01.03.2022

Bei Hausärzten "sind alle geimpft und geboostert"

Hat die einrichtungsbezogene Impfpflicht Auswirkungen auf die Hausarztpraxen in Schriesheim? Die RNZ hat nachgefragt.

Von Max Rieser

Schriesheim. Pflegeheime sind von den Auswirkungen der einrichtungsbezogenen Impfpflicht teilweise stark betroffen. Doch auch die Hausarztpraxen, die oft nur aus kleinen Teams bestehen, könnten Probleme bekommen. Fällt dort auch nur eine Sprechstundenhilfe aus, kann das Folgen für die gesamte Praxis haben. Wie sieht es damit in Schriesheim aus? Die Rhein-Neckar-Zeitung hat nachgefragt.

> Hausarztpraxis am Schillerplatz: Alexander Tecl gibt Entwarnung für seine Praxis: "Als überzeugter ‚Impfer‘ konnte ich alle Sorgen und Ängste beseitigen, bei uns sind alle geimpft und geboostert", sagt er. Da bei ihm in der Praxis auch junge Frauen arbeiten, die sich in Zukunft noch Kinder wünschen, hätten einige noch gewartet und seien auch durch Falschinformationen verunsichert worden: "Wenn dann auf Facebook herumgeistert, dass man wegen der Impfung nicht mehr schwanger werden kann, dann verursacht das Angst." Durch fundierte Aufklärung habe er aber die Ängste ausräumen können. "Mit der Impfung ist kein übermäßiges Risiko verbunden, und deshalb bin ich natürlich dafür, dass sich alle impfen lassen. Es gibt aus meiner Sicht keinen gesundheitlichen Grund, sich nicht impfen zu lassen, außer eine Allergie gegen einen der Inhaltsstoffe."

Zur Impfpflicht sagt Tecl: "Grundsätzlich finde ich es schade, wenn die Leute nicht selbst draufkommen, sich impfen zu lassen." Er sei allerdings trotz seiner Impfbefürwortung etwas "schizophren", was die Pflichtimpfung anbelangt, da er "im Allgemeinen gegen solche Zwänge" sei. Er findet außerdem, dass es mit der einrichtungsbezogenen Impfpflicht zu wenige betroffen sind, und auch noch genau die, die seit Beginn der Pandemie ohnehin ungleich mehr leisten müssten: "Für uns ist der Arbeitsschutz seit Corona ausgehebelt. Wir haben mittlerweile Arbeitszeiten wie Polizei und Feuerwehr." Pflege und Medizin müssten somit ausgleichen, dass die Impfbereitschaft in der Bevölkerung zu gering sei. Damit würden auch Ängste von Menschen außerhalb medizinischer Berufe ernster genommen. Die Impfpflicht sollte seiner Meinung nach somit "für alle oder keinen" gelten.

> Praxis Hieronymous: "Bei uns waren Gott sei Dank alle Mitarbeiter schon im Vorfeld so für das Thema sensibilisiert, dass alle froh über die Impfung waren", berichtet Dr. Kurt Hieronymous. Der Impfpflicht für Menschen im Gesundheitssektor stehe er negativ gegenüber. Diese werde nicht nur die Teams in den Praxen belasten, sondern eben auch zu Ausfällen an den Stellen führen, wo Personal dringend gebraucht wird: "Es kann nicht sein, dass diejenigen, die sowieso schon am Limit sind, rausgepickt werden und noch eins draufkriegen."

Er sei durchaus Befürworter einer generellen Impfpflicht, denn "wie beim Sicherheitsgurt im Auto kann man zwar darüber diskutieren, aber faktisch schützt es einfach". Daher sollte nicht eine Gruppe separat "herausgedeutet" werden, sondern alle müssten in die Pflicht genommen werden, um die Pandemie zu beenden.

> Hausarztpraxis Eduard Fischer: In seiner Praxis seien alle geimpft, betont Fischer. "Von der Reinigungskraft über die Sprechstundenhilfen bis hin zu mir", berichtet der Arzt. Die einrichtungsbezogene Impfpflicht hält er aus "medizinischer Sicht" für sinnvoll, da man als Arzt nicht nur potenzieller Überträger, sondern auch in hohem Maße gefährdet sei: "Wir haben den ganzen Tag mit Kranken zu tun, und wir wissen natürlich nicht immer sofort, ob jemand Corona hat." Auch für Menschen in Pflegeberufen sei die Impfpflicht positiv, da so die Versorgung von alten Menschen nachhaltig gesichert sei und voraussichtlich weniger Personal ausfalle.

> Hausarztpraxis Altenbach: Etwas anders sieht es Dr. Martin Kraus, bei dem auch alle Mitarbeitenden in der Praxis vollständig geimpft sind: "Ich bin schon für die Impfpflicht für Gesundheitsberufe, man hat einfach eine erhöhte Verantwortung gegenüber anderen Menschen in diesem Bereich."

Doch auch er hat Einwände: "Ich finde es sinnvoll, den Termin noch etwas nach hinten zu verschieben", sagt er. Zu dieser Einschätzung kommt er, da jetzt das Präparat des US-Herstellers "Novavax" auch in Deutschland Einzug halten wird. Da das Vakzin aber zuerst nur an Impfstationen geliefert werden soll, wären die Kapazitäten zu klein. Daher sei es laut Kraus sinnvoll, zu warten, bis auch die Arztpraxen mit dem "Novavax"-Impfstoff versorgt sind. Viele Menschen hätten mehr Vertrauen in sogenannte "Totimpfstoffe", die es schon sehr lange gibt und zu denen das Präparat laut ständiger Impfkommission (Stiko) "im weiteren Sinne" zählt.

So könne laut Kraus die Skepsis vor dem Impfen weiter abgebaut werden. Er könne sich zwar auch eine allgemeine Impfpflicht oder eine "Impfpflicht ab 60" vorstellen, diese Maßnahmen seien allerdings viel schwerer umzusetzen.

> Christine Burchardt, Fachärztin für Allgemeinmedizin, lässt durch ihre Sprechstundenhilfe ausrichten, dass sie der Impfpflicht positiv gegenüberstehe.

> Auch in der Praxis im "Dok:Tor" sei das komplette Team geimpft, berichtet Dr. Kai Wachter, wodurch auch hier keine Engpässe durch eine Impfpflicht entstehen würden.

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Autor: Rhein-Neckar-Zeitung