28.01.2022

Etwas Abschied musste doch sein

Spontan sagte der Gemeinderat Hansjörg Höfer gestern adieu

Etwas Abschied musste doch sein

Ganz ohne irgendeine Verabschiedung wollte der Gemeinderat Bürgermeister Hansjörg Höfer doch nicht aus dem Amt scheiden lassen. Die "große Sause", eigentlich für gestern Nachmittag in der Mehrzweckhalle geplant, musste pandemiebedingt verschoben werden (RNZ vom 20. Januar). Die Idee dazu hatte Alt-Stadtrat Robert Hasenkopf, der nicht nur seinen alten Freund und Gefährten Höfer ehren wollte, sondern auch "ein paar Leute zusammenbringen", wie er später der RNZ sagte. "Wer weiß, wann die offizielle Verabschiedung ist. Das Emotionale ist aber dann nicht mehr da." Es gehe auch nicht darum, Höfers Amtszeit politisch zu bewerten, es ging Hasenkopf an diesem Nachmittag "um den Menschen Höfer", den man ehren wolle. Denn der war nicht nur 16 Jahre Bürgermeister, sondern insgesamt 38 Jahre in der Kommunalpolitik "an vorderster Front für Deine Heimatstadt aktiv", so Hasenkopf in seiner kurzen Rede.

Die improvisierte Verabschiedung sollte für Höfer eine Überraschung sein – und das war sie auch. Höfer machte gerade seine Abschiedsrunde durchs Rathaus, als er mitbekam, dass sich rund 50 Bürger, darunter etliche Alt-Stadträte wie Friedrich Ewald, Heinz Kimmel, Gisela Reinhard oder Birgit Arnold, vor dem Rathaus versammelt hatten. Dort angekommen, wandte er sich durchaus bewegt an die Anwesenden, darunter auch viele Rathausmitarbeiter: "Wir sind immer mehr als Team zusammengewachsen." Und nun verlasse er diese Gemeinschaft. Ihm war es wichtig, dass man sich auch in der Kommunalpolitik trotz aller Auseinandersetzungen, menschlich schätzt "und auch zusammen mal einen Wein trinkt". Da passte es auch gut, dass Höfer, als er auf dem Rad unterwegs war, zufällig in der Ladenburger Straße den langjährigen Ordnungsamtsleiter Edwin Schmitt traf – beide hatten sich "jahrelang nicht mehr gesehen". Und Schmitt wünschte ihm "einen schönen letzten Arbeitstag". Der ist erst am Montag.

Gemeinsam habe die Stadtverwaltung mit dem Gemeinderat "vieles geschafft und geschaffen", und Schriesheim, so sagte es auch Hasenkopf, "Schriesheim weiterentwickelt". Ein besonderer Dank Höfers ging an seine Familie ("Ihr habt es nicht immer einfach gehabt mit mir"), dann begann auch schon der gesellige Teil – vollkommen "unschriesheimerisch" ohne einen Tropfen.

Bei dieser Gelegenheit verabschiedete Freie-Wähler-Stadtrat Bernd Hegmann Margit Höhr, die als Höfers langjährige Vorzimmerdame mit ihrem Chef in den Ruhestand geht. "Ein Bürgermeister ist immer nur so gut wie sein Vorzimmer. Sie waren immer für uns da", sagte Hegmann – und Höhr habe für ihre Nachfolgerin "die Messlatte hoch gelegt". (hö)

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Autor: Rhein-Neckar-Zeitung