13.07.2022

Erneuter Anlauf für "Edelstein"-Neubau scheitert

Erneuter Anlauf für "Edelstein"-Neubau scheitert

Der Betreiber des seit Ende April geschlossenen Altenheims „Edelstein“ will an derselben Stelle zwei Neubauten errichten. Doch seine Planungen sind weiter zu massiv. Foto: Dorn
Bauvoranfrage für zwei viergeschossige Gebäude liegt vor. Die hält sie das Rathaus für "zu massiv". Kaum Änderungen zu den Plänen von 2017

Schriesheim. (hö) Immer wieder hat der Betreiber des ehemaligen Altenheims "Edelstein", Hubertus Seidler, einen Bauantrag für einen Neubau in der Talstraße angekündigt, aber der lag nie beim Bauamt vor. Doch nun hat sich etwas getan, seit zwei Wochen gibt es eine Bauvoranfrage, die allerdings nicht von Seidler selbst, sondern von einer Baugesellschaft geschickt wurde.

Eine solche Anfrage ist in aller Regel nicht ganz so detailliert wie ein Bauantrag, aber das, was man auf dem Bauamt erkenne.n konnte, ist keine total neue Planung, sondern erinnert eher an das, was Seidler 2017 vorgelegt hatte – wobei er gegenüber der RNZ angekündigt hatte, die alte Planung "abzuspecken" und statt der einst 100 Pflegeplätze nur 80 bauen zu wollen. Das dürfte ihm seitens des Rathauses und der Stadträte Ungemach bringen, denn was 2017 durchfiel, wird fünf Jahre später nicht einfach genehmigt werden – zumal sich einige Voraussetzungen geändert haben.

2017 gab es ebenfalls eine Bauvoranfrage, eigentlich sogar zwei: Im März waren zunächst zwei viergeschossige Neubauten anstelle der alten Häuser vorgesehen – was allerdings für den Ausschuss für Technik und Umwelt (ATU) deutlich zu massiv ausfiel. Im Juli wurde die Planung geändert, das zweite Gebäude zum Rappenbuckelweg hin sollte nur noch drei Geschosse hoch sein. Doch auch das war den ATU-Mitgliedern noch zu wuchtig, auch vom Kreis-Baurechtsamt kam der Wink, einen Bebauungsplan aufzustellen, weil die geplanten Gebäude so nicht nach dem berühmten Paragrafen 34 des Baugesetzbuches – ein Neubau muss sich in die Umgebungsbebauung (weitgehend mit zwei Etagen) einfügen – genehmigungsfähig seien.

Das wurde in diesem Februar in gewisser Weise nachgeholt: Der Gemeinderat fasste einen Aufstellungsbeschluss, sozusagen der erste Schritt für einen Bebauungsplan. Der umfasst nicht nur das "Edelstein"-Gelände, sondern auch mehrere Grundstücke unterhalb des Rappenbuckelwegs, das Areal des Jugendhilfevereins "Orthos" (heute "Hestia"). Und mehr noch: Hier soll ein Wohngebiet entstehen – nicht nur weil das der Wunsch der Stadträte ist, sondern weil diese insgesamt gut zwei Hektar auch im Sanierungsgebiet Talstraße liegen, dessen Ziel die Aufwertung von Gebäuden und die Schaffung von Wohnraum ist. Ein Pflegeheim zählt nicht als Wohnraum (wohl aber das Betreute Wohnen, das Seidler auch hier plant), und da wirkt es sich für Seidler fatal aus, dass das "Edelstein" Ende April schließen musste – und somit keinen Bestandsschutz mehr hat.

Wollte Seidler nun doch hier ein neues Heim bauen, müsste er eine Nutzungsänderung beantragen, die wiederum den Zielen des Aufstellungsbeschlusses entgegensteht. Und was passiert jetzt, wo die Bauvoranfrage vorliegt? Zunächst muss das Kreis-Baurechtsamt entscheiden, ob der ATU auf seiner nächsten Sitzung am 25. Juli diese Bauvoranfrage behandeln darf. Wenn ja, dann wird das Bauamt den Stadträten empfehlen, diese abzulehnen, da die geplanten Neubauten "bei der ersten Prüfung weiterhin zu massiv ausfallen", wie Bauamtsleiter Markus Dorn sagt. Auch Bürgermeister Christoph Oeldorf meint: "Mein Eindruck ist, dass die Planung sich gegenüber 2017 nicht sehr geändert hat."

Doch das Rathaus ist weiter gesprächsbereit – sowohl was den Investor sowie Betreiber (Seidler) und den Eigentümer (Evangelischer Verein) angeht: "Das Wichtigste ist, dass es keinen Stillstand gibt. Mit einem guten Konzept und einer guten Planung wären wir schon ein Stück weiter."

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Autor: Rhein-Neckar-Zeitung