20.10.2021

Bürgermeisterwahl Schriesheim: Und immer die Frage nach Wilhelmsfeld

Bürgermeisterwahl Schriesheim: Und immer die Frage nach Wilhelmsfeld

Christoph Oeldorf wurde beim Haustürwahlkampf am Sonntagmorgen im „Solaris“ ziemlich freundlich empfangen. Foto: Dorn
Kandidat Christoph Oeldorf war auf Wahlkampftour im Schriesheimer Norden. Dort fehlen Parkplätze und Möglichkeiten für Kleinkinder.

Schriesheim. (max) Es war zwar nicht Christoph Oeldorfs erster Haustür-Termin in diesem Bürgermeisterwahlkampf, aber wohl sein erfolgreichster: "Ich glaube, ab jetzt gehe ich nur noch sonntagvormittags los", freute er sich. Fast jede Tür öffnete sich dem 43-Jährigen im Schriesheimer Norden, und viele der ausgeruhten Anwohner kamen mit Oeldorf ins Gespräch. Bekannt war er schon vielen durch seine Plakate, und eine Dame stellte den Kandidaten ihrem Mann schon als "unser neuer Bürgermeister" vor.

Ein Thema, das viele Schriesheimer zu interessieren scheint: "Wie finden es denn die Wilhelmsfelder, dass Sie inmitten Ihrer Amtszeit das Bürgermeisteramt wechseln wollen?" Die erste Antwort Oeldorfs auf diese Frage: "Wenn sich alle freuen würden, hätte ich wohl viel falsch gemacht." Es gebe schon Leute, die sauer und enttäuscht wären, aber es würde ihm auch viel Verständnis entgegengebracht. Er gibt außerdem zu bedenken, dass man ihn in Schriesheim gefragt habe, ob er kandidieren wolle, und dass er seine Zusage "bestimmt keiner anderen Gemeinde" gegeben hätte.

Durch seine Verbindung zum benachbarten Leutershausen, wo Oeldorf aufwuchs, habe er eine enge Bindung zur Weinstadt, wo er in seiner Jugend viel Zeit verbracht habe. An der Stadt begeistern ihn der Zusammenhalt und das Selbstbewusstsein der Schriesheimer, die auch Menschen von "außerhalb" schnell und herzlich integrieren. Diese Gemeinschaft sei allerdings keine Selbstverständlichkeit und müsse "gehegt und gepflegt" werden. Ein großer Teil, den es dabei zu unterstützen gelte, sei das rege Vereinsleben, aber auch der generelle gesellschaftliche Zusammenhalt müsse gestärkt werden: "Am Ende des Tages soll Schriesheim eine schöne Stadt für alle sein", fand der Kandidat.

Was die Anwohner im dicht bebauten Wohngebiet "Solaris" vor allem umtreibt, ist die Parkplatzsituation. Kaum Stellplätze für Besucher und mit dem Auto schwer zugängliche Grundstücke ärgern die Anwohner, die ihre Einkäufe teilweise mit dem Bollerwagen vom Auto zum Haus transportieren. Eine Hausbesitzerin sagte, dass ihr das Ordnungsamt mitgeteilt habe, dass sie auf dem Leimengrubweg oder dem "Park & Ride"-Parkplatz parken solle. Der Weg sei allerdings nicht beleuchtet, und es gebe keinen direkten Weg in das Wohngebiet, was den Vorschlag für sie mit zwei Kindern zu einer schlechten Alternative machen würde. Oeldorf versprach, wegen der Beleuchtung nachzuhaken, und die Vorsitzende der Schriesheimer CDU, Christiane Haase, die den Kandidaten auf seiner Tour begleitete, kündigte an, das Anliegen in den Gemeinderat zu tragen.

Die gleiche Anwohnerin vermisste außerdem Möglichkeiten für kleine Kinder "bis fünf Jahre", etwas in der näheren Umgebung zu unternehmen. Es gebe durch den Kanzelbach viele Möglichkeiten für ein Verweilen mit kleinen Kindern, die aber von der Stadt nicht genutzt würden: "Zum Beispiel einen Platz am Bach mit einem Sonnensegel, wo die Kinder spielen können", wünsche sie sich. Eine andere Dame beklagte den Zustand der Toiletten in der Strahlenberger Grundschule, die oft arg verschmutzt seien. Haase sagte, dass das Problem bekannt sei, und versprach auch hier, dranzubleiben.

Wie es zur Unterstützung der CDU für ihn kam, wurde Oeldorf ebenfalls gefragt. Da er selbst schon für die Freien Wähler im Hirschberger Gemeinderat gesessen habe, stünde er dem bürgerlichen Lager nah. In einer Kommune wie Schriesheim sollte man aber "Parteipolitik Parteipolitik sein lassen und die Dinge anpacken, um die man sich kümmern muss".

Es gab aber auch Lob für die aktuelle Verwaltung. So sagte ein Bürger, dass er sehr zufrieden mit Ordnungsamt und Bauhof sei, die sich auf Nachfrage immer schnell um Probleme kümmern würden. Als er sich bei der Ordnungsbehörde beschwert habe, dass viele Hundebesitzer ihre "Hundetüten" unter einer bestimmten Laterne deponieren würden, sei dort wenige Tage später ein Mülleimer angebracht worden.

Er freute sich trotzdem über den Besuch und sagte, dass es gerade in einer Kleinstadt wichtig sei, die Kandidaten persönlich kennenzulernen. Andere, die Oeldorf ebenfalls kennenlernen möchten, können auf ihn jeden Samstag an seinem Stand auf dem Schriesheimer Wochenmarkt zukommen.

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Autor: Rhein-Neckar-Zeitung