25.10.2021

Kabarettist Jean-Philippe Kindler löste im Zehntkeller Lachsalven aus

Kabarettist Jean-Philippe Kindler löste im Zehntkeller Lachsalven aus

Er mag Deutschland „umtopfen“, wird sich aber aufgrund seines Erfolgs beim Schriesheimer Publikum kaum aus der Weinstadt verpflanzen lassen: Jean-Philippe Kindler. Foto: Dorn
Unter anderem mit einer neuen Verschwörungstheorie: Merz und Lindner sollen identische Personen sein.

Von Volker Knab

Schriesheim. Jean-Philippe Kindler ist in Schriesheim kein Unbekannter. Der Kabarettist und Poetry-Slammer hat in der Weinstadt schon mehrere heftig umjubelte Auftritte gegeben. Am Freitag trat er mit seinem neuen Programm "Deutschland umtopfen" im Zehntkeller auf. Dabei präsentierte er sich praktisch ausschließlich von seiner kabarettistischen Seite und übte bissige Kritik an Politik und Gesellschaft.

Das Gelächter im Publikum brandete wieder und wieder auf. Stellenweise schien es kaum zu enden. Der Düsseldorfer bot einen deftigen Streifzug durch das Zeitgeschehen sowie "kecke Witze". Kindler schonte keine politische Gruppierung. "Die Parteien kriegen bei ihm immer etwas ab. Er ist dabei aber ausgeglichen, liebe Christiane, liebe Ulrike", hatte Christian Glocker, Vorstand des Kulturkreises Schriesheim, die anwesenden Stadträte, die er im rund 130 Köpfe zählenden Publikum erspäht hatte, in seiner Einführung gleich vorgewarnt. Gemeint waren wohl Christiane Haase (CDU) und Ulrike von Eicke (FDP). Er sollte recht behalten.

Zunächst spießte Kindler die Absurditäten der Pandemie auf. Bei ihm führte das Veranstaltungsverbot in Räumen zu einem Auftritt vor Autos. Beifall sollte durch Hupen ersetzt werden: "Zehn Minuten später kamen sie aber an: Lärmschutz." Lichthupen ginge aber. Am Ende mussten 21 Autos abgeschleppt werden, weil deren Batterien leer waren. Kindlers Streifzug durch die Kuriositäten des Alltags führte zu den eigentlichen Werten im Leben und zu Friedrich Merz. Der bekam immer wieder aufs Neue einen "kecken Witz" ab. Kindler imitierte bestens Tonfall, Mimik und Blick des CDU-Politikers. "Ich habe die Befürchtung, dass die Leute bequem werden im Lockdown", zitierte er Merz. "Warum hat der nicht mit 15 das Kiffen entdeckt?", meinte Kindler. Dann müsse er sich heute nicht mehr über Unsinn aufregen und aussehen wie ein Hamster.

Kindler streifte den neuen Trend zur Hochzeit und fragte, ob die Doppelmoral von Bündnis 90/Die Grünen noch zu toppen sei. Wer traue schon der Harmonie zwischen Robert Habeck und Annalena Baerbock? Zur Hochzeitsschwemme generell bemerkte er: "Die Ehe ist meine liebste Form der Sondierungsgespräche." Sein Kommentar zum Wahlsieg der SPD: "Ich verstehe nicht, wie die die Wahl gewonnen haben. Die waren doch schon tot. Aber nach meiner Theorie sind die wie Jesus." Daneben bot er Gesellschaftskritik. Nicht nur zur Gefährlichkeit von Verschwörungstheorien. Da hat er seine eigene: "Ich glaube nicht, dass Friedrich Merz und Christian Lindner verschiedene Personen sind."

Anhand einer Monopoly-Persiflage verdeutlichte er die Ungleichheit im Land. Die verlogene Verniedlichung dieses Problems brachte ihn zum Schlusspunkt. "18 Prozent der Bevölkerung leben in Deutschland unter dem Existenzminimum. Das ist ein Skandal für so ein reiches Land. Mehr habe ich nicht zu sagen." Stille. Dann rhythmisches Klatschen. Mit einem neueren Poetry-Slam-Stück erinnerte Kindler in der Zugabe an seinen Erfolg beim ersten Slam in der Weinstadt: "Seither begleitet Schriesheim meine Erwerbsbiografie." Bei der Bürgermeisterwahl käme er auf 30 Prozent, scherzte er.

Für den Kulturkreis war es die erste Drinnen-Veranstaltung nach der langen Zwangspause. "Mit rund 130 Gästen sind wir zwar nicht ganz ausverkauft", er sei aber zufrieden, so Glocker: "Finanziell trägt sich das aber nicht." Es galt die 2G-Regel. Aus Sicherheitsgründen war die Zahl der Plätze aber auf 150 begrenzt.

Update: Auch Jean-Philippe Kindler war begeistert:

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Quelle: https://www.instagram.com/jeanphilippekindler

Autor: Rhein-Neckar-Zeitung