30.12.2021

Segen der Sternsinger kommt kontaktlos in die Häuser

Die Sternsinger ziehen durch die Orte und achten auf die Hygienemaßnahmen.

Von Sabrina Lehr, Lukas Werthenbach und Christoph Moll

Region Heidelberg. Wie kommt der Segen an und in die Häuser der Region? Diese Frage ist in Pandemie-Wintern alles andere als leicht zu beantworten. Denn Kontaktbeschränkungen, Hygienemaßnahmen und Co. machen auch vor den Sternsingern nicht Halt. Anfang 2021 blieben viele zu Hause. Ob und wie die Weisen aus dem Morgenland nun in der Region unterwegs sind, hat die RNZ bei den katholischen Kirchengemeinden rund um Heidelberg nachgefragt.

> In der Seelsorgeeinheit Leimen-Nußloch-Sandhausen ist es den einzelnen Pfarrgemeinden selbst überlassen, wie sie die Sternsinger-Aktion umsetzen, erklärt der Leitende Pfarrer Arul Lourdu. "In Leimen und St. Ilgen werden bei allen Haushalten, die wir im Vorjahr besucht haben, Informationen zum Spenden und Aufkleber für die Haustür in den Briefkästen eingeworfen." Im Leimener Stadtteil Gauangelloch wiederum seien die Sternsinger klassisch "von Haus zu Haus" unterwegs. Zusätzlich werde auch hier per Post für eine kontaktlose Spende auf die Möglichkeit einer Überweisung hingewiesen. Bei Bedarf sei auch eine Übergabe der Spende an die Sternsinger möglich, zum Beispiel in einer "Spendentüte". In Nußloch können sich Anwohner, die einen Besuch der Sternsinger samt Segen fürs eigene Haus wünschen, im zuständigen Pfarramt dafür anmelden. Angemeldete erhalten dann auch per Post die Informationen zur Überweisung einer Spende.

Kreativ wird es in Sandhausen: In der dortigen Dreifaltigkeitskirche stehen lebensgroße Puppen als Sternsinger verkleidet, die insbesondere Gottesdienstbesucher auf die Aktion aufmerksam machen sollen. "Dort liegen auch Informationen zur Spende, gesegnete Aufkleber und Kreide für die eigene Haustür aus", so Lourdu. Dies sei spätestens ab dem 2. Januar der Fall. Derartiges Material könne zusätzlich auf Nachfrage bei den Pfarrämtern ausgehändigt werden. Und der Pfarrer ergänzt: "Wenn jemand einen persönlichen Besuch von mir wünscht, ist das auf Nachfrage auch möglich."

> In der Seelsorgeeinheit Neckar-Elsenz werden vom 2. bis 6. Januar weit über 100 Sternsinger von Tür zu Tür ziehen, wie Pfarrer Tobias Streit berichtet. Lediglich in einer der 13 Gemeinden – in Waldhilsbach – hätten die Verantwortlichen die Aktion wegen der Corona-Lage abgesagt. Ob und wie die Sternsinger aktiv werden, sei jeweils vor Ort entschieden worden. "Wir hatten dazu ein Austauschtreffen mit allen Verantwortlichen", berichtet der Pfarrer. "Ich habe alle ermuntert, aber es wurde niemand gezwungen." Die Corona-Verordnung lasse die Aktion ausdrücklich zu. Der Pfarrer ist froh über die große Beteiligung. Wichtig sei, dass die Strukturen in der Organisation nun wieder greifen. Noch Anfang 2021 waren in der Seelsorgeeinheit keine Sternsinger unterwegs. In den meisten Gemeinden würden die Sternsinger nun an den Türen klingeln und auch vor diesen bleiben. In die Häuser gehen sie nicht. Doch es gibt auch Alternativen. So wurden Segensumschläge mit Aufklebern gepackt, die auch in Läden ausliegen. "Die Sternsinger sind präsent", betont Streit.

