04.12.2021

Finden die Wunschzettel wieder reißenden Absatz?

Finden die Wunschzettel wieder reißenden Absatz?

Alexandra Stahl, Christine Söllner und Helena Weber hoffen, dass sich auch in diesen wirren Zeiten viele Schriesheimer – sowohl in der Rolle der Schenkenden als auch in der der Beschenkten – an der Aktion beteiligen. Foto: D
Ab dem Nikolaustag können Bürger wieder Wünsche vom Baum vor dem Rathaus pflücken.

Von Max Rieser

Schriesheim. Wie schon in den vergangenen beiden Jahren soll auch dieses Jahr die Schriesheimer Wunschbaum-Aktion wieder denen Weihnachtsfreude schenken, die aus eigener Kraft kein Fest mit zahlreichen Geschenken stemmen können. In einer gemeinsamen Initiative der SPD-Gemeinderatsfraktion, der Bürgerbeauftragten Barbara Schenk-Zitsch, dem Integrationsmanagement und dem Sozialamt unter der Leitung von Christine Söllner soll es Kindern aus einkommensschwachen Familien ermöglicht werden, trotz ihrer Lage einen segensreichen Heiligen Abend zu feiern.

Ab sofort können die Familien, die sich in einer "finanziell schwierigen Situation befinden", einen Wunschzettel im Vorraum des Rathauses, im Begegnungszentrum "Mittendrin" oder in der Stadtbücherei abholen. Darauf kann dann der Wunsch im Wert von maximal 20 Euro anonym notiert und im Briefkasten des Rathauses eingeworfen werden, erklärt der SPD-Landtagsabgeordnete und Fraktionsvorsitzende der Sozialdemokraten im Gemeinderat, Sebastian Cuny.

Wohlmeinende Schriesheimer Bürger kommen dann ab dem 6. Dezember, dem Nikolaustag, zum Zuge. Von diesem Tag an steht ein Weihnachtsbaum vor dem Rathaus, er wird mit den Wunschzetteln bestückt sein. Wer gern etwas spenden möchte, kann sich einen Zettel mitnehmen, den Wunsch eines Kindes besorgen und das Geschenk bis Freitag, 17. Dezember, im Rathaus abgeben.

In den letzten Jahren seien den Helfern die Wunschzettel buchstäblich aus den "Händen gerissen worden, bevor wir sie überhaupt richtig aufhängen konnten". So freut sich auch Sozialamtsleiterin Söllner sehr über die große Teilnahme der Schriesheimer. Durch die "beeindruckende Spendenbereitschaft" sei es möglich, Kindern in Not ein schönes Weihnachten zu bescheren. Not gebe es auch in der Weinstadt, selbst wenn man sie kaum zu Gesicht bekomme.

Für die Mitarbeiterinnen im Rathaus beginnt die Arbeit dann erst so richtig. Alle Pakete müssen den Wunschzetteln zugeordnet werden. Danach müssen die Namen entfernt werden, damit nicht jeder sehen kann, wer sich für eine Spende beworben hat. Denn das Schamgefühl sei bei vielen gewaltig, auch wenn sie ganz ohne eigenes Zutun in eine missliche Lage geraten sind. Integrationsmanagerin Helena Weber gibt zu bedenken, dass es für Familien sehr belastend sein kann, sich keine Geschenke für ihre Kinder leisten zu können. Schön fände sie es, wenn die Schriesheimer auch in "diesen herausfordernden Zeiten zusammenhalten."

Schenk-Zitsch ist begeistert von dem SPD-initiierten Projekt. "Es macht jedes Jahr Freude, die Päckchen zu verteilen", berichtete sie. Den größten Respekt habe sie vor den Mitarbeiterinnen der Sozialstation, die die meiste Arbeit damit hätten: "Es kostet wirklich viel Mühe, die Wünsche zu anonymisieren und die Pakete zu packen." Schämen müsse sich aber niemand dafür, die Hilfe anzunehmen.

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Auf den Zetteln steht, was die Kinder gern zu Weihnachten hätten. Schriesheim

Autor: Rhein-Neckar-Zeitung