16.11.2021

Kinderbetreuung Schriesheim: In der Theorie ist alles in Ordnung

Für jedes Kind gibt es einen Platz. Das größte Problem ist der Mangel an Erziehern. Bisher ist keine Krankheitswelle zu spüren.

Von Micha Hörnle und Max Rieser

Schriesheim. In der heutigen Bergstraßen-Ausgabe ist ein Schwerpunkt die Situation der Kinderbetreuung. Denn die machte in den letzten Monaten Schlagzeilen – beispielsweise durch die Vorwürfe einer Mutter, was die Zustände im Kindergarten "Kunterbunt" angeht (RNZ vom 21. August), oder durch dessen reduzierte Öffnungszeiten (RNZ vom 25. September). Und jetzt beginnt auch, unabhängig von Corona, die Saison der Erkältungskrankheiten.

> Die Plätze: In der Kernstadt gibt es fünf kommunale Kindergärten mit insgesamt 430 Plätzen sowie eine Kindergartengruppe in "AWOs Rasselbande" und den "Purzelzwerg"-Waldkindergarten mit jeweils 20 Plätzen, in Altenbach das Kinderhaus mit 67 Kindergarten- und 20 Hortplätzen. Insgesamt stehen 270 Ganztagesplätze (240 in der Kernstadt und 30 in Altenbach) zur Verfügung. Für 96 Prozent der Schriesheimer Kinder wurde ein Betreuungsbedarf errechnet, also steht grundsätzlich jedem Kind über drei Jahren ein Platz zur Verfügung. Und was ist mit den Kindern unter drei Jahren? 375 gibt es in der Gesamtstadt, für die stehen in den sechs Krippen 162 Plätze zur Verfügung, hinzu kommen drei bei der Tagespflege. Da der errechnete Betreuungsbedarf bei 44 Prozent liegt, ist der durch die vorhandenen Plätze abgedeckt, es gibt hier keine Wartelisten, so das Rathaus auf RNZ-Anfrage. Im Gegenteil: Das Angebot ist größer als die Nachfrage, sodass eine Kinderkrippengruppe der AWO in eine altersgemischte Kindergartengruppe umgewandelt wurde.

Und wie sieht es bei den Schülern aus? Die Kurpfalz-Grundschule ist als Ganztagsschule in Wahlform konzipiert. Bei der Strahlenberger Grundschule gibt es zusätzlich einen Hort, und die Altenbacher Grundschule ist als "verlässliche Grundschule" konzipiert, also mit festen Betreuungszeiten bis in den Nachmittag – also eine Art Hort (momentan noch im Kinderhaus und in Zukunft im umgebauten evangelischen Gemeindehaus).

> Die Planungen: Rathaus und Gemeinderat wollen für bessere Rahmenbedingungen in den städtischen Kindergärten sorgen. Deswegen wurde bereits 2019 mit den Kindergartenleitungen und externen Fachberatern die Arbeitsgruppe "Zukunftsplanung Kinderbetreuung Schriesheim" ins Leben gerufen. Erste Ergebnisse brachte bereits das letzte Jahr: So wurde die Anzahl der Schließtage reduziert, was sowohl für die Eltern als auch für das Personal attraktiv ist. Und für die Kindergartenanmeldung gibt es ein Online-Elternportal, durch das man mit der Einrichtung und dem Rathaus kommunizieren kann. Zeitgleich wurde und wird viel Geld investiert: 2018 eröffnete der neue Hort an der Strahlenberger Grundschule und im letzten Jahr der neu gebaute Kindergarten "Kinderschachtel" in der Hirschberger Straße. In diesem Jahr wurde auch der Neubau des Kindergartens "Kunterbunt" (bisher in der Mannheimer Straße) vom Gemeinderat auf den Weg gebracht, auch das "Wolkenschloss" (bisher in der Conradstraße) muss neu gebaut werden, in den restlichen Einrichtungen stehen Sanierungen an. Aktuell ist die Stelle einer pädagogischen Fachberatung ausgeschrieben, die einrichtungsübergreifend für die kommunalen Kindergärten als zentrale Ansprechperson bei allen pädagogischen Fragen fungieren soll – ein Qualitätssprung in Sachen Kinderbetreuung.

> Die Probleme: Die Stadt sucht ständig nach Erziehern, aber die gibt es kaum: "Aufgrund des Fachkräftemangels sind derzeit nicht alle verfügbaren Stellen besetzt, wodurch die personelle Situation in den kommunalen Kindergärten angespannt ist", heißt es aus dem Rathaus. Das bedeutet für die Beschäftigten noch mehr Arbeit und manchmal für die Eltern empfindlich reduzierte Öffnungszeiten, wie unlängst im "Kunterbunt".

> Was die Einrichtungen sagen: June Arnold von der AWO-"Rasselbande" meint: "Dass um diese Zeit viele krank sind, ist wohl überall so." Dennoch muss die Einrichtung keine Öffnungszeiten reduzieren: "Wir schaffen es noch, alles aufrechtzuerhalten. Wir sind da welche von den Glücklicheren." Für die Kinderkrippe "Postillion" am Schillerplatz sagt Leiter Lukas Pirl: "Vermehrte Krankheiten bei den Kindern haben wir auf jeden Fall." Bei den Erziehern halte es sich aber in Grenzen. Selbst wenn mehr Personal ausfalle, würde der Träger, der "Postillion e.V.", mit einem großen Vertretungspool einspringen und die Lücken schließen. Das habe bisher immer gut geklappt, aber "der Winter geht ja noch eine Weile", gibt Pirl zu bedenken. Im Heinrich-Sigmund-Gymnasium laufe bisher alles normal, berichtet Veruschka Metzger von der Schulleitung. Es würden zwar einige Schüler wegen Erkältung dem Unterricht fernbleiben, das sprenge allerdings nicht das normale Maß und beeinträchtige nicht den laufenden Betrieb. Auch Corona-Fälle gab es bisher keine.

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Autor: Rhein-Neckar-Zeitung