04.12.2021

Die BUND-Ortsgruppe ist jetzt Geschichte

Sie hat sich aufgelöst. Es gab zu wenig allgemeines Engagement. Nun ist der Regionalverband zuständig.

Von Maria Stumpf

Schriesheim. Sie kümmern sich um die nachhaltige Entwicklung von Stadt und Umland. Sie beschäftigen sich mit Amphibien- und Reptilienschutz, sind in der Landschaftspflege aktiv oder helfen mit ihrem Fachwissen bei privaten und öffentlichen Anfragen zum Thema Umweltschutz: Die Rede ist von den Mitstreiterinnen und Mitstreitern im Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND). Jetzt ist – zumindest offiziell – Schluss damit in der Weinstadt. Der Vorstand beschloss einstimmig die Auflösung der Ortsgruppe Schriesheim.

Vor rund 40 Jahren wurde die Ortsgruppe gegründet, Helke Hubrich ist seit über 30 Jahren Erste Vorsitzende, rund 100 Menschen stehen in der Mitgliederkartei. Gibt es denn nichts mehr zu tun in Schriesheim? "Doch, recht viel. Aber ich will es nicht mehr machen", gibt Helke Hubrich in der jüngsten Mitgliederversammlung in der Taverne Mykonos bekannt. Außer ihr sind die anderen Vorstandsmitglieder da, sonst niemand. Stellvertreter Eric Steck, Thomas Zwipf sowie Anne und Bernd Massner schließen sich Hubrich an beim Tagesordnungspunkt Wahlen – damit ist die Ortsgruppe aufgelöst.

Das Problem: "Unsere Mitglieder treten immer mehr nur punktuell in Erscheinung und immer weniger im Gesamtengagement", bedauern sie alle: "Früher gab es viel mehr Bereitschaft, sich zu einzubringen." Von einer "Event-Gesellschaft" spricht Thomas Zwipf. "Bei den Krötenwanderungen gibt es genug Helferinnen und Helfer. Aber sonst bleibt die Arbeit bei wenigen hängen", meint er. Zusammen erinnern sich die fünf gern an spektakuläre Einsätze der Ortsgruppe. Etwa bei der Sanierung der Branichstaffel, der Versetzung der Madonnenberghütte oder bei Streuwiesenaktionen. Hoffnung mache ganz allgemein "Fridays for Future" als Bewegung von jungen Leuten, die sich für einen möglichst schnellen, umfassenden und effizienten Klimaschutz einsetzen: "Bei Bedarf können die Strukturen eines Ortsverbands sofort wiederbelebt werden", betont Helke Hubrich auch deshalb. "Wir machen bewusst Platz für Jüngere und bleiben beratend dabei, wenn es gewünscht wird." Organisatorisch werden die Schriesheimer nun vom BUND-Regionalverband Rhein-Neckar-Odenwald mitbetreut.

In ihrem letzten Rechenschaftsbericht geht die Vorsitzende noch kurz auf aktuelle Schriesheimer Themen ein. Die Bürgerinitiative gegen das mögliche "Neubaugebiet Süd" – angrenzend an das Wohngebiet "In den Fensenbäumen" Richtung Dossenheim – habe um eine BUND-Stellungnahme gebeten. "Das ist weder Landschafts- noch Vogelschutzgebiet. Ich sehe rechtliche Schwierigkeiten, eine Bebauung zu verhindern", schätzt Helke Hubrich: "Das muss ich denen leider sagen." Kopfzerbrechen bereiten ihr Zäune um Schrebergärten unterhalb des Madonnenbergs, wo mehr und mehr Fläche für Obstbäume verloren gehe. "Und zu Kinderspielplätzen mit Rutschen mutieren", fügt Anne Massner hinzu.

Kritisch werten die BUND-Mitglieder auch eventuelle Plangebiete für Solar-Parks über Ackerflächen der Region in Richtung Autobahn. Es seien genug Haus- und Scheunendächer da, die für Fotovoltaik geeignet sind. Das sei unnötiger "Flächenfraß" fruchtbarer Böden: "Die brauchen wir als Lebensraum für Tiere und zur Produktion von Lebensmitteln." Als Zukunftsthema für den BUND auch in Schriesheim bezeichnet die ehemalige Ortsgruppen-Vorsitzende außerdem die Lichtverschmutzung – also die Aufhellung des Nachthimmels durch künstliche Lichtquellen.

Sie plädiert zum Beispiel für mehr insektenschonende Leuchtmittel im Straßenbild, den Einbau von Zeitschaltuhren und Bewegungsmeldern und überhaupt für eine sparsame Verwendung von Außenbeleuchtung – besonders in der Nähe von insektenreichen Lebensräumen. "Diese Nachtretter-Aktion des BUND wird ein Thema für den nächsten Vorstand. Wenn es weitergehen sollte in der Stadt", hofft Helke Hubrich.

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Autor: Rhein-Neckar-Zeitung