15.03.2022

Wie Pfarrer Ronny Baier fast Bäcker geworden wäre

Wie Pfarrer Ronny Baier fast Bäcker geworden wäre

Pfarrer Ronny Baier ist seit 20 Jahren für die Seelsorgeeinheit Schriesheim-Dossenheim zuständig. Foto: Dorn
Früh aufstehen ist nicht sein Ding. Seit 20 Jahren ist der Seelsorger in Schriesheim.

Von Marion Gottlob

Schriesheim/Dossenheim. Weil er gerne kocht und backt, wäre Ronny Baier fast Bäcker geworden. "Das frühe Aufstehen, das ist nicht meins", sagt er mit einem Augenzwinkern, "bis heute nicht". Stattdessen studierte er katholische Theologie und wurde 2002 Pfarrer der Katholischen Seelsorgeeinheit Schriesheim-Dossenheim. In diesem Jahr feiert er sein 20. Dienstjubiläum an der Bergstraße. Er sagt: "Ich werde der letzte amtierende Pfarrer in Schriesheim sein. Denn ab 2025/26 werden die Seelsorge-Einheiten in unserer Region neu strukturiert, die bisherigen Pfarreien aufgelöst und in einer neuen Pfarrei Bergstraße zusammengefasst."

Ronny Baier kam 1966 in Heidelberg zur Welt. Seine Eltern lebten zunächst in Mannheim-Friedrichsfeld. Nach der Trennung der Eltern zog die Mutter mit ihrem zweijährigen Sohn in ihren ursprünglichen Heimatort Eschelbronn, wo er auch aufgrund der erneuten Heirat seiner Mutter in einer "ökumenischen" Familie aufgewachsen ist. "Eschelbronn war damals eine sehr ländliche Gegend", erinnert er sich.

Oft half der Junge den Großeltern in Garten und Feld, beim Heumachen und der Obsternte. "Da war man manchmal schon neidisch auf die Nachbarskinder, die ins Schwimmbad und zum Spielen durften. Am Abend war man dann aber doch zufrieden, wenn alles geschafft war und man mit den Erwachsenen bei der Oma am Tisch saß."

Ronny Baier besuchte wie fast alle Dorfkinder die Grund- und dann die Hauptschule. Die Eltern waren gegen das Gymnasium: "Der Bub soll was Gescheites lernen", lautete die Devise. Im Rückblick ist Baier nicht unglücklich darüber: "Wir hatten gute Lehrer, die uns Schüler sehr förderten." Nach der Hauptschule entschied er sich für eine Lehre zum Heizungs- und Lüftungsbauer. Oft wurde er beim Einbau von Heizungen oder der Erneuerung von Heizungsanlagen in Kliniken, Fabriken und Gewächshäusern eingesetzt. Bei der Sanierung von privaten Altbauten kam er oft mit den Bewohnern ins Gespräch. "Zu manchen habe ich heute noch Kontakt", sagt Baier.

Er fand rasch Kontakt zu seinem Lehrmeister, dessen behinderter Sohn gerade gestorben war. "So sah er mich ein Stück weit auch als Sohn an." In Gesprächen mit ihm und dessen Frau war oft der Glaube ein Thema. Beide unterstützten ihn später in seinem Entschluss, den Handwerksberuf aufzugeben und einen kirchlichen Dienst anzustreben: "Denn ich wollte mehr mit Menschen arbeiten."

Mit Hilfe seines früheren Religionslehrers und Pfarrers, Manfred Wiedemer, fand er 1985 den Weg ins Spätberufenen-Seminar St. Pirmin in Sasbach, wo er über den zweiten Bildungsweg vier Jahre lang für das Abitur paukte. "Ich lernte in Sasbach auch Hebräisch, Latein und Griechisch,", betont der Geistliche. Es war nicht einfach, erneut die Schulbank zu drücken, aber es gab einen Unterschied zum Schulbesuch zuvor: "Ich hatte mich freiwillig dazu entschieden."

