08.04.2022

Die meisten tragen weiter Maske

Der Wegfall der Tragepflicht hat an den Gewohnheiten der Schriesheimer wenig geändert.

Von Max Rieser

Schriesheim. Wieder unbeschwert atmen, ohne Maske vor dem Gesicht. Seit Montag ist die Maskenpflicht in Innenräumen, bis auf einige Ausnahmen wie Züge oder Arztpraxen, passé. Dass die meisten ob der weiterhin hohen Infektionszahlen aber noch vorsichtig sind und es auch den Betreibern der oftmals kleinen Geschäfte und Lokale der Weinstadt noch lieber ist, wenn man einen Mund-Nasen-Schutz trägt, zeigt eine Umfrage der RNZ. Vom Hausrecht, mit dem die Geschäfte die Maske wieder zur Verpflichtung zum Betreten machen könnten, macht kein Geschäft Gebrauch.

> Einzelhandel: Im Geschenkeladen "Opus" seien kaum Kunden ohne Maske anzutreffen, berichtet Inhaberin Ingrid Bosselmann-Weinland: "Meine Kundschaft trägt fast ausschließlich Maske, so wie ich auch." Die Menschen würden sich sicherer fühlen, Diskussionen gebe es keine: "Es ist ganz unproblematisch."

Nebenan im "Kinderlädchen" ist es ähnlich, erzählt Betreiberin Violaine Munkes. Sie habe ein Schild an der Tür, "dass wir uns freuen, wenn weiterhin Maske getragen wird", sie und ihre Angestellten haben sie auch auf. Die Zahlen hätten sich noch nicht wesentlich geändert, daher sei sie lieber noch etwas vorsichtiger – und das spiegelten ihr auch die Kunden wider: "Ich hatte bisher höchstens drei Kunden, die keinen Mundschutz trugen."

Das sind auch die Erfahrungen, die Stephanie Parketta von "Wilhelm Müller Haus- und Gartenbedarf" macht: "Ein Großteil der Kunden trägt Maske." Seit Montag sei nur eine Frau "ohne" in den Laden gekommen. Einfordern würde sie die Masken nicht, da sie das Gefühl habe, dass die meisten diese sowieso für sinnvoll halten. Das sehe man auch im Supermarkt, so Parketta. Auch das Team trage den Mundschutz weiterhin, was sicherlich dazu führe, dass sich die Kunden anpassen.

Petra Spruck, Betreiberin des Wohnaccessoire-Ladens "Peppilello" in der Kirchstraße, sagt: "Ich trage die Maske, sobald jemand den Laden betritt." Das handhabe sie auch bei ihrem persönlichen Einkauf so: "Man muss respektieren, wenn jemand ängstlich oder gefährdet ist." Da bei ihr meistens nur ein bis zwei Kunden im Laden seien, sei auch immer ein ausreichender Abstand gewahrt, und die Tür stehe meistens offen. Einen Hinweis an der Tür hat Spruck nicht, sie überlasse es den Leuten selbst. Bisher kam aber noch kein Kunde ohne Maske.

Schon im Vorfeld hat sich das Team von "Utes Bücherstube" Gedanken gemacht, wie man die neuen Regeln umsetzt: "Wir waren nicht ganz glücklich über den Wegfall der Maskenpflicht, weil man sich bei uns unweigerlich etwas näherkommt", sagt Chefin Regine Hindorf. Deshalb habe man sich auch gleich entschieden, in der Belegschaft weiter Mundschutz zu tragen, um die Kunden, aber auch sich selbst, nicht zu gefährden. Auch ein Schild an der Tür gibt es, "auf dem wir deutlich bitten, dass man weiterhin Maske trägt". Kontrolliert werde das aber nicht. Auch die Kundschaft komme großteils weiter mit Maske ins Geschäft, da sie sich "so besser fühlen". Schön sei, dass die Zahlen langsam fallen, bei deutlich geringeren Infektionen könne man sich dann wieder "ein bisschen entspannen".

> Gastronomie: Im "Pane e Vino" überlasse man es ganz den Gästen, was gut funktioniere: "Ich denke, es tragen gut 85 Prozent der Gäste weiterhin die Maske", erklärt Kanwarpal Singh aus dem italienischen Restaurant. Auch das Team trägt die Maske weiter: "Wir machen lieber langsam, um den Gästen Sicherheit zu geben", meint Singh.

So ist es auch im Gasthaus "Zum Goldenen Hirsch", berichtet Restaurantleiter Michael Adamietz. Er legt sogar noch eine Schippe drauf und schätzt: "90 Prozent kommen mit Mundschutz ins Lokal, es hat sich nichts geändert." Auch die Desinfektionsmittelstationen gibt es weiter. Bis das Wetter besser wird und sich die Menschen wieder ein wenig umgewöhnt hätten, würden es sich seiner Meinung nach mehr Menschen wieder abgewöhnen. Den Mitarbeitern steht es frei, viele würden auch schon auf das Tragen der Maske verzichten, da die eine große Belastung gewesen sei: "Wenn man sechs oder acht Stunden mit der Maske rumrennt, ist das schon anstrengend."

In der "Weinstube Müller" habe man mit dem Team beschlossen, "dass wir die Maske weiterhin tragen, bis die Hofsaison losgeht", erklärt Betreiberin Martina Müller. Auch die Gäste würden gebeten, sich noch etwas daran zu halten, was "98 Prozent akzeptieren". Die restlichen zwei Prozent würden dann meistens von ihrer Begleitung zum Tragen der Maske angehalten. Das werde sehr positiv angenommen, berichtet Müller. Viele hätten auch schon im Vorfeld nachgefragt, wie man es in der Weinstube handhabe; sie seien zufrieden mit der Regelung, da die aktuellen Corona-Zahlen immer noch abschreckend seien. Deshalb gebe es hier auch noch keine größeren Veranstaltungen, bis es dann wieder wärmer wird.

Bei den Gästen des "Rudis" am Schillerplatz seien viele "froh, dass man keine Maske mehr tragen muss". Die Schilder lasse er noch hängen, "damit es nicht gleich überhandnimmt", so Riadh Bourkhis. Auch das Team trage die Mund-Nasen-Bedeckung weiter. Man wolle zeigen, dass man noch Sicherheit biete und nicht "so tun, als ob alles normal ist". Man müsse vorsichtig sein und die Maßnahmen "Schritt für Schritt" ausschleichen, so Bourkhis.

Im "Kaffeehaus" sei von den Masken nicht mehr viel zu sehen, berichtet Mitinhaberin Heike Kohl: "Wir halten uns an die gesetzliche Regel und machen nichts mehr. Das wird auch sehr gut angenommen." Sie hätten dadurch sogar den Eindruck, dass wieder mehr Gäste zu ihnen kämen. Einige "ganz Ängstliche" würden noch mit Mundschutz kommen, in der Regel werde aber darauf verzichtet. Manche seien noch unsicher, würden sich dann aber umso mehr freuen, wenn sie sie absetzen dürften. Das sei auch "ein Lernprozess", da in den letzten zwei Jahren sich viele an die Maske gewöhnt hätten. Das Team sei ebenfalls "heilfroh, dass sie wieder Luft kriegen".

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Autor: Rhein-Neckar-Zeitung