik, Mathematik und Chemie zu seinen Lieblingsfächern: "Ich habe Mathe immer gut verstanden. Ich liebe Physik, weil ich wissen möchte, wie Dinge funktionieren – warum das und das in diesem Moment passiert. So mag ich auch die Chemie, weil ich verstehen will, warum die Welt so ist, wie sie ist", sagt Schmidt.

Nach dem Abitur "pausierte" er für ein Jahr: "Ich wollte weg von Schule und Lernen", so der Jugendreferent. Er hatte schon während der Schulzeit gejobbt, nun arbeitete er vier Monate lang im Akkord in einer Produktion für Verpackungen. "Ich weiß nun, wie sich das anfühlt: Wenn die Maschine schnell läuft, dann muss man sich ihr anpassen, um auf die geforderte Stückzahl zu kommen", sagt Schmidt. Mit dem Verdienst reiste er für drei Monate nach Hawaii. "Es war so schön", schwärmt Schmidt heute noch. Bei der Bewegung "Jugend mit einer Mission" arbeitete er im Gärtner-Team mit. "Ich habe Menschen aus der ganzen Welt kennengelernt, aus Schweden, Amerika und Südkorea." Als er nach Deutschland zurückkehrte, war klar: "Ich wollte nicht mehr Elektrotechnik studieren, sondern Jugendreferent werden."

Zuerst verbrachte er fast ein ganzes Jahr im Glaubenszentrum Bad Gandersheim, um sich und seine Haltung zu erforschen: "Dort ist mein Glaube stark geworden. Mir wurde klar: Ich bin für Gott wertvoll." Ein Bundes-Freiwilligen-Jahr in der Nähe von Frankfurt vervollständigte die Vorbereitung auf das Studium. Es wurde zugleich für Schmidt besonders wichtig: Er arbeitete mit älteren Menschen: "Die Senioren waren so herzlich." So begleitete er eine 57-jährige Demenz-Kranke bei der Teilnahme an einem Demenz-Theater-Projekt: "In einer Collage haben wir gespielt, wie sie ihren Schlüssel sucht. Das waren sehr schöne Momente", sagt Schmidt.

Anschließend nahm er sein Wunschstudium auf: Soziale Arbeit mit dem Schwerpunkt Religions- und Gemeindepädagogik an der Hochschule des Christlichen Vereins für Junge Menschen (CVJM) in Kassel. "Es war das Richtige", sagt Schmidt. An einem CVJM-Haus in der Nähe von Hamburg verbrachte er das Praktikumssemester. Dort arbeitete er mit Kindern in Flüchtlingsheimen genauso wie mit solchen aus wohlhabenden Familien in der Hausaufgabenbetreuung. Nebenbei absolvierte er eine Weiterbildung zum Wildnis- und Erlebnispädagogen. "Wir haben eine Woche ohne Zelt im Wald verbracht. Man lernt, wie man Feuer macht oder einen eigenen Ofen baut", sagt Schmidt.

In seiner Freizeit treibt er Sport, joggt, kickt und spielt Volleyball. Er liebt es, in Geschichten und fremde Universen einzutauchen, mag Filme und Computerspiele. Nun beginnt er seine Arbeit in Schriesheim: "Ich habe nicht den Anspruch, Menschen zu ändern. Ich gebe mein Bestes."

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Autor: Rhein-Neckar-Zeitung