Nach dem Abitur folgte das Studium der Theologie in Freiburg. Der Pfarrer sagt: "Es war spannend, sich so intensiv mit den theologischen Disziplinen und der Bibel zu beschäftigen." Ein Auslandsstudienjahr verbrachte er im St. Patricks’s College in Maynooth, der zentralen Ausbildungsstätte für katholische Geistliche nahe der irischen Hauptstadt Dublin. Er lebte mit einem Freiburger Studienfreund in einer WG mit fünf Iren. Baier lächelt erneut, denn ein typisches Vorurteil bestätigte sich: "Wir Deutschen haben auf Sauberkeit und Ordnung im ganzen Haus geachtet." Neben dem Studium blieb Zeit, um Land und Leute und die Pub-Kultur lieben zu lernen. "Eine schöne Zeit", lautet sein Fazit.

Nach der Rückkehr folgte der zweite Teil seines Theologiestudiums und dann ein einjähriger Einsatz als Theologe im Gemeindejahr in der Pfarrei St. Marien in Weinheim. "Ich konnte in diesem Jahr nochmals überlegen, ob ich wirklich Priester werden möchte", betont er. Baier entschied sich endgültig für diesen Weg. Auch der Zölibat schreckte ihn nicht ab. Natürlich ist ihm bewusst, dass man die Geborgenheit einer Familie vermissen kann. Er sagt: "Wenn ich am späten Abend nach Hause komme, bin ich allein." So haben Freunde und seine ursprüngliche Familie für ihn eine besondere Bedeutung. "Hier finde ich Gesprächspartner."

Nach der letzten Ausbildungsphase im Priesterseminar in St. Peter im Schwarzwald folgte 1996 die Priesterweihe in Sinsheim. Seine erste Vikarstelle war in Hemsbach. "Meine erste große Liebe zu einer Gemeinde", erinnert er sich. Hier engagierte sich Baier in der Jugendarbeit, gestaltete im Team Freizeiten und Kinderbibeltage und war Kurat der örtlichen Pfadfinder. Nach zwei weiteren Jahren in Waldkirch bei Freiburg wurde er nach dem Ablegen des Pfarrexamens Pfarrer für die neue Seelsorgeeinheit Schriesheim-Dossenheim. "Die beiden Gemeinden zusammenzuführen, war nicht immer leicht. Aber es ist am Ende gelungen, ein Wir-Bewusstsein zu schaffen", freut er sich.

Die Seelsorge ist ihm besonders wichtig. So erinnert er sich an eine chronisch kranke Frau, die er einige Jahre begleitet hat. "Trotz der stetig schlimmer werdenden Krankheit hatte sie bis zuletzt ein Lächeln auf den Lippen." Angesprochen auf die Beichte, sagt er, dass diese einen Wandel durchlaufen hat. Er weiß noch, dass er als Junge zur Beichte geschickt wurde, um sonntags würdig zur Kommunion zu gehen. Doch heute sei die Beichte keine religiöse Pflichtübung mehr, sondern ein echtes Seelsorgeangebot. Manchmal, so Baier, ist es wichtig, wenn ein konkreter Mensch zusagt: "Gott schenkt dir einen Neuanfang – du darfst dich neu ausrichten."

Ab 2025/2026 soll es größere Einheiten geben. Wie wird das werden? Noch ist alles in der Diskussion. "Ich wünsche mir, dass ich weiterhin nahe bei den Menschen sein werde". Baier wird das Ganze auf sich zukommen lassen.

Und was macht er in seiner Freizeit? In Nicht-Corona-Zeiten besucht Pfarrer Baier Ausstellungen und ist Fan von Opern. Er liest gerne englische und skandinavische Krimis. Und was das Kochen und Backen angeht, verrät er: "Ich mag Dampfnudeln mit Kartoffelsuppe oder Vanille und Weincreme – und zu allen Festen sollte eine Linzertorte dabei sein."

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Autor: Rhein-Neckar-Zeitung