> In der Seelsorgeeinheit "St. Hildegund im Steinachtal" findet keine Sternsingeraktion in Präsenz statt, wie Pfarrer Karlheinz Gaiser erklärt: "Das ist uns zu riskant." Auch seien die traditionellen Mittagspausen mit gemeinsamem Essen für die Sternsinger nicht möglich: "Wir können die Kinder und Jugendlichen ja nicht ohne Pause durch die Kälte laufen lassen." Daher liegen in den Kirchen in Schönau, Wilhelmsfeld und Heiligkreuzsteinach gesegnete Aufkleber für die Haustüren aus: "Die kann sich jeder gegen eine kleine Spende für die Sternsinger mitnehmen", so Gaiser. Zusätzlich seien die Aufkleber im Pfarrbüro erhältlich. Gottesdienste zur Sternsingeraktion sollen in allen drei Kirchen am Dreikönigstag, 6. Januar, stattfinden.

> In der katholischen Kirchengemeinde Eppelheim sollen – sofern Corona-Regeln von Bund, Land oder Erzdiözese nicht doch noch dazwischenfunken – am 6., 8. und 9. Januar insgesamt 44 Kinder zwischen acht und 17 Jahren als Sternsinger durch die Stadt ziehen und den Segen an die Häuser bringen. Erst im Eppelheimer Süden, dann im Norden und schließlich im Westen der Stadt. So weit, so normal. Doch ohne besondere Corona-Maßnahmen kommen die Sternsinger laut Organisator Bernd Hönig natürlich nicht aus. "Die Häuser werden in zwölf Gruppen besucht, die auch kompakt zusammenbleiben", so Hönig. In die Häuser gehen die Sternsinger nicht. Der Segen wird wahlweise mit Kreide an die Tür geschrieben oder als Aufkleber angebracht – Kreide und Aufkleber wurden vorab im Gottesdienst gesegnet. Neben der Krone gehört die Mund-Nasen-Bedeckung in Corona-Zeiten ohnehin zur "Arbeitskleidung" der Sternsinger.

Bei der Spendensammlung behelfen sich die Kinder, die sich vorab jeweils per Schnelltest auf eine Corona-Infektion testen, mit einem Trick: Wie Hönig erklärt, wurde an einen Besenstiel ein Säckchen angebracht, in das Spenden geworfen werden können. Und apropos Säckchen: Im vergangenen Jahr packte die katholische Kirchengemeinde anstelle der ausgefallenen Sternsingeraktion "Segenstütchen", die die Gläubigen in der Kirche mitnehmen konnten. Das soll in diesem Jahr in gleicher Form zwar nicht wiederholt, die Aufkleber aber dennoch wieder für Interessierte in der Kirche ausgelegt werden.

> In der Seelsorgeeinheit Schriesheim-Dossenheim sind die Sternsinger vom 2. bis zum 5. Januar unterwegs – und zwar mit über 40 Kindern zu mehr als 200 vorab angemeldeten Haushalten. Die Voranmeldung ist Gemeindeassistent Laith Mtity zufolge der Corona-Pandemie geschuldet – ebenso wie eine weitere Maßnahme: "Die Kinder werden möglichst in Gruppen mit Geschwistern oder Freunden eingeteilt." So sollen übermäßige Kontakte vermieden werden. Wenn die Sternsinger zu den Haushalten kommen, haben sie Tütchen dabei. Darin: Ein Segensaufkleber, geweihte Kreide, Weihrauch, Kohle und Informationen zur Sternsingeraktion. Diese Tütchen sollen auch zur Mitnahme in der Kirche ausgelegt werden – damit auch Nicht-Angemeldete den Segen empfangen können.

In die Häuser gehen die vorab auf Corona getesteten Kinder nicht, bei Bedenken der Besuchten wird auf das Singen verzichtet. Und, wo notwendig, tragen die Sternsinger zudem Masken. Die "allermeisten" Kinder sind Mtity zufolge indes geimpft, die sie begleitenden Erwachsenen alle immunisiert. "Der Sinn der Sternsinger ist, dass Kinder anderen Kindern helfen", erklärt der Gemeindeassistent. "Das geschieht nicht, wenn Menschen krank werden." Daher sei das oberste Gebot, dass alle gesund bleiben – auch wenn dieses Ziel während der Pandemie einiges mehr an Aufwand erfordert als zu normalen Zeiten.

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Autor: Rhein-Neckar-Zeitung