18.02.2022

Startschuss für die Mathaisemarkt-Neukonzeption

Bei der ersten Marktausschusssitzung unter Bürgermeister Oeldorf gab es noch keine klaren Festlegungen. Das betrifft auch das Ersatzfest im Sommer.

Von Micha Hörnle

Schriesheim. Dass der Mathaisemarkt in diesem Jahr ausfällt, ist offiziell seit der letzten Woche bekannt. Doch wie soll der im nächsten Jahr aussehen? Das war die große Frage bei der Sitzung des Markt- und Kulturausschusses am Mittwochabend, die erstmals Bürgermeister Christoph Oeldorf leitete. Wer sich davon starke Impulse für eine Neuausrichtung erhofft hatte, sah sich enttäuscht: Es wurde nur der Startschuss gegeben, allerdings gibt es für die Neukonzeption im Moment weder einen Zeitplan noch inhaltliche Vorgaben. Ähnlich sieht es für das geplante Mathaisemarkt-Ersatzfest im Sommer aus. Hier wurde nur vereinbart, dass es das geben könnte.

Diese etwas vage, unbestimmte Richtung lag nicht nur an Oeldorf, der sich, so frisch noch im Amt, vor klaren Ansagen scheute, sondern vielmehr an der völlig unklaren Situation, gerade in Sachen Pandemie: Während am selben Tag die Bund-Länder-Runde eine weitgehende Aufhebung der Corona-Maßnahmen zum 20. März beschloss, verschärfte sich in Schriesheim in den letzten Tagen abermals die Lage – und das zwei Wochen vor Mathaisemarkt-Beginn: Am gestrigen Donnerstag wurden 29 Neuinfektionen gezählt, damit gibt es in der Stadt 173 aktive Fälle. Die Inzidenz liegt bei schier unglaublichen 1167 also fast doppelt so hoch wie die bisherigen Werte um Weihnachten 2020. Wie Ordnungsamtsleiter Achim Weitz berichtete, wurde der Neuinfektionshöchststand am 11. Februar mit 41 Personen erreicht; zwei liegen im Krankenhaus; in der letzten Woche verstarb der 15. Schriesheimer in Verbindung mit Covid-19.

Insofern war tatsächlich nicht an ein Fest in diesem Jahr zu denken. Marktmeisterin Ariane Haas erklärte auch, wieso die Schausteller sowieso nicht gekommen wären: Ihnen war das wirtschaftliche Risiko zu hoch: Sie hätten nach dem Mathaisemarkt keine Anschlusstermine gehabt, zudem hätte vielleicht eine Verschärfung der Coronaregeln gedroht – und Personal war sowieso nicht zu finden. Insofern habe man, so Weitz, "die Reißleine gezogen". Warum das am Dienstag vor einer Woche per Pressemitteilung geschah und nicht im dafür zuständigen Gremium, dem Markt- und Kulturausschuss, besprochen wurde, war kein Thema dieser Sitzung. Später sagte Oeldorf auf RNZ-Anfrage dazu: "Die Frage war: Wartet man mit der Information noch länger? Denn wir hatten nach der endgültigen Absage der Schausteller auch keine Diskussionsgrundlage mehr." Einzig hätte man sich bei der letzten Ausschusssitzung, im Dezember, für den klaren Schnitt, also der Absage, entscheiden können, aber damals hatte man ja noch Hoffnung.

In Sachen Neuausrichtung gab es keine formellen Beschlüsse, aber Oeldorf schlug vor, mit der Mathaisemarkt-Arbeitsgruppe des Gemeinderats bald einen Termin zu machen. Dabei sollen auch die aktuellen Mathaisemarkt-Organisatoren hinzukommen. Bernd Hegmann (Freie Wähler) schlug vor, dazu auch sachkundige Bürger, wie den Schriesheimer Eventveranstalter Christian Merkel, hinzuzuziehen – was so auch geschehen soll. Oeldorf sagte, er wolle "alle Beteiligten ins Boot holen, und zwar möglichst viele". Für das weitere Vorgehen "gibt es keine Blaupause": "Die Antwort, wie der Mathaisemarkt der Zukunft aussehen wird, gebe nicht ich, sondern ergibt die Diskussion." Das werde "ein längerer Prozess", man solle "nicht die Erwartung haben, dass wir in zwei Monaten Ergebnisse haben". Insofern sei diese Sitzung erst einmal "ein Startschuss". Schlecht sieht es erst einmal für den Vorstoß von Christiane Haase (CDU) aus, für die Neuausrichtung externe Berater zu holen: "Wir beginnen jetzt erst einmal bei uns", so Oeldorf.

Ähnlich vage blieb es auch, als es um die Ersatzveranstaltung im Sommer ging: Sollte mit ihr das alte Stadtfest wiederbelebt werden, wie Gabriele Mohr-Nassauer (SPD) vorschlug? Oder sollte man da nicht auch gleich, so fragte Andrea Diehl (CDU) die Verabschiedung Hansjörg Höfers mitgefeiert werden? Und findet dann auch die Krönung der Weinhoheiten statt? Viele Frage, die ohne konkrete Antwort blieben.

Eindeutig war Oeldorf nur bei der Frage von Georg Grüber (Grüne Liste): "Muss der Mathaisemarkt immer Anfang März gefeiert werden?" Darauf meinte der Bürgermeister: "Mathais bricht das Eis. Bei diesem ersten großen Weinfest der Region bin ich doch zu sehr Traditionalist."

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Autor: Rhein-Neckar-Zeitung