10.12.2021

Gibt es auch 2022 keinen Mathaisemarkt?

Gibt es auch 2022 keinen Mathaisemarkt?

Zum Termin des nächsten Mathaisemarkts soll es wieder eine Krönung der Weinhoheiten geben – aber nicht, wie hier am 6. März 2020, im Festzelt. Foto: Dorn
Ein großes Volksfest wird es wohl nicht geben. Möglicherweise aber einen "Ersatz" mit Kultur und vielleicht auch dem Rummel.

Von Micha Hörnle

Schriesheim.Noch bleibt offen, in welcher Form es im nächsten Jahr einen Mathaisemarkt gibt. Bei der Sitzung des Markt- und Kulturausschusses am Mittwochabend war klar: So, wie man das Fest kennt, wird es auch 2022 nicht gefeiert werden. Die Frage ist eher, wie ein Ersatz aussehen soll. Ausgeschlossen ist, dass es ein Festzelt geben wird. Und da die Vereine bereits vor einem Monat abgelehnt haben, einen Umzug ohne richtiges Fest zu machen, wird es den wahrscheinlich auch nicht geben. Fast sicher hingegen sind die Krönung der neuen Weinhoheiten im kleinen Rahmen, die Einbeziehung der Straußwirtschaften und eine Kunstausstellung; etwas unsicherer ist ein Rummel, vielleicht auch mit Biergarten. Aber alles unter Vorbehalt: Die Corona-Lage und die Verordnungen müssen es zulassen. Die RNZ fasst den Stand der Diskussion zusammen.

> Der Beschluss: Bürgermeister Hansjörg Höfer verlas folgenden Beschluss am Ende der Sitzung: "Einen Mathaisemarkt, wie wir ihn kennen, kann nicht durchgeführt werden. Die Möglichkeit für einen Vergnügungspark wird zu gegebener Zeit geprüft." Die Gastronomie, zu der auch die Straußwirtschaften zählen, aber auch eine Kunstausstellung seien unproblematisch. Die Krönung sei allein Sache der Winzergenossenschaft. Aber klar sei, dass es "ein großes Volksfest so nicht geben wird".

> Die derzeitige Rechtslage und die Vorlaufzeit: Die ist eindeutig – und wurde von Ordnungsamtsleiter Achim Weitz so zusammengefasst: "Stand heute, sind Volksfeste bis zum 31. Dezember verboten." Auch für die folgenden Monate erwartet Weitz "keine wesentlichen Verbesserungen". Aber das wisse man eben nicht. Klar sei hingegen, dass man spätestens "zum jetzigen Zeitpunkt mit den Vorarbeiten für einen normalen Mathaisemarkt beginnen müsste". Die Vorlaufzeit für einen Rummel sei deutlich kürzer, damit könne man ab Januar, spätestens im Februar beginnen.

> Das Festzelt: Das wird es so nicht geben – sei es wegen der Corona-Lage dann im Frühjahr, sei es wegen der Angst vieler Gäste, sich inmitten der Massen anzustecken. Und wirtschaftlich sei auch ein kleineres Festzelt nicht zu stemmen. Daher plädierte Festzelt-Wirtin Ilona Böhm, ganz darauf zu verzichten, eventuell sei ein Biergarten möglich.

> Die Krönung: Für den Geschäftsführer der Winzergenossenschaft, Manuel Bretschi, stand fest: "Eine Krönung muss sein." Stadträtin Fadime Tuncer (Grüne Liste) brachte eine Veranstaltung "vor geladenen Gästen" ins Spiel, Lisa Hartmann (CDU) präzisierte: geladene Gäste im Zehntkeller, ansonsten – wie bei der Vorstellung der Bürgermeisterkandidaten – eine Online-Übertragung: "Das bringt Masse und Wertschätzung."

> Der Festzug: Der ist im Grunde schon passé, weil erstens bereits die Fastnachtsumzüge drei Wochen vorher abgesagt wurden – und weil unter den Vereinsvertretern Einigkeit herrscht, den Festzug bei einer Ersatzveranstaltung, die vielleicht noch nicht einmal Mathaisemarkt heißt, ausfallen zu lassen. Endgültige Klarheit soll ein Treffen am 19. Januar bringen – was auch der absolut letzte Termin für dann folgende Wagenbauarbeiten oder für die Kostüme wäre.

> Der Vergnügungspark: Auch der steht auf der Kippe, sollte es weiterhin ein Verbot von Volksfesten geben. Aber immerhin ist er wahrscheinlicher als das Festzelt, da im Freien. Hier ließe sich auch ein Biergarten integrieren. Eine endgültige Entscheidung soll erst spätestens im Februar fallen.

> Straußwirtschaften: Derzeit sind sie, da sie als gastronomische Betriebe gelten, relativ ungefährdet.

> Kunst und Kultur: Auch hier sieht es im Moment noch gut aus, die Corona-Verordnungen erlauben Ausstellungen und kleinere Veranstaltungen.

