23.02.2022

Der Porphyrwerk-Großbrand änderte alles

Der Porphyrwerk-Großbrand änderte alles

67 Jahre, von 1900 bis 1967, stand das Porphyrwerk direkt an der B3. Foto: Rudi Schmitt
Vor genau 55 Jahren zerstörte ein Feuer das Werk an der B3. Damit endeten auch die fast 70 Jahre des Porphyrabbaus in Schriesheim.

Von Micha Hörnle

Schriesheim. Vor genau 55 Jahren, am 19. Februar, 1967 brannte das Porphyrwerk – genauer: die Brech- und Verladeanlage – ab. Damit endete die gut 70-jährige Tradition des Porphyrabbaus in Schriesheim, von der heute noch einige Gebäudereste im Wald am Ölberg zeugen. Im Einsatzbericht der Schriesheimer Feuerwehr heißt es: "Ein Großbrand im Porphyrwerksgebäude an der B3 alarmierte an diesem Sonntag schon früh 6.10 Uhr die Wehr. Bis zum Eintreffen am Brandplatz hatte das Feuer bereits das gesamte Gebäude erfasst. Die Wehr konnte trotz Unterstützung der Weinheimer Wehr, welche von der Betriebsleitung zu Weinheim alarmiert worden war, nicht verhindern, dass der aus Holz bestehende obere Holzaufbau und der danebenstehende Maschinenschuppen völlig abbrannte."

Über die Geschichte des Steinbruchs gibt es wenige Veröffentlichungen, 2007 brachte Rosalinde Minor ihr Büchlein "Steinbruch Schriesheim – Erlebnisse aus dem Arbeitsalltag" heraus, zudem gibt es eine ausführliche Homepage des Siedelsbrunners Hans-Günther Morr. Aber so viel steht fest: Der Porphyrabbau – das vulkanische Gestein wurde hauptsächlich für den Eisenbahn- und Straßenbau verwandt – begann 1880, allerdings gab es bereits früher etliche Steinbrüche, von den Gruben für Erze und Silbervitriol einmal abgesehen (die eine deutlich längere Geschichte haben). Bereits Anfang des 19. Jahrhunderts wurde am Hartenbühl, einem Nebengipfel des Ölbergs in Richtung Dossenheim, Sandstein abgebaut, doch viel wichtiger wurde der Porphyr, der in bis zu 150 Meter dicken Schichten die Kuppe des Ölbergs überzog – im Prinzip Lava, die wahrscheinlich vom einstigen Weinheimer Vulkan Wachenberg in Richtung Süden floss. In Dossenheim war man deutlich früher dran, Porphyr abzubauen – wohl schon ab etwa 1760, wenn auch eher im Nebenerwerb. In Schriesheim war man erst über 100 Jahre später dran – auch weil das Gestein viel höher lag als in Dossenheim; hier war die Steinindustrie kein dominanter Wirtschaftszweig wie in der Nachbargemeinde. Für das Jahr 1913 sind knapp 100 Beschäftigte belegt, in Dossenheim waren es viermal so viele (bei jeweils etwa 3000 Einwohnern). Und doch gehörten lange Jahre die Sirenenwarntöne und Sprengungen im Steinbruch um 9, 12 und 16 Uhr zum festen Tagesablauf der Schriesheimer.

Die ungünstigen Transportwege waren auch der Grund dafür, dass die Gemeinde Schriesheim 1890 ihren eigenen Abbaubetrieb nach zehn Jahren wieder einstellte, erst 1899 wurden die "Porphyrwerke Edelstein" als Privatunternehmen gegründet, benannt nach einer mehr als zehn Meter hohen Felsgruppe auf der Ölbergkuppe. Dieses Naturdenkmal wurde allerdings bei einer angeblich unbeabsichtigten Sprengung am 14. November 1919 zerstört; damals wollten sich die Porphyrwerke gegen den Widerstand vieler Schriesheimer erweitern.

Die markante Brech- und Verladestation an der heutigen B3 entstand im Jahr 1900, vor allem wegen der OEG, die damals noch Güter transportierte; später gab es eine direkte Anbindung an den Güterbahnhof in Heidelberg (wo heute die Bahnstadt steht). Vom Werk führte eine Seilbahn, die insgesamt 230 Höhenmeter überwand, hoch zum unteren Ende des Steinbruchs, die Fundamente der wohl insgesamt sechs Träger sind noch heute teilweise zu sehen; auch das Kompressorenhaus ist heute noch als Ruine erhalten (man streift es am Ölbergwanderweg S4).

Der Porphyrabbau war in den ersten Jahren reine Handarbeit, das Prinzip stammte von den Römern: Man arbeitete sich von oben in Ebenen, die man heute noch sieht, bergab treppenartig vor, zunächst mit Brechstange, Keil und Hammer. Erst später wurde gesprengt. Die großen Brocken wurden noch auf der Ebene zerkleinert, kamen mit Loren (später Lastern) zum Vorbrecher, der das Gestein grob zerkleinerte, dann ging es durch Betonkanäle zu einem Silo; von dort aus beförderten kleine Dampfloks das Gestein zur Seilbahn-Bergstation. Später wurde die Seilbahn bis zum Silo verlängert, dadurch entfiel der Lorentransport zur Bergstation. Im Werk an der B3 wurden die Porphyrbrocken nochmals mit einer Dampfmaschine zerkleinert – markant war deren Schornstein an der Rückseite des Gebäudes.

Der Steinbruch kam allerdings bereits Ende der zwanziger Jahre in wirtschaftliche Schwierigkeiten. Und trotz aller Modernisierungen in den fünfziger und sechziger Jahren war er kaum rentabel, sodass nach dem verheerenden Großbrand vor 55 Jahren der Porphyrabbau endgültig eingestellt wurde, zumal sich immer mehr Schriesheimer über das staubreiche Werk beklagten. 1999 löste dann der Gemeinderat vorzeitig den Pachtvertrag mit den Porphyrwerken Weinheim (mit denen der Schriesheimer Betrieb 1923 fusioniert hatte) auf. In Dossenheim lief der Betrieb im Steinbruch Vatter noch bis 2002. Und auch hier waren es am Ende Widerstände aus der Bevölkerung, die ihm den Garaus machten.

In gewisser Weise war das Porphyrwerk auch der Schrittmacher des heutigen Gewerbegebiets Richtung Dossenheim, das aus heutiger Sicht eher die bevorzugte Lage eines Wohngebiets wäre. Wegen des bestehenden Werks erklärte die Gemeinde das Areal südlich der Passein bereits vor 100 Jahren zum Industriegelände. Aber erst 1934 siedelte sich ein zweiter Betrieb an: die Firma Termak, die aus Porphyrsplit und Teer sogenannte Makadam-Beläge für den Straßenbau produzierte. Erst mit der hier ab 1949 ansässigen Firma "Warm-Luft-Wagner" des gebürtigen Pfälzers Albert Wagner (1882-1966) erhielt das Industriegebiet den entscheidenden Schub.

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Vor 55 Jahren wurde es bei einem verheerenden Großbrand komplett zerstört. Foto: Feuerwehr Schriesheim

Autor: Rhein-Neckar-Zeitung