12.10.2021

Jagdhornbläsergruppe Schriesheim: Drei Generationen und eine Liebe: das Horn

Jagdhornbläsergruppe Schriesheim: Drei Generationen und eine Liebe: das Horn

Siegfried Wachter (80) gehörte schon zur Gründergeneration der Jagdhornbläser, doch auch sein Sohn Bernhard (55) und Enkel Patrick (17) begeistern sich für das Instrument und den Verein. Foto: Dorn
Siegfried, Bernhard und Patrick Wachter spielen bei den Jagdhornbläsern mit. Der Verein "feierte" in diesem Jahr sein 60. Jubiläum.

Siegfried Wachter (80) gehörte schon zur Gründergeneration der Jagdhornbläser, doch auch sein Sohn Bernhard (55) und Enkel Patrick (17) begeistern sich für das Instrument und den Verein. Foto: Dorn

Von Micha Hörnle

Schriesheim. Es ist in Schriesheim nicht so ungewöhnlich, dass eine Vereinsmitgliedschaft in der Familie weitergegeben wird. Aber dass gleich drei Generationen die Liebe zum Jagdhorn teilen, ist etwas Besonderes. Umso mehr, dass der Senior, Siegfried Wachter, sogar zu den Gründungsmitgliedern der Jagdhornbläser gehört (und aus dessen Reihen der letzte Aktive ist). Die feierten in diesem Jahr, in coronabedingter Stille, ihren 60. Geburtstag (RNZ vom 26. Mai), und um die Zukunft ist es weder Siegfried noch Sohn Bernhard noch Enkel Patrick Wachter bang, denn erstens gehören die Hörner schon fast zur Familie und zweitens wollen die Bläser gar kein Massenverein sein: "Jetzt haben wir 16 Aktive, maximal waren es 18", weiß Bernhard Wachter, erst seit ein paar Jahren gibt es überhaupt passive Mitglieder. Und eine Fluktuation kennen die Jagdhornbläser kaum. Schon die Gründergeneration spielte im Grunde unverändert über Jahrzehnte hinweg.

Dass Patrick mit seinen 17 Jahren sich für das Instrument begeistert, war – und das betont er gleich mehrmals – "kein Zwang", das Jagdhorn, so sagt er, "war schon immer bei uns präsent". So ging es auch seinem älteren Bruder Kilian (19). Beide fingen vor elf Jahren gleichzeitig mit dem Fürst-Pless-Horn, also dem Einstiegshorn, an; danach folgte das Parforce-Horn mit seinem größeren Tonumfang. So war das auch schon bei Bernhard Wachter, der zwar "gefühlt schon immer dabei" war, aber erst fünf Jahre nach der Gründung der Jagdhornbläser überhaupt geboren wurde. Natürlich begleitete er seinen Vater Siegfried in den 70er Jahren bei seinen Auftritten, kam aber erst recht spät, mit 15 Jahren, zum Jagdhorn. Überhaupt diskutiert man bei den Bläsern gern, wann es denn nun das richtige Alter sei, mit dem Instrument anzufangen; früher war man der Meinung, dass zehn Jahre ein ganz gutes Alter sei.

Und was hält einen Jugendlichen wie Patrick in dem Verein? "Die Geselligkeit und der Zusammenhalt", denn die Jagdhornbläser haben den Ruf, eine eingeschworene und doch offene Truppe zu sein. Deswegen sind auch nicht nur Ur-Schriesheimer, sondern auch zwei Mannheimer und ein Viernheimer dabei. Und doch ist dieses Instrument nicht ohne, man muss ohne schnelle Erfolgserlebnisse auskommen: "Das dauert, bis man blasen kann", weiß Bernhard Wachter und auch Filius Patrick weiß aus eigener Erfahrung: "Es wird immer schwerer, je mehr Töne dazukommen." Also doch: viel Üben – und ansonsten "learning by doing". "Wir waren alle ohne besondere Notenkenntnisse", erinnert sich Siegfried Wachter – und daran hat sich in den letzten sechs Jahrzehnten wenig geändert: "Die wenigsten können Noten lesen", sagt sein Sohn Bernhard. Muss man auch nicht, denn bei den Auftritten sind Notenständer tabu (und bei der Jagd sowieso). Kurzum: "Ich weiß, was ich zu spielen habe", so Siegfried Wachter.

Doch eines gibt es praktisch gar nicht mehr, und dabei sind ja die Hörner deswegen da: das Jagdstreckeverblasen, also die musikalische Ehrung der erlegten Tiere. Das gab es früher öfters noch vor der Kirche, wie sich Siegfried Wachter erinnert, aber dann machten Hygienevorschriften dieser Tradition den Garaus. Immerhin gibt es noch die Hubertusmessen, die Reinhold Stief, einst Musiklehrer am Ladenburger Carl-Benz-Gymnasium, 1980 erstmals nach Schriesheim brachte. Im letzten Jahr führten die Jagdhornbläser sie in der Heidelberger Jesuitenkirche auf, zuvor hatte der musikalische Leiter Sven Lörch mit dem Zollstock den Raum akribisch ausgemessen – der erste Auftritt während der Pandemie.

Bei den Jagdhörnern liegt die Verbindung mit den Schützen auf der Hand – und so war es auch vor 60 Jahren. Damals gründete der Schützen-Vorsitzende Hans Hartmann eine Bläsergruppe "aus Repräsentationsgründen", wie Siegfried Wachter weiß. Zu den Männern der ersten Stunde gehörten neben ihm auch Wassermeister Martin Ringelspacher, Günther Wolf und Georg Weber, vor allem aber auch Karl Schmitt, der allerdings 20 Jahre älter als die gerade erwachsen gewordenen Jungspunde war – und deswegen zu einer Art Vaterfigur wurde. Inzwischen erspielten sich die Jagdhornbläser die ersten eigenen Erfolge, sie wurden verstärkt zu Auftritten engagiert – und schließlich lösten sie sich 1970 vom Schützenverein; seit 1994 sind sie ein eingetragener Verein. Seit 1968 nehmen die Musiker an Wettstreiten teil, der größte Erfolg war der zweite Platz beim Bundesfinale 1994 in Donaueschingen. Damals, in der noch handylosen Zeit, war es fast ein Ding der Unmöglichkeit, die frohe Kunde nach Schriesheim zu übermitteln: "Ich musste erst eine Telefonzelle suchen", erinnert sich Bernhard Wachter – und dann folgte ein rauschender Empfang auf dem Festplatz. Auch heute noch "spielen wir in der Oberliga", bilanziert Bernhard Wachter.

Doch eines frustriert die Jagdhornbläser dann doch: Sie sind seit fast drei Jahren, als der "Franke Doktor" seine Pforten schloss, heimatlos: "Das war unser zweites Wohnzimmer", sagt Bernhard Wachter. Und ein Ersatz war bisher nicht zu finden.

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Autor: Rhein-Neckar-Zeitung

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