13.07.2022

Kurpfalz-Gymnasium Schriesheim: Das Gymnasium verabschiedete den Abiturientenjahrgang 2022

Kurpfalz-Gymnasium Schriesheim: Das Gymnasium verabschiedete den Abiturientenjahrgang 2022

„Lasst Euch Zeit, Euren Weg zu finden, verliert dabei nicht Euren Mut und gebt die Hoffnung nicht auf – auch wenn der Weg steinig ist“: Schulleiter Hans-Peter Kohl. Foto: Dorn
Probleme lösen? Das haben sie gelernt! Trotz Krisen wie Corona gelang ein Gesamtschnitt von 2,0.

Von Maren Schenk

Schriesheim. 94 Abiturientinnen und Abiturienten des Kurpfalz-Gymnasiums Schriesheim (KGS) sind am Samstag in der Mehrzweckhalle feierlich verabschiedet worden – begleitet von ihren Familien und Freunden. Und dies war etwas Besonderes nach über zwei Jahren Coronapandemie, die den Abiturjahrgang 2022 prägten.

Ein Rückblick auf das Weltgeschehen seit Beginn der Oberstufe – von Corona über den Sturm aufs Kapitol, die Flutkatastrophe im Ahrtal bis hin zum Krieg in der Ukraine – zeige, dass die Welt aus dem Gleichgewicht gerate, sagte Schulleiter Hans-Peter Kohl in seiner Ansprache. Trotzdem solle nun gefeiert werden. Denn gelernt haben die Abschlussschülerinnen und -schüler viel: "Wer einen solchen Abistreich planen und durchführen kann, der hat eine Vielfalt an Kompetenzen erworben", betonte er. Und nun stehe den Absolventen mit dem Abitur eine Vielfalt an Möglichkeiten offen: "Die Qual der Wahl ist eigentlich ein Privileg", sagte Kohl – und zitierte Frank-Walter Steinmeier (2017): "Wir sind Teil einer Welt mit ihren Risiken, und Risiken gibt es auch bei uns. Aber: Kaum irgendwo auf der Welt gibt es mehr Chancen als bei uns." Kohl wünschte dem Abiturjahrgang: "Lasst Euch Zeit, Euren Weg zu finden, verliert dabei nicht euren Mut und gebt die Hoffnung nicht auf – auch wenn der Weg steinig ist."

Bürgermeister Christoph Oeldorf bescheinigte den Abiturientinnen und Abiturienten, sie seien nun "reif für ein selbstbestimmtes Leben". Der Arbeitsmarkt zeige sich von seiner besten Seite. "Machen Sie Pläne – wenn auch nur für den Seelenfrieden Ihrer Eltern."

Für das Kollegium sprach Demet Üstünel-Hartbauer, die einen Deutsch- und einen Gemeinschaftskunde-Leistungskurs leitete: "In meiner fast 25-jährigen Dienstzeit gab es noch nie einen Jahrgang, den ich fünf Stunden pro Woche zu Hause besucht habe – natürlich nur online." In ihrer sehr persönlichen Rede berichtete sie von immer neuen Herausforderungen durch das Coronavirus und darüber, was den jungen Menschen alles gefehlt hatte: nicht nur Praktika, Exkursionen und Projekttage, sondern auch viele soziale Kontakte. Schule als besonderer Ort des Austausches, von Freundschaften und Emotionen konnte plötzlich nicht mehr sein.

Was ist ein Abitur in Coronazeiten überhaupt wert? Das Abitur 2022 sei kein Abitur mit Makel, wie viele befürchteten: "Es gab noch nie ein Abitur, das so hart erarbeitet worden ist wie von eurem Jahrgang", betonte sie. "Das Abitur 2022 steht für Eigeninitiative, Durchhaltevermögen, für Teamgeist, innere Stärke, für Willenskraft und Mut, aber auch für Kreativität im Umgang mit auftretenden Hindernissen, selbstständiges Arbeiten und Recherchieren von Lerninhalten." Dies seien Eigenschaften und Fähigkeiten, "die Ihr für Euer weiteres Leben brauchen werdet".

Vor allem die Studienfahrt sei für alle ein sehr intensives Erleben gewesen, das den Zusammenhalt in der Kursstufe gestärkt habe. Üstünel-Hartbauer betonte: "Jagt nicht mit dem Düsenjet durch eure Jugend, lasst Euch Zeit, entdeckt die Welt, denn es gibt ein Leben außerhalb Schriesheims!" Sie betonte die "Herzensbildung" und zitierte Horst Köhler (2006): "Bildung ohne Herzensbildung ist keine Bildung. Erst wenn Wissen und Wertebewusstsein zusammenkommen, ist der Mensch fähig, verantwortungsbewusst zu handeln."

Für die Eltern sprachen Silke Franze-Hofen und Stefanie Muñoz-Valenzuela, die den Rückblick auf die Schulzeit ihrer Kinder mit der Grundschule begannen: "Alles fing mit einer Schultüte an." Mit Einspielern passender Lieder der jeweiligen Klassenstufen beschrieben sie die typischen Eigenheiten – von der Pubertät bis zur Oberstufe. "Und mit einer Tüte möchten wir die Schulzeit auch beenden", sagten sie und verteilten Mini-Schultüten mit Süßigkeiten an alle Abiturienten.