> Wie die Ersatz-Veranstaltung heißen soll: Böhm schlug als Namen "Eiszeit-Markt" vor, Fadime Tuncer "Frühlingsfest", Renate Hörisch-Helligrath (SPD) "Märzfest" und Marktmeisterin Ariane Haas-Bruch "Mandelblütenfest". Keinesfalls, so sagte auch Liselore Breitenreicher (Bürgergemeinschaft), sollte es "Lightversion" Mathaisemarkt heißen. "Das würde die Marke beschädigen", fand Renate Hörisch-Helligrath (SPD). Der ehemalige Leiter der KSV-Box-Abteilung, Werner Kranz, schlug vor, über ein Motto nachzudenken, fand aber, dass der Mathaisemarkt drin vorkommen soll – was aber auf Widerstand traf. Ulrike von Eicke (FDP) regte an, dazu könnte es auch einen Wettbewerb unter der Bevölkerung geben.

> Die Diskussion im Ausschuss: Es waren neben den Stadträten die wichtigsten Akteure des Mathaisemarktes versammelt: Festzeltwirtin Ilona Böhm, für die Schausteller Marktmeisterin Ariane Haas-Bruch, Christiane Majer und Philipp Wehweck als Vertreter der Straußwirtschaften, Sophie Koch als Verantwortliche für die Krönung, der ehemalige KSV-Abteilungsleiter Boxen, Werner Kranz, und sein Nachfolger, Okan Sezer (wegen der Box-Matinee), Dieter Weitz und Gabriele Mohr-Nassauer für den Kulturkreis, Rolf Edelmann vom BdS wegen des Gewerbezelts und der Mittelstandskundgebung (mittlerweile beides abgesagt), Manuel Bretschi von der Winzergenossenschaft und nicht zuletzt der designierte Bürgermeister Christoph Oeldorf.

Bürgermeister Höfer erinnerte an die letzte Diskussion in diesem Ausschuss, als es vor sieben Monaten um die Neuausrichtung des Festes ging – und er brach eine Lanze für die Jugendlichen, die auch ein Recht zu Feiern und zum Poussieren hätten: "Es wurden viele Ehen geschlossen, nachdem sich die Leute auf dem Mathaisemarkt kennengelernt hatten." Und er erinnerte daran, dass man noch im September hoffnungsvoll für eine halbwegs normale Ausgabe des Festes geplant hatte; doch dann kam der November mit dem Verbot von Volksfesten: "Ob das im nächsten Jahr noch gilt, weiß keiner. Verordnungen kommen und gehen über Nacht", so Höfer. Die Corona-Entwicklung in Schriesheim stimme jedenfalls nicht optimistisch.

Marktmeisterin Haas-Bruch plädierte leidenschaftlich dafür, dass bei dieser Sitzung "noch keine Entscheidung fällt", also konkret: dass der Mathaisemarkt 2022 nicht komplett abgesagt wird. Sie habe auch in der Pandemie viele Erfahrungen mit Veranstaltungen gesammelt und sei für alles gewappnet. "Bitte denkt auch an den Berufsstand, der dahinter steht", appellierte sie. Festzelt-Wirtin Böhm war kategorischer: "Es ist unsinnig, ein Zelt dieser Größe hinzustellen. Die Leute sind ja auch schon 2020 aus Angst zu Hause geblieben." Und ein kleineres Zelt sei wirtschaftlich nicht tragfähig. Dem konnte BdS-Chef Rolf Edelmann "nur zustimmen". Er wisse es ja selbst: Allein sein Gewerbezelt kostet 50.000 Euro, ein kleineres sei auch kaum günstiger; und dann würden auch noch die Aussteller wegbleiben – oder würden wegen größerer Abstände so wenige sein, dass sich alles nicht mehr lohne: "Wir bräuchten mindestens 40 Aussteller, mit 20 ist das nicht zu finanzieren." Auch eine Mittelstandskundgebung im kleinen Rahmen sei nicht machbar, für 200 Zuhörer bekomme er keine Spitzenpolitiker.

Und doch: Alle Stadträte waren sich einig, das Fest nicht ganz abzusagen: "Das wäre so perspektivlos, das nimmt jede Hoffnung", meine Mohr-Nassauer. Werner Kranz war gegen eine Ersatzveranstaltung im Sommer, die auch ins Spiel gebracht wurde: "Das funktioniert nicht."

Der gewählte Bürgermeister Christoph Oeldorf war froh, "dass man einen Konsens gefunden hat und sich Gedanken gemacht hat, etwas anbieten zu können".

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Gibt es auch 2022 keinen Mathaisemarkt?-2
Marktmeisterin Ariane Haas-Bruch. Foto: Dorn

Gibt es auch 2022 keinen Mathaisemarkt?-3
Festzelt-Wirtin Ilona Böhm. Foto: Dorn

Autor: Rhein-Neckar-Zeitung