04.12.2021

Oeldorf grenzt sich scharf von den Rechtspopulisten und ihrer "Umarmung" ab

Oeldorf grenzt sich scharf von den Rechtspopulisten und ihrer "Umarmung" ab

Der designierte Bürgermeister verurteilt Rassismus und will sich "nicht von der AfD instrumentalisieren lassen".

Schriesheim. (hö) Im Bürgermeisterwahlkampf wurde der Kandidat Christoph Oeldorf gelegentlich mit dem Vorwurf konfrontiert, er grenze sich nicht scharf genug gegen Rassisten ab, die seine Mitbewerberin Fadime Tuncer anfeindeten. Nun meldet sich Oeldorf in einem Gespräch mit der RNZ zu Wort – gerade angesichts der von Tuncer angestoßenen Debatte, dass sie als "die Fremde" die Wahl verloren habe. Im Grunde war das auch für ihn Anlass, sich zu äußern – auch wenn er als frischgebackener Vater ganz andere Sorgen hätte. "Ich mache mir Sorgen um die Zukunft, wenn diese Debatte so weitergehen sollte. Es wäre kein guter Neuanfang, und man kann auch nicht die politischen Gräben zuschütten – so es die denn geben sollte –, wenn die Lagerkämpfe weitergehen." Er spreche auch "kein Machtwort", wie in einem Leserbrief in der gestrigen Freitagsausgabe gefordert, sondern äußere "lediglich die Bitte, sich an einen Tisch zu setzen". Insofern begrüßt er auch das Angebot der Grünen-Liste-Fraktionsspitze zur Zusammenarbeit. Er werde "die ausgestreckte Hand ergreifen, denn darum geht es ja: dass man die Zukunft gemeinsam gestaltet". Und deswegen werde er "zeitnah mit allen politischen Kräften das Gespräch suchen".

Zweiter Grund für Oeldorfs Wortmeldung ist auch der Beitrag der AfD im Mitteilungsblatt, in dem sie Oeldorf gratuliert und seinen Sieg als einen "Beleg für das weiterhin bestehende Übergewicht der bürgerlichen Kräfte in Schriesheim" feiert, zu denen sich diese Partei offenbar zählt.

Oeldorf distanziert sich gegenüber der RNZ "eindeutig von allen Radikalen". Er nehme es "in keinster Weise hin, wenn irgendjemand wegen seiner Religion, seiner Herkunft oder seines Geschlechts diskriminiert, verunglimpft oder gar angefeindet" werde. Parteipolitisch vereinnahmen lasse er sich nicht: "Ich arbeite ausschließlich zum Wohle der Stadt und ihrer Bürger auf der Basis der Gesetze und der Entscheidungen der gewählten Gremien der Stadt." Und so werde "jeder Versuch der AfD, mich durch die sprachliche Hintertür zu instrumentalisieren, immer fehlschlagen".

"Die AfD zählt nicht zu meinen Unterstützern"

Er habe Gespräche mit AfD-Vertretern immer abgelehnt, sie zählen auch "nicht zu meinen Unterstützern". Er selbst möge den Begriff "bürgerlich" als Bezeichnung für eine Parteifamilie nicht, denn er sei zu "unscharf" – und schließlich sind auch Sozialdemokraten, Grüne oder Linke genauso "Bürger". Aber selbst wenn man den Begriff "demokratische Mitte" für seinen Unterstützerkreis wähle, steht für Oeldorf fest: "Dazu gehört die AfD nach meinem Verständnis nicht."

Der von der "AfD-Watch Heidelberg" publik gemachte Facebook-Glückwunsch von Jan Spatz, der auch die AfD-Gratulation im Mitteilungsblatt unterschrieben hatte, erklärt er damit, dass er Jan Spatz gar nicht kenne, und er habe standardmäßig allen Glückwünschen gedankt, "ich habe die vorher nicht politisch gescreent". "Jeder hat das Recht, mir zu gratulieren, aber wenn man versucht, mich so zu vereinnahmen, da ist ,ärgerlich’ noch ein zu vornehmer Ausdruck". Bisher hat er in den Kommunen, in den er politisch tätig war – sei es als Gemeinderat in Hirschberg (2014 bis 2017) oder als Bürgermeister in Wilhelmsfeld (ab 2017) keine Erfahrungen mit der AfD im Gemeinderat gemacht – was sich aber für ihn in Schriesheim ändern dürfte.

Zum Umgang mit ihrem Vertreter Thomas Kröber sagte Oeldorf: "Er ist ein gewähltes Mitglied des Gemeinderates, aber ich werde es nicht zulassen, dass er den Gemeinderat zur Bühne von politischen Abstrusitäten macht." Sollte sich Kröber zu Sachfragen äußern, sei das in Ordnung, aber der Gemeinderat sei "nicht das Gremium, um sich bei bundespolitischen Themen zu profilieren". Zumindest nutzte Kröber gelegentlich sein Rederecht, um gegen die Coronapolitik der Bundes- und Landesregierung oder gegen die Zuwanderung zu polemisieren.

Und warum grenzt sich Oeldorf erst jetzt von den Rechtspopulisten ab? Erstens habe er sich bereits vorher "bei einigen Gelegenheiten distanziert", und zweitens "habe ich keinen Anlass dazu, denn ich weiß, dass ich nicht in dieser politischen Ecke stehe". Der Versuch, ihn da hineinzudrängen, war "klar eine Sache des Wahlkampfs", aber nun gelte das Motto: "Ich lasse mich an meinem Handeln messen."

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Autor: Rhein-Neckar-Zeitung