09.02.2022

Mathaisemarkt erneut ganz abgesagt

Anders, als noch im Dezember gedacht, ist auch kein Rummel möglich.

Von Micha Hörnle

Schriesheim. Ganz überraschend kam diesen Dienstag um exakt 16.30 Uhr die Pressemitteilung aus dem Rathaus nicht: Der Mathaisemarkt ist endgültig abgesagt. Am wahrscheinlichsten ist eine Alternativveranstaltung im Sommer. Die Vereine, so sagt das Rathaus, hätten dafür schon Interesse an einem Ersatz-Festzug signalisiert, im Gespräch sind auch ein Vergnügungspark und ein Mathaisemarkt-Lauf. Konkret in die Planungen einsteigen will man kommende Woche, am Mittwoch, 12. Februar, auf der nächsten Sitzung des Markt- und Kulturausschusses.

Dass es kein Volksfest im üblichen Rahmen geben würde, war schon in der Dezember-Sitzung des Markt- und Kulturausschusses klar: Damals hatte Ilona Böhm angekündigt, dass ein Festzelt nicht rentabel sei, einzig ein Rummel und die Straußwirtschaften schienen noch möglich. Doch auch das geht aufgrund der aktuellen Pandemiesituation nicht, zumindest, was die Schausteller angeht, wie Ordnungsamtsleiter Achim Weitz sagt: "In enger Abstimmung mit den langjährigen Partnern des Mathaisemarkts haben die Verantwortlichen nun entschieden, im März keine Ersatzveranstaltungen wie beispielsweise einen Vergnügungspark anzubieten. Die Schausteller haben uns mitgeteilt, dass sie aufgrund der aktuellen Situation bereits jetzt nach dem Mathaisemarkt keine Anschlusstermine haben. Vor dem Hintergrund der unsicheren Rahmenbedingungen und der übergreifenden Absage des Festzelts bedeutet dies natürlich ein hohes wirtschaftliches Risiko für die Schausteller." Der neue Bürgermeister Christoph Oeldorf verweist, ganz abgesehen von den geltenden Corona-Verordnungen, auf die Verantwortung der Stadt gegenüber den Besuchern.

Die drängende Zeit, so sagt Rathaussprecherin Larissa Wagner, sei auch der Grund dafür, weswegen man nicht die nächste Markt- und Kulturausschusssitzung abgewartet habe. Gerade die Schausteller bräuchten eine längere Vorlaufzeit – und mit der Absage Planungssicherheit.

Und was wird aus den Straußwirtschaften? Das Weingut Wehweck macht nichts: "Wenn der Mathaisemarkt abgesagt wird, dann sehe ich keinen Sinn darin", sagt Karl-Heinz Wehweck. Er müsste ja schließlich seine Halle groß ausräumen, und das sei nur bei einem achttägigen Fest rentabel. Christiane Majer hingegen hat an drei Tagen (5., 11. und 12. März) Weinscheuerkonzerte geplant. Da soll die altgediente Mathaisemarkt-Band "Who2Ladies" auftreten. Pro Konzert hat Majer 150 Karten im Kontingent, also insgesamt 450 – und die waren innerhalb von 24 Stunden alle weg: "Man merkt, die Leute wollen unbedingt wieder raus und feiern." Die Entscheidung für diese Konzerte fiel bei ihr nach der letzten Markt- und Kulturausschusssitzung im Dezember, sie fragte bei Weitz nach – und der hatte nichts dagegen. Allerdings ist sich Majer noch nicht ganz sicher, ob es die Konzerte wirklich geben wird, denn noch sehen die Regeln vor, dass man einen Mundschutz tragen und am Platz bleiben soll. Und das sei ein absoluter Stimmungskiller, weswegen sie auf Lockerungen hofft. Und wenn es die nicht geben sollte, will Majer lieber auf die Konzerte verzichten.

Ein besonders heikles Thema ist die Krönung: Da die Weinhoheiten – Königin Sophia Hartmann mit ihren Prinzessinnen Fabienne Röger und Lena Meyer – nun schon zwei Jahre im Amt sind, war eigentlich die Inthronisierung ihrer Nachfolgerinnen fest für den Mathaisemarkt – eventuell als eher kleine Veranstaltung im Zehntkeller – eingeplant, aber auch das wird es erst mal nicht geben, wie der Vorstandsvorsitzende der Winzergenossenschaft (WG), Karlheinz Spieß, auf RNZ-Anfrage erklärt: "Das geht nicht auf Biegen und Brechen, nicht bei den derzeitigen Infektionszahlen." Und doch kann er sich eine spätere Krönung, wahrscheinlich bei einer Alternativveranstaltung im Sommer, vorstellen. WG-Geschäftsführer Manuel Bretschi sieht es so: "Die Weinhoheiten sind so lange im Amt, bis die neuen gewählt sind." Wann die Krönung stattfinden kann, will er möglichst bald mit Oeldorf bereden, denn schließlich ist die Stadt als Organisatorin des Mathaisemarktes dafür zuständig. Aber es gebe die Tendenz, "in diesem Jahr auf jeden Fall eine Krönung abzuhalten". Die Kandidatinnen für dieses Amt stehen schon fest, wie Spieß versichert, sie sind aber noch nicht vom WG-Vorstand offiziell gekürt. Er habe "wochenlang gesucht" und sei fündig geworden: "Es gibt nur drei Bewerberinnen, also wird niemand enttäuscht sein." Ihre Namen werden der Öffentlichkeit "zeitnah vor der Krönung vorgestellt", so Spieß.

Bekanntlich war zwar der Mathaisemarkt schon letztes Jahr ausgefallen, aber damals machten auf eigene Faust etliche Vereine und Privatpersonen ihr eigenes Fest: Jörg Dalmolin drehte ein Video, in dem Vereine sich im Modetanz "Jerusalema" versuchten, Peter Grüber hatte am Mathaisemarkt-Sonntag die Weinhoheiten in seiner Kutsche abgeholt, wozu die Jagdhornbläser spielten, und schließlich hatte Heike Baar – wenn auch erst am letzten Festsonntag – ihre selbst gemachten Mathaisemarkt-Plakate auf dem Festplatz aufgehängt. Doch wahrscheinlich wird es dergleichen in diesem Jahr nicht geben: Dalmolin hat nichts in petto ("Von meiner Seite ist nichts geplant"), immerhin Grüber kann sich vorstellen, die Weinhoheiten durch die Stadt zu kutschieren – wenn sie denn wollten. Und Oeldorf will er fragen, ob der Lust hat, dabei mitzufahren.

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Autor: Rhein-Neckar-Zeitung