26.11.2021

Bürgermeisterwahl Schriesheim: Oeldorf auf Tour: Die Altstadt hat viele Sorgen

Bürgermeisterwahl Schriesheim: Oeldorf auf Tour: Die Altstadt hat viele Sorgen

Bürgermeisterkandidat Christoph Oeldorf (r.) war zusammen mit Liselore Breitenreicher in der Heidelberger Straße unterwegs – hier im Gespräch mit Andreas Pfeifer vom „HandWerk“. Foto: Dorn
Der Bürgermeisterkandidat hörte sich bei den Bewohnern der Herrengasse um und besuchte die Einzelhändler.

Von Max Rieser

Schriesheim. Es war nicht der günstigste Zeitpunkt, den sich Bürgermeisterkandidat Christoph Oeldorf für seinen Besuch der Einzelhändler in der Altstadt ausgesucht hatte. Als er am Mittwoch um 14 Uhr mit Liselore Breitenreicher von der Bürgergemeinschaft loszog, hatten die meisten Geschäfte gerade Mittagspause. Davon ließ er sich aber nicht aufhalten und hörte sich erst mal die Anliegen und Sorgen der Bewohner der Herrengasse an.

Auch hier war der Start holprig, denn gleich an der ersten Tür, die der Kandidat ansteuerte, hieß es: "Wir können nicht mit Ihnen sprechen, wir haben Corona." Fündig wurde er dann aber doch, denn eine Anwohnerin fasste, stellvertretend für viele andere, einige Probleme zusammen. Zum einen sei da das Pflaster in der kleinen Straße, das für ältere oder gehbehinderte Menschen schnell zur "Stolperfalle" werden könnte: Mal platzen Ecken ab, mal drückt das Wasser im Boden einige Steine nach oben, mal bilden sich Mulden. Bei Krankentransporten würden die Patienten derart durchgeschüttelt, dass man das niemandem zumuten könne. Alles aufzubuddeln und neu zu machen, wäre wohl keine Option, so Oeldorf. Auf längere Sicht wäre für ihn aber ein Pflaster, das dem alten optisch gleiche, von der Oberfläche her aber glatter wäre, denkbar. Was sie außerdem immer wieder ärgere: dass an der Ecke zwischen Herrengasse und Heidelberger Straße oft Autos so parken würden, dass man nicht mehr um die Ecke fahren könne. Oeldorf versprach, sich dieser Problematik schnellstmöglich anzunehmen, sollte er den Einzug ins Rathaus schaffen. Vorstellbar sei an dieser Stelle ein festinstallierter Fahrradständer, der das Parken verhindere.

Ein Ehepaar freute sich sichtlich über den Besuch des Kandidaten: "Ich habe Sie schon vor zwei Wochen gewählt." Wünschen würden sie sich, dass es noch mehr Online-Angebote bei der Verwaltung gebe, um beispielsweise seinen Ausweis zu beantragen. Oeldorf erklärte, dass die Digitalisierung der Verwaltung schon Fahrt aufgenommen habe und es in Zukunft immer mehr Möglichkeiten gebe.

Im "Kaffeehaus" berichtete einer der Inhaber, Andreas Knoth, von seinen Sorgen. Zwei Probleme machten ihm am meisten zu schaffen. Zum einen die "katastrophale Personalsituation", zum anderen die mangelnde Wertschätzung der Arbeit in der Gastronomie. Auch dass das "Kaffeehaus" mit einem zweiten Lokal in Ladenburg und 25 Festangestellten sowie insgesamt 70 Mitarbeitern nicht nur ein "kleines Café", sondern ein wichtiger Wirtschaftsbetrieb sei, würde allgemein nicht anerkannt.

Die Rekrutierung von neuem Personal sei kaum möglich, da die Situation mit Corona aktuell so unsicher sei, dass sich fast niemand zu einem Job in der Gastronomie entschließen würde. Knoth freute sich, dass die Stadt die Miete für die Außenbestuhlung dem Betrieb für 2021 erlassen habe. So ein Zusammenarbeiten mit dem Rathaus, bei dem die Schwierigkeiten der Betriebe erkannt würden, wünsche er sich auch für die Zukunft. Das, versprach Oeldorf, wolle er fortführen. Auch regelmäßige Treffen halte er für wichtig.

Regine Hindorf, die mit "Utes Bücherstube" weit über die Ortsgrenzen "konkurrenzlos" sei, wie der Kandidat sagte, berichtete, dass sich immer wieder Leute für ihr Engagement bedanken und den Wert des Buchladens für die Stadt betonen. Sie sei "zufrieden und froh", in Schriesheim zu sein, da man sich umeinander kümmert. Durch die Belastungen der Pandemie sei sie in letzter Zeit aber auch häufig an die Grenzen des Machbaren gestoßen. Sollte es wieder zu einem Lockdown kommen, sei "die Luft raus". Oeldorf bot an, möglicherweise ein Forum mit anderen Einzelhändlern zu schaffen, um sich auszutauschen. Hindorf gab zu bedenken, dass der Betrieb des Ladens sie so in Beschlag nimmt, dass ein zusätzlicher Termin, und sei er noch so sinnvoll, momentan eine zu große Belastung sei.

Im Einrichtungshaus "Opus" erkannte die Mitarbeiterin den Kandidaten sofort: "Sie sind ja auf jedem Plakat", sagte sie. Da die Inhaberin Ingrid Bosselmann-Weinland nicht da war, wurde ihm nur berichtet, dass alles gut laufe und "fast alle Kunden" unaufgefordert ihren Impfnachweis zeigen.

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Autor: Rhein-Neckar-Zeitung