05.03.2022

Zeit für Familie und Hund "Rocky"

Sibylle Harbarth, Sekretärin der katholischen Kirchengemeinde, geht in den Ruhestand. Beate Kempf hat ihre Stelle als Pfarrsekretärin angetreten.

Von Marion Gottlob

Schriesheim. Wer möchte nicht gern mal im "Service-Point der Firma Gott & Sohn" mit einem "kurzen Draht nach oben" dabei sein? So hat ein Kirchenmitglied das neue Pfarrbüro der Katholischen Kirchengemeinde Schriesheim genannt. Sibylle Harbarth jedenfalls war nun fast 30 Jahre Sekretärin der Katholischen Kirchengemeinde Schriesheim-Dossenheim. Mit großem Engagement hat sie den Weg in die Digitalisierung mitgestaltet: "Das hat mich fasziniert." Nun geht sie in den Ruhestand. Sie sagt: "Alles hat seine Zeit. Da ist was Wahres dran."

Harbarth ist in Dossenheim geboren, aber ansonsten eine wahre Schriesheimerin. Damals konnten die Kinder noch auf der Straße spielen. Sie erzählt: "Ich war ein quirliges Kind." Jeden Sonntag besuchte sie mit ihrer Großmutter den Gottesdienst. "Das war langweilig." Zur katholischen Kirche fand sie über die Jugendarbeit. Es gab Tanz- und Spieleabende sowie Freizeiten. "Das waren meine ersten Schritte in die Selbstständigkeit." Hier lernte sie auch ihren späteren Mann, Gerhard, kennen: "Wir haben uns zufällig dort getroffen. Nach zwei oder drei Blicken war klar – das könnte was werden."

Sibylle Harbarth machte nach dem Realschulabschluss eine Ausbildung zur Sekretärin: "Ich organisiere gern." Danach arbeitete sie bei ABB, damals BBC in Mannheim. Nach der Heirat kamen bald die beiden Söhne auf die Welt. Sie legte eine Familien-Pause ein. Aber nicht ganz, denn sie gründete in der katholischen Gemeinde eine Krabbelstube. "Die Väter von damals treffen sich auch heute noch zum Wandern", freut sie sich.

Als die Kinder größer wurden, zog sie sich von der Kirche zurück: "Ich brauche diese Pausen, um mich neu auszurichten und aus der eigenen Dynamik heraus neu zu engagieren." So war sie dann wieder als Kommunionkatechetin dabei. Der nächste Kontakt kam durch einen Zufall zustande. Der damalige Pfarrer, Dr. Theodor Seeger, suchte eine Protokollantin für eine Zeugenvernehmung über die Annullierung einer Ehe. Sie sagte zu. Mit ihrer elektrischen Schreibmaschine ging sie zu dem Termin. Sie erinnert sich: "Ich musste einen Eid auf meine Verschwiegenheit schwören." Es war der Start für eine 28-jährige Mitarbeit. Das Pfarrbüro war zuerst im Pfarrhaus: ein rund 16 Quadratmeter großer Raum, in dem sich zwei Sekretärinnen einen Schreibtisch, ein Telefon und eine Schreibmaschine teilten. Neben organisatorischen Aufgaben entdeckte Harbarth ihr Talent für den Umgang mit Texten und gestaltete das neue Pfarrblatt. Bald wurde der erste Computer angeschafft. Später war sie auch an der Gestaltung der Homepage beteiligt.

Unter dem neuen Pfarrer, Ronny Baier, wurde dann das neue Pfarrbüro im Gemeindehaus eingerichtet. Der Raum ist hell und modern gestaltet. Harbarth: "Wir hatten ein Mitspracherecht. Es sollte offen und transparent sein – und doch gibt es eine Gesprächsecke, die nicht sofort einsehbar ist."

15 Jahre lang war sie beratendes Mitglied des Pfarrgemeinderats – nicht bezahlt, sondern freiwillig und ehrenamtlich. In ihrer Zeit als Sekretärin des Pfarrbüros ist sie vielen Menschen begegnet. Manche begleitet sie seit der Taufe. Sie erzählt: "Ein Bischof saß auf meinem Schreibtisch, weil er noch etwas Schriftliches erledigen wollte."

Nun hat die Großmutter von drei Enkelkindern mehr Zeit für ihre Familie und den Hund Rocky. Dem Kirchenchor wird sie treu bleiben und auch den monatlichen Offenen Gemeinde-Treff nach dem Samstag-Abend-Gottesdienst möchte sie – sobald es die Corona-Krise zulässt – neu aufleben lassen: "Die Menschen brauchen so einen Treff. Neue Gäste sind gerne willkommen."

Beate Kempf hat ihre Stelle als Pfarrsekretärin angetreten

Mitten in der Corona-Krise hat Beate Kempf, 46, ihre Arbeit als Pfarrsekretärin bei der Katholischen Seelsorgeeinheit Schriesheim-Dossenheim angetreten. Gemeinsam mit Kollegin Birgit Rath ist sie Ansprechpartnerin für die beiden Kirchengemeinden mit der Filiale Altenbach. Sie wird jeweils zwei Tage in Schriesheim und Dossenheim sein. Die gebürtige Viernheimerin war schon als Jugendliche aktiv in der katholischen Gemeinde St. Aposteln: "Wir hatten einen tollen Pfarrer, der einen Draht zur Jugend hatte."

Nach dem Realschulabschluss machte sie eine Ausbildung zur Bürokauffrau. Danach startete sie nochmals durch. Sie holte die Fachhochschulreife nach und studierte Wirtschaftsingenieurwesen (FH). Nach dem Studium arbeitete sie neun Jahre lang bei John Deere in Mannheim. Mit ihrem Lebensgefährten wurde sie dann zur "Aussteigerin". Das Paar zog auf die Insel Fuerteventura. Dann starb ihr Partner, und sie plante ihren Rückflug für Ende März 2020. Wenige Tage vor dem Termin wurde sie – wie so viele andere – von der Corona-Krise überrascht.

Sie harrte monatelang auf der Insel aus. Zeitweise war die Situation so verzweifelt, dass Spenden gesammelt wurden, damit die Menschen sich Trinkwasser kaufen konnten. "Ich wollte nur noch weg", erzählt sie. Als am 1. Juli 2020 der erste Flug nach Deutschland ging, gehörte Kempf mit ihren zwei Hunden "Mummi" und "Super" zu den Passagieren. In Dossenheim fand sie zunächst Hilfe bei Verwandten ihres früheren Partners und Freunden. Nun hat sie die neue Stelle in Schriesheim angetreten. Sie sagt: "Ich bin total glücklich."

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Autor: Rhein-Neckar-Zeitung