Die Rede der Scheffelpreisträgerin Merit Schlafmann begann mit typischen Fragen aus der Schulzeit wie: Was ist ein Homoioptoton (Anm. d. Red.: ein lateinisches Stilmittel), wie berechnet man das Volumen eines Kegels? Könne es sein, dass dieses Wissen eine Woche nach den Prüfungen schon wieder vergessen ist – und damit nicht nötig? "Es geht nicht nur um das Was, sondern auch um das Wie." Sie hätten gelernt, Probleme zu lösen. Und dies werde sie an ihre Ziele führen. Außerdem hätten sie Erkenntnisse über sich und ihre Mitmenschen gewonnen, Freundschaften in guten Zeiten genossen und seien in schlechten Zeiten füreinander da gewesen. "Wir haben gelernt, Verantwortung zu übernehmen. Wir haben uns ein Fundament an Werten gelegt in einer Welt, die aus den Fugen geraten ist." Sie blicke mit "Zuversicht in die Zukunft, die uns gehört und die wir gestalten". Ihre Mitschülerinnen und -schüler stimmten ihr mit tosendem Applaus zu.

Und dann war es so weit: Alle Abiturientinnen und Abiturienten bekamen ihre Zeugnisse der Allgemeinen Hochschulreife vom Schulleiter und eine Rose vom Förderverein der Schule überreicht. Kohl freute sich über den hervorragenden Abischnitt von 2,0 – und für die 44 Schülerinnen und Schüler, die eine Eins vor dem Komma haben. Die Traumnote 1,0 erreichten vier Schülerinnen.

Außerdem wurden viele Preise und Auszeichnungen verliehen: nicht nur für die besten Leistungen in einzelnen Fächern und soziales Engagement, sondern erstmals der "Preis des Kollegiums" – für den Schüler, der sich seit der zehnten Klasse am meisten verbessern konnte.

Das Ensemble J2 "Abitur 2022" unter der Leitung von Ulrich Schwarze umrahmte die Feier musikalisch – fünf Musikerinnen und ein Musiker des Jahrgangs zeigten dabei ihr Können.

Hintergrund
> Die Schulbesten: Eine 1,0 im Abitur erreichten Merit Schlafmann, Irina Blasi, Nina Heckfuß und Sofia Fischer-Koch. Mit 1,1 schloss Leo Klein ab, eine 1,2 schafften Nathalie Nitzsche, Patrick Rell, Finja Lauer und Lucie Bühler. Eine 1,3 bekamen Finn Jäckle, Annika Wölfer, Simon Meißner und Sina Rock, bei 1,4 liegt Patrick Wachter. Die 1,5 schafften Nicolas Ridinger, Charlotte Lehr, Simon Renard, Finn Bolz, Anna Scheid und Maja Kempf.

> Preis des Kollegiums: Simon Meißner.

> Scheffelpreis: Merit Schlafmann. Bestes Deutsch-Abitur – Verein Deutscher Sprache: S. Rock. Schulinterne Deutsch-Preise: S. Fischer-Koch, M. Schlafmann.

> Preis der Deutschen Mathematiker- Vereinigung: I. Blasi. Schulinterne Mathematik-Preise: P. Rell, N. Heckfuß, P. Wachter.

> Schulinterne Englisch-Preise: N. Nitzsche, L. Klein.

> Uzès-Preis (Französisch): Lucie Bühler. Schulinterner Französisch-Preis: S. Fischer-Koch.

> Humanismus heute (Latein): L. Klein, I. Blasi, M. Schlafmann, C. Lehr. Schulinterner Latein-Preis: M. Schlafmann.

> Ökumenischer Religionspreis: N. Heckfuß (katholisch), I. Blasi (evangelisch).

> Landespreis für politische Bildung: L. Klein. Schulinterne Gemeinschaftskunde-Preise: N. Ridinger, M. Kempf.

> Deutsche Physikalische Gesellschaft: F. Bolz, Luan Gashi, P. Wachter, Malte Wasner.

> Gesellschaft Deutscher Chemiker: I. Blasi, N, Heckfuß. Schulinterne Chemie-Preise: F. Bolz, F. Jäckle.

> Vbio-Karl-von-Frisch-Preis (Biologie): Samuel Rieger. Schoetensack-Preis (Biologie): S. Rock. Schulinterne Biologie-Preise: S. Meißner, S. Rock.

> Preis der Volksbank Kurpfalz eG (Bildende Kunst): C. Lehr. Otto-Dix-Preis (Bildende Kunst): N. Nitzsche.

> Alfred-Maul-Medaille (Sport): Jonathan Dyckhoff, Lina von Schrader. Landessportpreis: L. von Schrader, M. Schlafmann. Schulinterner Sport-Preis: Svenja Dietrich.

> Hervorragendes soziales Engagement: I. Blasi, A. Wölfer, A. Scheid, M. Schlafmann, Mia Windischmann.

> Sanitätsdienst: Victoria Schröder.

> Chor/Orchester: N. Heckfuß, Annika Heesen, Aaron Meier, Ninja Hofen, A. Scheid, Isabel Schmidt, Marina Wick.

> Nachwuchs forscht: Isabel del Valle Cervantes. mank

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Autor: Rhein-Neckar-Zeitung